«Weniger ist mehr? Von wegen! Dieses Jahr ist mehr mehr. Viel mehr!» Mit solchen Worten wirbt RTL 2 für die zweite Staffel der Castingshow «Curvy Supermodels», dem kurvigen Pendant zu «Germany’s Next Topmodel».

Mehr zu bieten haben auch Sakina und Samira Yamine. Sie sind 1.83 Meter gross und tragen Kleidergrössen 44 und 46. Während von einem Model 90-60-90 erwartet wird, betragen die Masse von Sakina 115-95-138 und von Samira 103-83-126. Damit setzten sich die beiden Ziefnerinnen gegen Tausende von Bewerberinnen für das Castingformat durch. Seither sind sie jeden Montagabend am Fernsehbildschirm zu sehen.

«Überzeugt hat wohl vor allem die Tatsache, dass wir Zwillinge sind», glaubt Sakina. «Das lässt sich verkaufen.» Trotzdem seien sie bisher kaum zu sehen gewesen. «Wir sind wohl nicht dramatisch genug.» Man versteht, was die 24-Jährigen damit meinen, wenn man sie auf die neueste Entwicklung anspricht: Sakina flog am Montagabend aus dem Rennen um die Karriere als Plus-Size-Model, Samira ist eine Runde weiter. Und die Entscheidung fiel erst noch, als die beiden auf dem Laufsteg direkt gegeneinander antraten – für Zwillinge sicher keine einfache Situation. «Das ist nicht weiter schlimm», sagt Samira. «Es ist, als dürfte ich noch ein paar Tage länger in den Ferien bleiben, während sie schon heimreist.» So hätten die beiden das auch der Filmcrew gegenüber formuliert, die immer wieder gefragt habe, wie sich das anfühle. Keine Spur von Tränen oder Drama für die Kamera.

Nur selten im Bild

Ob das nun der Grund ist, dass die Zwillinge aus Ziefen bisher nur selten im Bild waren, oder nicht, Sakina wäre gerne präsenter gewesen: «Ich wollte zeigen, dass man auch curvy schön sein kann.» Der Trend gehe zum Glück auch immer mehr in diese Richtung. Sei Dünnsein bis vor kurzem oberstes Gebot gewesen, würden Kurven langsam zum neuen Schönheitsideal. «Ich denke da etwa an Kim Kardashian oder Amber Rose. Sie sind auch curvy und sind echte Ikonen.»

Kommentare, dass Figuren wie die ihre ungesund seien, lässt Sakina einfach an sich abprallen, sagt sie. «Als wäre man mit eine Grösse 32 oder 34 automatisch gesund.» Ihr sei sowieso egal, was Leute von ihr denken. «Unter ein Foto aus der Sendung hat zum Beispiel jemand geschrieben, mein Körper sei unproportional. Was soll ich mich da aufregen? Es stimmt und ich stehe dazu.» Auch direktere Angriffe auf ihre Figur ignoriert Sakina gekonnt. «Wenn mich jemand fett nennt, lache ich nur. Wenn du die ganze Kindheit als ‹scheiss Neger› beschimpft wirst, regst du dich nicht so leicht auf», erklärt die Halbmarokkanerin.

Diese Beschimpfungen aus der Kindheit sitzen tief. «Erst, als wir fürs zehnte Schuljahr in die Stadt gingen und dort erstmals Klassenkameraden hatten, die auch andere Hautfarbe hatten, erlebten wir einen Schulalltag ohne Mobbing und Beleidigungen», erzählt Samira. Etwas vom Schlimmsten sei für sie immer gewesen, dass selbst der Lehrer nicht hinter ihnen gestanden habe. «Wenn wir uns gewehrt haben, bekamen nur wir Ärger. Und eine rassistische Beleidigung wie ‹scheiss Neger› wurde einfach auf eine Stufe gestellt mit ‹dumme Kuh›.»

Diese Erlebnisse hätten sie stark gemacht, sagt Samira, die von bösen Online-Kommentaren im Zusammenhang mit der Castingshow bisher verschont geblieben ist. «Aber andere Kandidatinnen haben teilweise wirklich schlimme Nachrichten und Kommentare erhalten», erzählt die Büroassistentin. Das weiss sie deshalb so genau, weil die Mädels, die es in die Top 30 geschafft haben, in regem Austausch stehen. «Wir haben einen Gruppenchat und schreiben uns täglich», sagt Sakina. Die nächsten Wochenenden seien alle ausgebucht mit Treffen mit anderen Teilnehmerinnen. So hat Sakina vielleicht nicht den Titel, aber viele Freundinnen gewonnen. Samira hingegen ist immer noch im Rennen und wird am Montag wieder alles geben.