Obwohl die Krisenstäbe beider Basel zum Verzicht auf den Waldspaziergang aufgerufen hatten, wanderten am Wochenende nach dem Sturm bereits wieder viele durch die ramponierten Wälder. Ueli Meier, Vorsteher des Amts für Wald beider Basel, sagt: «Wir raten den Menschen bis auf weiteres davon ab, in den Wald zu gehen.» Und dies noch bis Ende Januar.

«Tisch drei, Louise», drängt der Mann aus der Küche die Frau von Hüttenwart Marcel Wunderlin. Er stellt ihr einen dampfenden Teller Suppe hin. Die Gasstätte am Fuss des Liestaler Aussichtsturms ist voll von Spaziergängern. Alle sind sie zu Fuss durch den Wald gewandert, um sich hoch oben auf dem Schleifenberg zu verpflegen. Zwar sei der Sturm Thema unter den Gästen, Angst jedoch habe niemand, erzählt Louise Wunderlin. «Die Bürgergemeinde hat uns grünes Licht gegeben. Alle wichtigen Zugangswege sind frei.» Schon am Samstag seien viele zum Aussichtsturm gepilgert.

Optisch ist Burglind sehr präsent. Geknickte Bäume, entwurzelte Bäume. Auf mehreren Abschnitten sieht es aus, als hätte sich die Hauskatze an der Weihnachtsdekoration vergriffen: Überall verstreut liegen Tannenzweige. Der Wald riecht nach ihnen. Warndreiecke weisen auf Baumarbeiten, Baumpflege und Holzschlag hin.

Eine junge Familie mit zwei Kindern betritt den Wald. Von der amtlichen Warnung wissen die vier nichts. «Wenn wir sehen, dass es zu gefährlich wird, kehren wir halt um», sagt der Vater. Er gehe davon aus, das kaum mehr etwas runterfallen werde, da wohl das meiste bereits unten sei. Ein weiterer unwissender Familienvater weisst auf den Hang über ihm. «Keine schräg stehenden Bäume», sagt er als Erklärung, warum er sich nicht fürchte. «Auf der anderen Seite des Schleifenberges würde ich im Moment aber keinen Abstieg wagen.» Der nächste Passant weiss Bescheid. «Wir bleiben auf den Wegen, schon wegen der Sicherheit unserer drei Kinder», räumt er ein. «Ins Waldesinnere gehen wir nicht, weil noch etwas nachrutschen könnte.»

Weit weniger aufgeräumt präsentiert sich der Hardwald zwischen Birsfelden und Muttenz. Einige Wege können schlicht nicht genutzt werden, weil die querliegenden Bäume ein hohes, dichtes Mauerwerk bilden. Hier sind weniger Waldwanderer unterwegs als in Liestal. Ein Ehepaar führt seine vier Hunde aus. Ihnen ist nicht bewusst, dass der Wald bis Ende Januar gemieden werden soll. Bedenken, ihn zu betreten, haben sie keine. «Es windet nicht und es ist auch nirgends etwas angeschrieben», begründet der Mann. Von einem herabfallenden Ast getroffen werden? «Das wäre wie ein Sechser im Lotto», meint er. Nicht, was das Glück betrifft, sondern die Wahrscheinlichkeit.

Eine kleine Frau mit aufrechtem Gang erzählt, sie gehe seit ihrer Pensionierung täglich spazieren. 92 Jahre alt sei sie inzwischen geworden. Nicht zuletzt wegen genügend Bewegung an der frischen Luft sei sie bei guter Gesundheit. Mit Bestimmtheit hebt sie den Zeigefinger ihrer rechten Hand: «Wissen Sie, wenn Sie sich von allem abhalten lassen, sich zu bewegen, dann ist das auch ungesund.»