Die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie von einer Lehre mindestens gleich viel hält wie vom gymnasialen Bildungsweg. Bereits bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der Wahl 2015 sagte sie bei der Verkündung des Baselbieter Sparpakets: «Die Jungen finden es gemütlicher, in die Schule zu gehen als sich mühselig um eine Lehrstelle zu bewerben.»

Die Vollzeitschulquote steige stetig und deshalb auch die Bildungskosten. Gschwind kündete an, über die Anzahl Gymnasien im Landkanton zu diskutieren. Im Baselbiet sind es deren fünf, während im vergleichbar grossen Kanton Solothurn nur zwei stehen.

Laufen ist wohl sicher

Knapp drei Jahre war das Thema von der Bildfläche verschwunden. Nun hat es die Freisinnige wieder aufs Tapet gebracht. Sie hat eine Arbeitsgruppe bestehend aus vier Baselbieter Gymnasialrektoren und einem Schulleiter der Fachmaturitätsschule (FMS) ins Leben gerufen. Bis zu den Sommerferien soll die Arbeitsgruppe verschiedene Organisationsmöglichkeiten der Gymnasien ausarbeiten. Unter anderem soll der Frage nachgegangen werden, wie künftig Kosten gespart werden können.

Der Liestaler Gymi-Rektor Thomas Rätz ist Präsident der Baselbieter Schulleiterkonferenz und bestätigt, dass auch eine Reduktion der Gymnasialstandorte im Raum steht. Anders als vor ein paar Jahren noch gemutmasst wäre es allerdings nicht der Standort Laufen mit den tiefsten Schülerzahlen, der zum Opfer fiele. «Dies wäre politisch nicht durchsetzbar», glaubt Rätz. Stattdessen wird ein neuer Vorschlag diskutiert: die Schliessung des Gymnasiums in Muttenz. Zunächst mag dies überraschend klingen, ist doch das stadtnahe Gymnasium mit rund 800 Schülern besonders beliebt.

FMS würde zentralisiert

Obwohl Rätz den Plan bisher erst als «Idee» bezeichnet, stehen fundierte Überlegungen dahinter. Auslöser der neuen Arbeitsgruppe war der Neubau der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) sowie die Umnutzung des bestehenden Fachhochschulgebäudes. Hier sollen die Gewerblich-Industriellen Berufsfachschulen Muttenz und Liestal zusammengefasst werden.

Im «Masterplan Sekundarstufe II», den Gschwind vergangenen Sommer präsentierte, wurden die Pläne für das Muttenzer Polyfeld bis ins Jahr 2032 aufgezeigt. Damit einher geht eine Aufwertung von Muttenz als Bildungsstandort. Die Berufsfachschulen sollen hier bis 2024 zusammengeführt, die Baselbieter Brückenangebote für die Sekundarschulabgänger bis 2028 konzentriert werden. Auch sah der Masterplan vor, dass die Muttenzer Gymnasiasten sowie die Fachmaturitätsschüler 2028 in die sanierten Schulräume der heutigen Gewerbeschule auf dem Polyfeld zügeln würden. Das ist nicht mehr in Stein gemeisselt. «Im Rahmen des geplanten Umzuges des Gymnasium Muttenz in die heutigen Räume der Gewerbeschule Muttenz wird auch die Situation der Gymnasien insgesamt analysiert», sagt Rätz. Dabei würden «Synergiemöglichkeiten» geprüft.

Klar ist aber, dass das Gymnasium im neuen Bildungscluster in Muttenz nicht ersatzlos gestrichen würde. Einhergehen würde, so die Überlegungen der neuen Arbeitsgruppe, eine Zentralisierung der FMS auf dem Polyfeld. Die Fachmaturitätsschulen, die im Gegensatz zum Gymnasium nicht für die Universität, sondern «nur» für schulisch anspruchsvolle Berufe und höhere Fachschulen qualifizieren, sind heute den Gymnasien angegliedert. Das birgt Probleme, wie auch Rätz einräumt.

«Die FMS gilt heute als Anhängsel. Wenn man sie an einem Ort zentralisieren würde, wäre das gut für das Selbstwertgefühl der Schüler.» Eine solche Aufwertung wäre gleichzeitig ein Risiko, ist er sich bewusst. Denn damit verbunden wären weitere Schulwege, was wiederum zu einem Attraktivitätsverlust der Schule führen könnte.

Gschwind äussert sich nicht

Monica Gschwind will sich zur Zukunft der Gymnasialstandorte derzeit nicht äussern. Das ist bemerkenswert, sprach sie im vergangenen Sommer noch davon, dass diese «unbestritten» seien, allein wegen der Schülerzahlen und des damit verbundenen Platzbedarfs. Das Problem wäre bei einer Zentralisierung der FMS allerdings gelöst – schliesslich entsteht an allen Gymnasialstandorten neuer Schulraum. Gschwind klingt heute anders als im vergangenen Jahr: «Eine zentrale FMS ist eine von vielen Möglichkeiten, die untersucht wird.» Sie wolle sich allerdings einer Bewertung der Idee enthalten, bis die Arbeitsgruppe das Faktenblatt mit den «Chancen und Risiken» der verschiedenen Zukunftsmodelle zusammengestellt habe.

Wichtig ist der als Sparministerin verschrienen Freisinnigen aber eins: Die Lösung werde «nicht nur in finanzieller Hinsicht bewertet, sondern auch in pädagogischer und organisatorischer.»