Als erstes trifft es immer die abgelegenen Höfe oberhalb der Dörfer im Baselbiet. Ihre Quellen versiegen in einer langen Trockenperiode am schnellsten. Danach sind die Dörfer in den Jurahöhen dran, denn sie beziehen ihr Trinkwasser ebenfalls aus Quellen – und diese reagieren auf Dürre rascher als Grundwasser. Die Dörfer stellen dann als erstes ihre öffentlichen Brunnen ab und rufen zum Wasser Sparen auf.

Doch soweit ist die Region noch lange nicht. «Mir ist nicht bekannt, dass eine Gemeinde im Baselbiet zum Wassersparen aufgerufen hätte», sagt Achim Benthaus, Leiter Fachstelle Wasserversorgung im kantonalen Amt für Umwelt und Energie. Das bestätigt Peter Buess, Brunnmeiter von Wenslingen, das zusammen mit Oltingen und Anwil ein Wasserversorgungsnetz bildet.

Prognosen schwierig

«Aus unserer Quelle fliessen derzeit 15 Liter pro Sekunde», sagt er. Das entspreche dem langjährigen Durchschnitt. Wenslingen hat zusätzlich einige kleinen Quellen, «für die vereinzelten Bauernhöfe reichen sie». Im Wasserverbund Waldenburgertal fliesst aus den drei Quellen etwas weniger Wasser als üblich. Doch der Mit-Verantwortliche Steffen Oberholzer macht sich keine Sorgen: «Es kann noch einige Wochen so trocken bleiben», sagt er.

Allerdings ist das unterirdische Wassersystem eine Zeitbombe. Bleibt es weiterhin trocken, kriegen das die Gemeinden womöglich erst im Herbst zu spüren. «Eine Prognose ist schwierig», sagt Benthaus. «Das System reagiert träge.» Grundsätzlich sei die Wasserversorgung im Baselbiet auf ausserordentliche Trockenheiten ausgerichtet.

Derzeit befänden sich die Grundwasserstände etwa in der Mitte zwischen dem langjährigen Durchschnitt und dem absoluten Minimum. Im Dezember und Januar habe es viel geregnet, das habe die Reserven gefüllt. Diese nähmen jetzt ab. «Für die kommenden zwei bis drei Wochen muss man sich keine ernsthaften Sorgen machen», sagt Benthaus. «Im Herbst müssen wir weiter schauen.»

Schneller Engpässe in kleinen Dörfern 

Dann treffe die Trockenheit meist als Erstes die kleinen, höher gelegenen Gemeinden im Oberbaselbiet. «Grundsätzlich verringern sich in Trockenzeiten die Reserven der Wasserversorgungen», sagt Benthaus. «Dadurch kann es bei Störfällen, etwa einem Leitungsbruch, schneller zu Engpässen kommen.»

Erschwerend kommt für die kleinen Gemeinden hinzu: Sie sind höchstens in kleinen Netzen miteinander verbunden, aber nicht an grosse Netze wie das der Hardwasser AG. «Wenn unser Wasser zurückgeht, müssten wir die Nachbargemeinden anfragen, ob wir uns an sie anschliessen dürfen», sagt Oberholzer. Die dafür nötigen Leitungen müsste man erst legen – und vor allem hätten die Nachbargemeinden bei anhaltender Hitze vermutlich selber kein überflüssiges Wasser abzugeben.

Keinen Grund zur Beunruhigung gibt es hingegen in Basel und im unteren Baselbiet. Dort haben die meisten Gemeinden zwar auch eigene Wasserfassungen, manchmal an Quellen, öfter am Grundwasser. Diese mögen derzeit weniger Wasser liefern als üblich, doch das ist nicht entscheidend. Im Unterbaselbiet ist noch viel Grundwasser da, denn das zieht sich bei Trockenheit weniger rasch zurück als Quellwasser.

Versorgung ist vernetzt

Und vor allem können die Orte rund um Basel Wasser von der Hardwasser AG übernehmen. Das Unternehmen kann nach Belieben Trinkwasser produzieren und nach Basel und Umgebung liefern. Es lässt nämlich im Hardwald Wasser aus dem Rhein versickern. So entsteht über dem natürlichen Grundwasserspiegel ein Wasserberg, und das bis zum Grundwasser durchgesickerte und dadurch saubere Wasser kann man abzapfen. Zudem sind die Trinkwasserverteilsysteme der Gemeinden zwischen Basel und Aesch, zwischen Allschwil und Frenkendorf-Füllinsdorf allesamt miteinander verbunden, sodass nie eine einzelne Gemeinde auf dem Trockenen sitzen wird.

In den letzten Wochen ist der natürliche Grundwasserspiegel zwar gesunken, das hat man bei der Hardwasser in den vergangenen Wochen festgestellt. «Wir müssen mehr Rheinwasser infiltrieren, um den Spiegel zu halten», sagt Betriebschef Roger Gurtner. Aber auch das ist kein Problem. Der Fluss führt derzeit 700 Kubikmeter pro Sekunde, 1000 entsprächen dem Jahresdurchschnitt. Deshalb kann Gurtner mit gutem Gewissen versichern: «Solange der Rhein Wasser führt, können wir Trinkwasser produzieren.»