Jetzt ist das Urteil des Kantonsgerichts zum Ziegelhof-Projekt in Liestal rechtsgültig: Das Gericht wies Ende Januar die Einsprachen von fünf Privatpersonen gegen den Quartierplan ab. Gestern nun endete die Frist, um das Urteil ans Bundesgericht weiterzuziehen. Und beide Einsprecher-Gruppen verzichteten auf einen Weiterzug, wie sie auf Anfrage der bz mitteilten.

Martin Kluge, bis letzten Herbst Präsident des Vereins Pro Ziegelhof, sagt für die eine, dreiköpfige Gruppe: «Wir verzichten auf eine Eingabe, weil die Chance, vor Bundesgericht zu gewinnen, nach dem Fünf-zu-null-Entscheid des Kantonsgerichts sehr klein ist.» Das ändere aber nichts an seiner Meinung, dass es schade sei, die historische Häuserzeile an der Lindenstrasse zugunsten des Projekts abzureissen. Es gelte nun, die Baueingabe mit den konkreten Formen der Gebäude und der Dachlandschaften abzuwarten, sagt Kluge. Ähnlich tönt es auch von der zweiten Einsprecher-Gruppe, einem Brüder-Paar. Deren Anwalt Pascal Leumann hält fest: «Meine Mandanten verzichten auf eine Beschwerde, weil ihnen das Prozessrisiko vor Bundesgericht zu hoch ist. Aus rechtlicher Sicht wäre ein Entscheid des höchsten Gerichts jedoch interessant.»

Somit herrscht nun grünes Licht für den Investor Bovida AG aus Baar, das Baugesuch einzureichen. Allerdings kann Verwaltungsratspräsident Abraham Budak sein Glück noch nicht ganz fassen: «Wenn es so ist, dass die Einsprecher das Urteil nicht weiterziehen, sind wir glücklich. Doch glauben kann ich es erst, wenn ich es vom Gericht schwarz auf weiss habe.» Deshalb wolle er im Moment auch noch nichts zum weiteren Fahrplan sagen. Sicher sei aber, dass seine Firma das Projekt weiterverfolge, so Budak.

Coop redet um den Brei

Im günstigsten Fall könnte Bovida im Herbst mit dem Bau beginnen. Denn von der Eingabe des Baugesuchs bis zum Vorliegen der Baubewilligung daure es etwa sechs Wochen, sagt der Liestaler Stadtrat und Bauchef Franz Kaufmann. Solange bräuchten die Behörden von Stadt und Kanton für die Prüfung – sofern keine Einsprachen eingehen und die Baueingabe dem Quartierplan entspricht. Und auch Kaufmann sagt: «Das ist eine gute Nachricht, dass das Urteil nicht weitergezogen wird. Wir sind froh, dass nun Sicherheit besteht und die zunehmende Verslumung auf dem Ziegelhofareal ein Ende hat.»

Bleibt noch die nicht ganz unwichtige Frage, ob Coop als Ankermieter im Ziegelhof-Centrum an Bord bleibt. Denn vor fast einem Jahr liess der Grossverteiler wegen der rechtlichen Blockade des Projekts gegenüber der bz verlauten: «Wir prüfen alle interessanten Standorte.» Dabei sei auch ein Um- respektive Ausbau am bisherigen Standort an der Rathausstrasse eine Option.

Und heute? Coop versteckt sich hinter einem Mäntelchen nichtssagender Worten. So lässt Silvia Siffert von der Kommunikation der Coop-Verkaufsregion Nordwestschweiz-Zentralschweiz-Zürich die bz auf einen ganzen Fragekatalog, den wir schriftlich einreichen mussten, wissen: «Coop nimmt den Ablauf der Einsprachefrist gegen das Urteil des Kantonsgerichts von Ende Januar 2015 zur Kenntnis und prüft gerne weiterhin das Ziegelhof-Projekt. Weitere Auskünfte können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine machen.»

Aufbruchstimmung tönt anders und es würde mittlerweile kaum noch jemanden überraschen, wenn Coop beim Ziegelhof-Projekt von Bord ginge.