So ein Zufall. Unabhängig voneinander verzichten die Nachbargemeinden Itingen und Lausen künftig auf ihr Energiestadt-Label. Itingen, seit 2006 in diesem Programm dabei, hat das Gütezeichen kürzlich abgeben. Lausen ist seit 16 Jahren «Energiestadt» und kehrt auf Ende Jahr dem Trägerverein den Rücken zu.

Alle vier Jahre müssen «Energiestadt»-Gemeinden eine Überprüfung, ein sogenanntes Re-Audit, durchführen. Dazu erforderlich ist ein akkreditierter Berater, um das Dossier einzureichen. Ebenfalls stellt er sicher, dass die Gemeinde über die nötigen Unterlagen verfügt und mit dem Auditor in Kontakt steht. Wie die «Energiestädte» das Aufbereiten ihrer Leistungen aus den vergangenen vier Jahren und das Erarbeiten des neuen Aktivitätenprogramms mit dem Berater aufteilen, bleibt ihnen überlassen.

«Namhafter» Aufwand

Die beiden Baselbieter Dörfer Itingen und Lausen zumindest wollen diesen Aufwand nicht mehr auf sich nehmen. «Ein Re-Audit kostet uns etwa 15'000 Franken. Es bindet auch Ressourcen auf der Verwaltung. So kommen wir auf rund 30'000 Franken», rechnet Lausens Gemeindepräsident Peter Aerni vor. Für seinen Itinger Amtskollegen Martin Mundwiler war der «namhafte» administrative Aufwand ein Grund zu hinterfragen, ob die Weiterführung des Labels noch gerechtfertigt sei.

Die beiden Gemeindepräsidenten stehen hinter der Idee des Energiestadt-Labels und bekennen unisono, dass ihre Kommunen davon profitiert hätten. Dazu sagt Aerni: «Wir bekamen Richtlinien vorgesetzt. Das Label hat uns auf einen guten Weg gebracht, den wir nun weitergehen werden. Und wir wurden für nachhaltiges Denken sensibilisiert.»

Die Co-Geschäftsführerin des Trägervereins Energiestadt, Stefanie Huber, gesteht, «dass das Label einen gewissen Aufwand verursacht». Es sei ja auch ein Qualitätssiegel. «Wir bemühen uns, den administrativen Aufwand möglichst klein zu halten. An den inhaltlichen Anforderungen aber wollen wir nicht schrauben, das ist der Qualitätsanspruch des Labels», unterstreicht Huber. Die Verantwortlichen schauten mit den Gemeinden regelmässig die Zielsetzungen an, die für sie individuell sinnvoll seien. Danach würden die Projekte gemeinsam aufgegleist. Stefanie Huber räumt ein, dass sporadisch Gemeinden das Energiestadt-Label abgeben, die Zahl der «Energiestädte» aber stetig zunehme; dieses Jahr stiessen 20 neue dazu.

Lausen beklagt, dass sich sein jährlicher Mitgliederbeitrag heuer auf 2600 Franken verdoppelt hat. Die Gemeinde übertraf die Einwohnerzahl von 5000 und schlitterte in die höchste der drei Mitgliederkategorien. «Wir überprüfen die Beiträge regelmässig», sagt Stefanie Huber. «Uns ist bewusst, dass der Sprung in eine höhere Mitgliederkategorie wie im Fall Lausen eine zusätzliche Belastung ist.» Sie liessen Lausens Rückmeldung in ihre Diskussion einfliessen, verspricht Huber. Wofür der Trägerverein Energiestadt die erhaltenen Gelder verwendet, darüber informiert er jährlich seine Mitglieder – mit Bericht und Rechnung.

Die beiden Dörfer werden auch ohne Gütesiegel ihren energiepolitischen Weg weiter beschreiten. Diesbezüglich werde sich in ihren Gemeinden nicht viel ändern, erklären die Präsidenten von Lausen und Itingen. «Wir haben uns mittlerweile selber die Latte hochgelegt und können dem Label auch künftig problemlos entsprechen», ist Peter Aerni überzeugt. Martin Mundwiler gibt zu bedenken: «Heute haben fast alle öffentlichen Bauten strenge Auflagen, sodass man gar nicht mehr anders bauen kann.»

Das monetär darbende Reigoldswil, dessen Budget 2017 erst im zweiten Anlauf von der Gemeindeversammlung genehmigt worden ist, diskutiert trotz prekärer Lage nicht über den «Energiestadt»-Jahresbeitrag von 1300 Franken. «Ein Austritt aus finanziellen Gründen war nie ein Thema», betont Gemeindepräsident Urs Casagrande. Das Label bringe auch Vorteile mit sich: Bei Finanzierungen über Postfinance hätten sie schon von günstigeren Konditionen profitiert. Dieser Energiebonus war eine vorübergehende Aktion, die inzwischen wieder eingestellt worden ist. Bei neuen Energie- und Klimaprojekten kommen «Energiestädte» in den Genuss von diversen Fördermassnahmen, wofür sie sich bewerben müssen. Dafür stehen spezielle Finanzierungstöpfe bereit.