Das Anaxo-Gebäude zwischen der Hohenrainstrasse und dem Prattler Bahnhof füllt sich langsam: Mit einer wichtigen Zollstelle konnten die Betreiber einen prestigeträchtigen und langfristigen Mieter gewinnen. Die Eidgenössische Zollverwaltung belegt rund 2200 Quadratmeter an Büroflächen.

Noch riecht es in so manchem Büro nach frischer Farbe. Seit knapp einer Woche arbeiten die insgesamt 150 Mitarbeiter der Zollverwaltung hier. Zogen bislang also vor allem die Logistikfirmen nach Pratteln, folgte jetzt auch der Zoll: Man wolle nahe am logistischen «Hotspot» sein, wurde gestern an der Einweihung erklärt.

Die Abteilungen waren bislang in Muttenz angesiedelt, wegen der geplanten Sanierung der Deponie Margelacker mussten sie allerdings das dortige Gebäude bis Ende 2010 aufgeben. Das richtige Timing für den Neubezug war nicht simpel: Das Bürohochhaus auf dem Planzer-Areal bot nicht genügend Platz für die 150 Mitarbeiter, und die anderen Neubau-Projekte in Pratteln kommen zu spät – der Anaxo-Bau blieb als einzige Option. Der Mietvertrag läuft vorläufig über lediglich fünf Jahre. Es wurde an der Einweihungsfeier aber betont, man wolle mit der Abteilung langfristig in Pratteln bleiben.

Praktisch die gesamte Kommunikation zwischen den Logistikfirmen und dem Zoll läuft elektronisch. Lediglich bei physischen Kontrollen fahren (oder spazieren) die Mitarbeiter zu den Firmen. So manche Arbeitsplatzverteilung wurde auch mit den beiden Basler Halbkantonen ausgehandelt: Rund 30 der 60 Mitarbeiter des Zollinspektorats Basel-Dreirosen arbeiten nun in Pratteln, der Rest bleibt weiterhin im Basler Rheinhafen.

Doch so modern sich der Zoll auch gibt, sonderlich beliebt ist er bei den Firmen logischerweise nicht. Rudolf Dietrich von der Eidgenössischen Zollverwaltung liess in einer launigen Rede gestern durchblicken, dass er sich durchaus darüber bewusst sei, dass insbesondere die Wirtschaft nicht mit allen Lösungen im Zollbereich zufrieden sei. «Die meisten Regeln, die wir durchsetzen müssen, hat nicht der Zoll erfunden. Und wir sollten auch nicht über die Sinnhaftigkeit dieser Regeln diskutieren, sondern sie einfach vollziehen», sagte Dietrich.

Fälschungssicheres Papier

In Pratteln ist ebenfalls neu das Verrechnungszentrum für den gesamten Schweizer Zoll angesiedelt, auch werden hier die Zollrechnungen ausgedruckt und verschickt. Auf teurem und fälschungssicherem Papier notabene, weil die Steuerverwaltung nur solche Belege als authentische Zollabrechnungen akzeptiere. Digital signierte Dokumente seien deshalb vorderhand noch kein Thema, war am Rande zu erfahren.

Oberzolldirektor Rudolf Dietrich ging auch kurz auf die Forderungen diverser Politiker ein, wonach künftig auch kleine Unternehmen alle Zollangelegenheiten ohne Papierkrieg direkt über ein Webportal erledigen könnten. «Das ist ein schönes, hehres Ziel, aber es lässt sich nicht von einem Tag auf den anderen erfüllen. Ich würde es als Vision bezeichnen», sagte Dietrich.