Die Pläne des Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverbands sind kühn. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, der grösste Sportanlass der Schweiz, soll 2022 im Baselbiet stattfinden: in Aesch.

Natur- und Umweltschützer haben sich gegen den Grossanlass im Birstal ausgesprochen, seit die ersten Pläne vor bald einem Jahr publik geworden waren. Nun nimmt ihr Widerstand Form an: Die Sektionen Aesch-Pfeffingen und Reinach des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbandes haben eine Petition gegen das «Eidgenössische» lanciert. Sie richtet sich an die Baselbieter Regierung. Das geplante Schwingfest, schreiben die beiden Vereine, sei für das vorgesehene Gebiet und die dortige Bevölkerung «nicht zumutbar». Für die dreitägige Veranstaltung soll im Nordwesten Aeschs ein provisorisches Stadion für über 50 000 Zuschauer errichtet werden, das Festgelände würde eine Fläche von gegen 100 Fussballfeldern beanspruchen – es läge teilweise in Arealen, in denen seltene Tierarten brüten.

Somit würde der Anlass «eine zerstörte Natur und verdichtete Böden» zurücklassen, heisst es im Text zur Petition, die am Montag publiziert wurde. Es sei auch mit Ertragseinbussen für die betroffenen Bauern zu rechnen. Unterstützt werden die zwei Sektionen von ihrem kantonalen Dachverband sowie von Pro Natura Baselland.

Regierung unterstützt Aesch

Die Petitionäre fordern die Baselbieter Regierung dazu auf, das «idyllische Naherholungsgebiet» zwischen Aesch und Reinach zu erhalten. Der Regierungsrat jedoch steht einem «Eidgenössischen» im Birstal grundsätzlich positiv gegenüber. Das wissen die Petitionäre: Ende August wurden sie nach Liestal gerufen, um an einem runden Tisch mit Vertretern des kantonalen Schwingerverbands teilzunehmen. Beim Treffen am 29. August waren neben den vier genannten Umweltschutzorganisationen auch Vertreter des Vereins Hopp Hase zugegen. Weiter sassen Kantonsplaner Martin Kolb und Sportamt-Leiter Thomas Beugger am Tisch. Geleitet wurde die Sitzung von der Vorsteherin der kantonalen Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion, Monica Gschwind.

Die Bedenken der Umweltschützer konnten am Treffen, das über eineinhalb Stunden dauerte, aber nicht ausgeräumt werden. Wie Teilnehmer berichten, legte Urs Lanz, Präsident der Baselbieter Kantonalschwinger, dar, wie die besonders sensiblen Gebiete bei den Planungen berücksichtigt werden könnten. So sei es möglich, die temporäre Arena weg von der Ebene Aesch-Reinach, hin zum Aescher Sportzentrum Löhrenacker zu verlegen. «Dies würde jedoch wenig am Schaden ändern, den der Grossevent mit sich brächte», sagt Susanne Brêchet Schönthal, Geschäftsführerin des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbands, zur bz. «Es würden weiterhin riesige Flächen beschädigt.» Erst kürzlich sprach sich auch der WWF Region Basel in seinem Sektionsorgan gegen das «Eidgenössische» in Aesch aus – und brachte den St. Jakob-Park ins Spiel. Bereits 1977 wurde der Schwingerkönig im alten St. Jakob-Stadion gekürt. Es war das bisher letzte Mal, dass das Eidgenössische in der Region stattfand. Die beiden Basel haben alle 45 Jahre Gelegenheit, die Veranstaltung durchzuführen.

Machbarkeitsstudie liegt bald vor

Bereits bei früheren Gelegenheiten wurden der St. Jakob-Park und die Brüglinger Ebene als Alternativstandort genannt. Der Kantonalschwingerverband vertrat jedoch in der bz den Standpunkt, es sei nicht seine Aufgabe, Wettkampforte in Basel-Stadt zu prüfen. Und im Baselbiet gebe es nur noch in der Region Aesch genügend Platz für das Fest. Kantonalschwinger-Präsident Urs Lanz war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Der Verband hat bereits vergangenes Jahr eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Sie soll die Durchführbarkeit des Traditionsanlasses in Aesch prüfen. Die Publikation der Resultate wurde per Ende Oktober oder November in Aussicht gestellt. Man habe die Petition unbedingt vor der Präsentation der Studie lancieren wollen, sagt Fabio Di Pietro, Präsident des Vereins für Natur- und Vogelschutz Reinach. Als Sammelfrist wurde der 26. Oktober gesetzt. Bereits am ersten Sammeltag sind laut Di Pietro mindestens 90 Unterschriften zusammen gekommen.