Lediglich 18,5 Prozent der Jugendlichen im Kanton Basel-Stadt unterschreiben direkt nach der obligatorischen Schulzeit einen Lehrvertrag und nehmen damit eine berufliche Grundbildung in Angriff. Im nationalen Vergleich ist das mit Abstand die tiefste Quote und liegt fast 30 Prozent unter dem Schweizer Durchschnitt. Baselland führt keine Statistik über die Direktübertritte nach der obligatorischen Schulzeit, jedoch konnte der Kanton einen Rekordwert bei der Anzahl vergebenen Lehrstellen verzeichnen.

Die kantonalen Unterschiede zeigt auch die Maturitätsquote auf. Während in Basel fast 29 Prozent nach der obligatorischen Schulzeit das Gymnasium besuchen, wählen in Baselland nur 21 Prozent den akademischen Weg. Hanspeter Hauenstein, Leiter des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung AfBB, sieht die gute wirtschaftliche Lage als Grund für die erfolgreiche Rekrutierung von Lehrlingen in Baselland. Aber auch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Wirtschaftskammer Baselland, die seit Jahren mit dem KMU-Lehrbetriebsverbund viele Lehrstellen schafft und mit der Berufsschau für das duale Berufsausbildungssystem wirbt, steht hinter dem Erfolg.

Um die Direktübertrittsquote zu verbessern, bemüht sich besonders der Gewerbeverband Basel um die zukünftigen Lernenden. Zum Beispiel mit der Basler Berufsmesse, bei der 100 Aussteller rund 30’000 Interessierten während dreier Tage ihre Zunft präsentieren und über die Berufslehre informieren. Mit dem Wettbewerb «Lehrling des Jahres» sucht der Verband in den beiden Basel nach dem besten Lernenden und will damit die Wertschöpfung in der Berufsbildung erhöhen und die Lernenden motivieren.

Das neuste Projekt des Verbands «Campus Unternehmertum» startet 2015. Besonders leistungsstarke Schüler sollen mit dem Projekt für die Berufsbildung gewonnen werden, die dann zu den künftigen Fachpersonen und Unternehmer aufgebaut werden sollen. Als eines der Hauptziele will der Verband mit dem Projekt die eklatant tiefe Direktübertrittsquote nach der obligatorischen Schulzeit erhöhen. Auch nach der Lehrzeit sollen die Lernenden bei der Planung für die weitere Karriere unterstützt werden.

Weniger Lernende

Besonders die Baubranche muss um die zukünftigen Lernenden in ihrem Berufszweig kämpfen. «Jedes Jahr entscheiden sich weniger Schüler für Berufslehren in der Baubranche», erklärt Rolf Graf, Ressortverantwortlicher der Aus- und Weiterbildung des Verbands Bauunternehmer Region Basel BRB. Um leistungsschwache Schüler den Einstieg in die Berufswelt zu vereinfachen und mehr Lernende zu rekrutieren, schafften die Unternehmer die Lehrstelle mit Berufsattest, den Baupraktiker.

Mit Besuchen in den Schulen wollen die Bauunternehmer Region Basel die Schüler schon im Schulzimmer für ihren Berufsstamm gewinnen. Ein eigens dafür geschaffenes Informationsfahrzeug unterstützt sie dabei. Denn interessierte Schüler können sich in diesem Fahrzeug informieren und erste praktische Erfahrungen sammeln, in dem sie zum Beispiel Mauerwerksarbeiten kennenlernen, Kanalisationen verlegen oder mit dem Nivellierinstrument Höhenunterschiede messen.

Auch die sozialen Medien spielen bei der Lehrstelleninformation eine wichtige Rolle. Die Kantone, Verbände und Unternehmen müssen viele verschiedene Kommunikationskanäle nutzen, um die Jugendlichen zu erreichen und für eine Lehrstelle zu gewinnen.