Soll mein Kind in einer Kindertagesstätte oder lieber in einer Tagesfamilie betreut werden? Eltern, die gleichzeitig berufstätig sein wollen, stellen sich zu Beginn ihrer Elternschaft diese Frage. Doch wie sieht die Situation der Tagesfamilien aus? Gibt es überhaupt noch Tagesmütter, die Kinder bei sich zu Hause betreuen? Heinz Füeg, Geschäftsleiter des Vereins Tagesfamilien Oberes Baselbiet, gibt Auskunft.

Herr Füeg, wie viele aktive Tagesmütter gibt es im Oberbaselbiet im Vergleich zu den vergangenen Jahren?

Heinz Füeg: Im Jahr 2013 waren 139 Tagesmütter für unseren Verein tätig. Die Zahl ist im Vergleich zu den letzten Jahren leicht gestiegen. Die Nachfrage nach Tagesmüttern ist deutlich grösser geworden. In den 44 Gemeinden, die wir mit Tagesmüttern abdecken, wurden letztes Jahr insgesamt 372 Kinder betreut.

Ist es schwierig, Tagesmütter zu finden?

Geeignete Tagesmütter zu finden, ist nicht einfach. Im Unterschied zu den Eltern, die von sich aus oder durch die Sozialbehörde auf uns zukommen, müssen wir Tagesmütter aktiv suchen. Dabei kann es gelegentlich zu Engpässen oder Wartezeiten kommen, wenn es an einem Ort zu wenig Tagesmütter gibt.

Gibt es auch Tagesväter?

Ja, wir beschäftigen zurzeit zwei Tagesväter. Einen Bauern und einen Rentner, wobei beide Ehemänner gemeinsam mit ihren Frauen die Kinder betreuen oder Mittagstische beaufsichtigen.

Wie wird man Tagesmutter?

Frauen, die Tagesmutter sein möchten, sollten genügend Erziehungs- und Lebenserfahrung mitbringen. Uns und den Eltern ist es wichtig, dass die Frau selbstverständlich mit Kindern umgehen kann. Deshalb vermitteln wir sehr selten junge Frauen ohne eigene Kinder. Wenn man Tagesmutter sein will, muss man an Gesprächen mit den Eltern und der Vermittlerin teilnehmen und wird dann von ihnen beurteilt und begleitet. Ausserdem muss im ersten Jahr ein Nothelferkurs für Kleinkinder und ein Basiskurs von insgesamt 18 Stunden besucht werden.

Kann jedes Kind in einer Tagesfamilie aufgenommen werden?

In Prinzip schon. Kinder ab mindestens 3 Monaten bis etwa 15 Jahre. Natürlich gibt es aber auch Kinder, die schwerer zu vermitteln sind. Wobei dies eher am zeitlich zu hohen Betreuungsbedarf als an individuellen Eigenheiten der Kinder liegt.

Tagesfamilie oder Kindertagesstätte – was ist bei den Eltern im Oberbaselbiet beliebter?

Anhand der stetigen Nachfragen kann man sagen, dass Tagesfamilien immer beliebter werden. Neben den Kitas sind Tagesfamilien komplementäre Angebote. Letztlich kommt es auf die Eltern an. Wollen sie ihr Kind fünf Tage in der Woche betreuen lassen, so ist eine Kita in der Regel die bessere Lösung. Viele Tagesmütter bieten nur zwei bis drei Betreuungstage pro Woche an, da die meisten zusätzlich noch eine andere Arbeit haben. Wollen die Eltern ihr Kind in einem kleineren Rahmen unterbringen, so sind die Kinder in einer Tagesfamilie gut aufgehoben. Tagesmütter dürfen in der Regel nicht mehr als fünf Kinder gleichzeitig betreuen.

Rentiert ihr Verein?

Wir sind ein gemeinnütziger Verein und arbeiten nicht gewinnorientiert. Wir sind aber natürlich bestrebt, unsere Kosten zu decken, was bisher recht gut gelungen ist.

Ist es wichtig, dass das Angebot der Tagesfamilien weiterhin bestehen bleibt?

Ja. Die laufend wachsende Nachfrage spricht hier eigentlich für sich. Die Kinder bekommen von einer Tagesmutter viel mehr Aufmerksamkeit. Ausserdem sind Tagesfamilien meist flexibler als Kitas. Bring- und Holzeiten können individuell abgemacht werden und eine weitere Möglichkeit ist die Betreuung am Wochenende oder in der Nacht.