Für Viet Dang war immer klar: «Ich möchte im Ausland tanzen. Mein Traum ist, meinen Beruf international auszuüben, denn in Amerika oder Japan ist die Tanzszene viel professioneller als in der Schweiz.» Der Tänzer und Choreograf strahlt über das ganze Gesicht, als er erzählt, was ihm im vergangenen Sommer passiert ist. Denn: Viet Dangs Wunsch ist Wirklichkeit geworden. Am 4. Januar fliegt der Basler mit vietnamesischen Wurzeln nach Los Angeles –
eine Agentur, die Tänzerinnen und Tänzer an Stars oder Shows vermittelt, hat ihn in deren Kartei aufgenommen.

L.A.-Basel retour

Bis er sein Ziel erreicht hat, musste Dang lange Jahre hart arbeiten. Seit fünf Jahren fliegt er regelmässig nach Los Angeles. «Immer wieder habe ich dort an Wettbewerben teilgenommen.» Jedes Mal aber habe er versagt. «Ich habe den Nervenkitzel nicht ausgehalten und hatte Blackouts.» Diesen Sommer ging er ruhiger an die Sache heran. «Ich nahm mir vor, mein Bestes zu geben.» Die Konkurrenz war riesig. 600 Tänzerinnen und Tänzer wollten einen Platz in der Kartei der Agentur ergattern; viereinhalb Stunden musste Dang tanzen, bis am Schluss noch 49 Konkurrenten auf der Bühne standen. Dann das Finale: «Wir mussten zu zehnt eine Choreografie präsentieren und wurden auf Video aufgenommen.» Nun folgte das sechstägige Warten auf den Anruf der Agentur, der über Dangs Zukunft entscheiden sollte. Und dann die Erlösung: «Die Jury nahm mich, zusammen mit 24 anderen Tänzern, im August unter Vertrag.»

Dang weiss, dass ihm sein Äusseres neben seinem tänzerischen Talent bei der Wahl geholfen hat. «Zurzeit sind in Amerika Mischlinge gefragt. Menschen, die man nicht definieren kann.» Er zum Beispiel sehe zwar asiatisch aus, habe aber grosse Augen und nicht die typische asiatisch-flache Nase. Diese Tatsache offenbare: «Tänzer sind oberflächlich.» Aber es sei wiederum das ehrlichste Business. «Es ist wichtig zu wissen, worauf man sich einlässt. Das Aussehen und die Verkaufszahlen zählen.» Er sei ein Produkt, das je nach Nachfrage für eine Show oder einen Musikclip ausgesucht werde – oder nicht. «Ich weiss das, also ist es für mich in Ordnung.

Dem asiatischen Tänzer ist bewusst, dass ihn die schwarze «R&B»-Sängerin Rihanna nie in ihrer Gruppe haben möchte. Sie suche sich grosse schwarze Tänzer aus. «Auch Justin Timberlake will mich nicht. Er möchte klassische Schönlinge.»

Tanzlehrer in Los Angeles

Obwohl Dang in drei Wochen nach Los Angeles fliegt, bricht er seine Zelte in Basel nicht ab. Er pendle, denn er wolle hier und überhaupt in Europa für Engagements erreichbar bleiben. Das Einzige, was Dang aufgrund seines neuen Lebens wehtut, ist sein Tanzstudio im Gundeli, das er für seine Karriere aufgeben muss. Seit 16 Jahren unterrichtete er an der Zwingerstrasse rund 80 Schüler in Hip-Hop und Jazz-Funk. Sein Trost: «Ich habe in Los Angeles ein Engagement als Tanzlehrer.» Dass er seine Geschwister und seine Eltern in Basel zurücklassen muss, sei wiederum nicht so schlimm. «Meine Familie ist mir wichtig. Aber meine Karriere hat Vorrang.» Zudem haben sich seine Familienmitglieder in den vergangenen fünf Jahren daran gewöhnt, dass er an Weihnachten und Geburtstagen nie in Basel sei.

Den ersten Schritt in Richtung internationaler Tanzbühne hat der ehrgeizige Dang vor fünf Monaten geschafft. Am Ziel angekommen ist er aber noch lange nicht. «Ich will mich als Tänzer etablieren und in Videoclips grosser Stars wie Madonna, Janet Jackson oder Lady Gaga dabei sein. Und mit ihnen auf Tournee gehen.»