Es waren mathematische Kapriolen, die die Rofra AG in ihrer Begründung veranstaltete, weshalb sie den Zuschlag für den Zubringer Pfeffingerring von der A18 ins Gewerbegebiets Aesch Nord hätte erhalten sollen. Da passte es, dass Referent Niklaus Ruckstuhl in seinem Urteil das Beispiel eines Mathematiktests heranzog: Wenn die ganze Klasse schlecht abschneide, passe der Lehrer die Skala an. Für alle. Es gehe nicht, dass jemand nach der alten Skala eine 4 und nach der neuen eine 6 habe, der andere bei beiden eine 3. So verfahre aber die Rofra AG in ihrer Argumentation.

Es war einens von vielen Argumenten der Rofra AG, welches die Kantonsrichter gestern in der Luft zerrissen. Schliesslich stimmen sie unisono für die Abweisung der Beschwerde des Aescher Bauunternehmens. Dieses hatte sich dagegen gewehrt, dass der Zuschlag an die Berner Marti AG ging. Denn sie hatte für 11,85 Millionen offeriert, die Aescher für 10,45 Millionen. Begründet hatte der Kanton die Wahl damals so: Zuerst werden technische Aspekte nach einer Punkteskala bewertet. Die Gesamtpunktzahl wird dann durch den Preis geteilt. So erhalte man eine Preis-/Leistungsbewertung. Und die Rofra AG ist mit 33 260 Franken pro Punkt plötzlich teurer als die Marti AG mit 27 573 Franken.

Aber genau um die Punkteskala baute die Rofra AG ihr Hauptargument vor Gericht auf. Denn der Kanton und die Firma, welche die technischen Aspekte bewertet hatte, hatten unterschiedliche Skalen verwendet. Beide gingen von 1 bis 5. Beim Kanton aber war die 1 ungenügend, die 5 gut; bei der externen Firma die 1 genügend, die 5 sehr gut. Deshalb hätte der Kanton die Bewertungen nicht einfach übernommen dürfen, sondern umrechnen müssen. Sonst seien etwa genügende Leistungen der Rofra AG plötzlich ungenügend.

Die Kantonsrichter waren sich zwar einig, dass diese unterschiedlichen Skalen unglücklich seien. Da die Abstände jedoch gleich blieben, sei das Argument nicht weiter relevant. Wäre umgerechnet worden, hätte die Punktzahl nicht nur für die Rofra AG angepasst werden müssen, sondern auch jene der Marti AG – wie beim Mathetest eben.

Qualität muss stimmen

Auch die anderen Argumente der Rofra AG mochten die Richter nicht zu überzeugen. So machte diese etwa geltend, dass bei einer vollständigen Erfüllung der Kriterien automatisch die volle Punktzahl zu vergeben sei. Das verneinte Ruckstuhl: «Besonders gute Lösungen müssen sich abheben können.» Der Preis könne nicht zu 100 Prozent den Ausschlag geben. Gerichtspräsidentin Franziska Preiswerk fügte an, dass gerade in diesem Fall die Qualität mindestens so wichtig sei. Das ergebe sich schon durch die Tragweite des Projekts. Dieses sei komplex, unter anderem weil der Zubringer den Durchstich unter der Aescher Hauptstrasse und dem Trassee der Tramlinie 11 erfordere. Denn der Verkehr dürfe nicht zu stark behindert werden. Die Rofra AG habe dafür zwar das notwendige Know-how, so Preiswerk. In der Offerte werde dies jedoch nicht deutlich.

Rofra-CEO Christof Hiltmann ärgert sich. «Für uns ist das Projekt nicht komplex. Und es ist ein Widerspruch, dass die Kantonsrichter als Laien keine inhaltliche Beurteilung der Offerten vornehmen möchten, andererseits ein Urteil über den Anspruch des Bauprojekts fällen.» Noch lässt die Rofra AG offen, ob sie das Urteil weiterziehen möchte. Es werde aber schwer, künftig an Ausschreibungen teilzunehmen. «Wenn der Preis dermassen in den Hintergrund gerückt wird, dass bei lauter genügenden Projekten ein 1,4 Millionen teureres gewählt wird, fragen wir uns, ob wir bei diesem Spiel mitspielen möchten.»