Blocher. Allein dieser Name löst schon manches in uns aus. Blocher steht für Furchtlosigkeit, Unternehmertum, für passionierten Streit um den Erhalt von Schweizer Tradition. Und vieles mehr. Wir denken an den Juristen aus Herrliberg, den ehemaligen Pfarrer von Hallau, die Ems-Chemie mit Magdalena Martullo-Blocher an der Spitze, das Schloss Rhäzüns, wo Christoph Blocher zuweilen residiert oder den Berner Maler Ferdinand Hodler, den derselbe Blocher verehrt. Blochersche Spuren finden sich auch in der Nordwestschweiz.

Basler Läckerli aus Frenkendorf

Die Familie kam im 19. Jahrhundert in die Schweiz. Emanuel Blocher, Bruder von Christoph Blochers Grossvater Eduard, war Fabrikdirektor in der Baumwollspinnerei Neue Welt bei Basel. Dessen in Münchenstein geborener Sohn Eugen studierte in Basel und war später Mitglied der Basler SP. Eduard wurde in Basel geboren und widmete sich der Theologie. Inzwischen hat die Baselbieter Gemeinde Frenkendorf eine gewisse Anziehungskraft auf die Familie entwickelt. Hier ist das Sophie-Blocher-Haus zu einer festen Grösse geworden, hier eröffnete 2011 Christoph Blocher den Wahlkampf der Baselbieter SVP. Hier wird schon bald Miriam Blocher ihre Basler Läckerli produzieren.

Dass der SVP-Vordenker für die Baselbieter Sektion zum Wahlkampfstart in Frenkendorf sprach, sei ein Entscheid der Partei gewesen. Christoph Blocher schreibt seine Anwesenheit dem blossen Zufall zu, «hätten sie mich in eine andere Gemeinde eingeladen, wäre ich dorthin gegangen.» Zufall? Voltaire, französischer Philosoph, sah im Zufall noch ein Wort ohne Sinn, denn «nichts kann ohne Ursache existieren». Blocher jedenfalls fühlte sich wohl und lobt die Gastgeber: «Sie sind wie alle Baselbieter stets freundlich und zuvorkommend.»

«Sehr bodenständig»

Für Gemeindepräsident Rolf Schweizer (SVP) war es ein «Highlight», in der Dreifachhalle Egg neben Christoph Blocher zu sitzen, «ihn mal so kennen zu lernen, über Gott und die Welt zu diskutieren». Erlebt habe er ihn «sehr bodenständig, sehr an Frenkendorf interessiert». Treffe man ihn persönlich, erhalte man ein ganz anderes Bild von Christoph Blocher. Schweizer erinnert sich, dass Blocher erst noch die Parzelle besichtigen wollte, auf welcher Tochter Miriam gerade den Neubau des Läckerli Huus hochziehen lässt. «Kaufst du jetzt schon Maisfelder im Baselbiet zusammen», soll er ihr gegenüber am Telefon gescherzt haben. «Landstücke für einen Gewerbebetrieb gibt es in der Region Basel nicht sehr viele», weiss Miriam Blocher, «wenn es denn eines zu kaufen gibt, gilt es zuzuschlagen.»

Über die Ankunft von Miriam Blocher zeigte man sich am Neujahrsapéro der Frenkendörfer FDP sehr erfreut. Viele kamen. Kaum einer, welcher der Unternehmerin nicht applaudierte. «Ich könnte mir auch nicht vorstellen», sagt Miriam Blocher, «warum man das Läckerli Huus nicht mit offenen Armen empfangen sollte. Ich meine, man darf darauf stolz sein.» Ob es mehr Fluch sei oder doch ein Segen, den Namen Blocher zu tragen, könne sie nicht beantworten, «denn ich kenne die Alternative ja nicht». Von Frenkendorf selbst habe sie noch lange nicht alles gesehen. «Ganz ehrlich bin ich zurzeit, wenn ich Frenkendorf bin, vor allem auf unserer Baustelle. Natürlich aber kenne ich auch einige Restaurants, die Gemeindeverwaltung und so weiter.»

«Da schwingt schon Stolz mit»

«Unsere Fläche an Gewerbegebiet neigt sich dem Ende zu», sagt SP-Gemeinderat Urs Kaufmann, «da ist das Läckerli Huus zweifellos eine gute Nutzerin, ein Haus mit grosser Tradition, das Arbeit bringt und Ausstrahlung besitzt.» Beste Werbung für Frenkendorf, ergänzt Rolf Schweizer. «Da schwingt schon ein gewisser Stolz mit.» Dass Miriam Blocher gerade nach Frenkendorf kommt, schreiben die Exekutivpolitiker einmal mehr dem Zufall zu. Obwohl, gemäss Schriftsteller Ambrose Bierce ein Zufall nichts weiter ist als «ein unvermeidliches Ereignis, das auf unveränderlichen Naturgesetzen beruht».

Seit mehr als zehn Jahren ist die Gemeinde auch Heimat des Sophie-Blocher-Haus, das 70 Obdachlosen Unterkunft, Verpflegung, Betreuung und Beratung bietet. «Eine Institution, die es braucht», sagt Kaufmann. Christoph Blochers Schwester Sophie konnte die Eröffnung nicht mehr miterleben. Sie verstarb 2002 in Basel. «Vielleicht liess sich dieses Haus dort günstig erwerben», mutmasst Christoph Blocher über die Standortwahl. Rolf Schweizer erzählt von einer Liegenschaft mit angrenzendem Land, das es damals zu verkaufen galt. Ein bisschen zufällig eben. «Erst hatten wir Bedenken, ob Probleme mit der Nachbarschaft entstehen könnten, doch wider Erwarten hat sich alles ohne Klagen eingespielt», erzählt Gemeindepräsident Schweizer, «Frenkendorf ist eben weltoffen, darum sagten wir uns, wir wagen das.»

«Jedes Projekt hat seine eigene Geschichte, und kein Projekt wusste vom anderen», sieht Christoph Blocher keinen Zusammenhang im Zusammentreffen familiärer Spuren in Frenkendorf. Auch nicht, dass ihn ein Stück Baselbieter Geschichte hierher gezogen haben könnte. «Natürlich habe ich Freude am Denkmal an der Hülftenschanz, so wie ich Freude an allen Denkmälern habe, die auf die Schweizer Geschichte Bezug nehmen. Nur habe ich leider dieses Denkmal noch nie gesehen, was nachzuholen ist.» Das wäre dann wohl kein Zufall.