Nicht schlecht gestaunt hat Radsport-Funktionär Fredy Zaugg, als er in der bz Mitte Dezember las, dass der Baselbieter Sportanlagen-Topf «Kasak» ein Comeback erleben soll. SP-Landrätin Sandra Strüby-Schaub hat eine Motion eingereicht. Damit fordert die Buckterin von der Regierung, «umgehend» ein Kasak 4 mit Verpflichtungskredit vorzulegen, «mit welchem der Kanton seine Verantwortung für die bedarfsgerechte Mitfinanzierung der Sportinfrastruktur von kantonaler und regionaler Bedeutung wahrnehmen kann».

Unterlagen ausgegraben

Daraufhin kramte Zaugg seine umfangreichen und detaillierten Unterlagen hervor, die vor etwa zehn Jahren für eine Hallenradrennbahn mit multifunktionalem Innenraum erarbeitet worden waren, und schrieb in einer Mail: «Sollte das Kasak 4 kommen, ist es wichtig, schon jetzt den Radsport-Bedarf wieder anzumelden.»

Der Bättwiler hat das grosse Vorhaben mit drei weiteren Promotoren, von denen inzwischen zwei verstorben sind, ab 2005 vorangetrieben. Der Bau hätte 12 bis 15 Millionen gekostet und wäre auf dem Gebiet Löhrenacker in Aesch vorgesehen gewesen.

Im Jahr 2010 erfolgte dann das jähe Ende. «Nachdem es lange gut ausgesehen hatte, teilte uns die Baselbieter Regierung mit, dass sie auf unser Anliegen nicht eingehen könne, weil dafür kein Geld vorhanden sei», erzählt Fredy Zaugg. Dieser hatte sich stark in der damaligen Interessengemeinschaft Velodrom engagiert, deren Aktivitäten vor gut sechs Jahren aber eingestellt worden sind. Heute ist Zaugg Ehrenpräsident des Basler Velo-Clubs Basilisk und verwaltet diesen. Früher präsidierte er das OK der Schönthal-Rundfahrt in Füllinsdorf.

Für den jetzt 70-Jährigen ist nach wie vor klar: In der Region braucht es eine «Turnhalle für Velofahrer» – ohne Zuschauerrampen, die sowieso nicht benutzt würden. «Mit dem Kasak 4 besteht die Chance, das Projekt neu zu lancieren», ist Fredy Zaugg überzeugt. Die existierenden Pläne könnten «mehr oder weniger» aus der Schublade geholt werden. Gewisse Anpassungen wären aber nötig, auch müsste die Standortfrage neu erörtert werden.

Zudem müssten neue Köpfe her, die mit Herzblut hinter einem solchen Projekt stünden. «Wenn Baselland und Basel-Stadt je drei, vier Millionen einbrächten, sollte die Radrennhalle realisierbar sein.»

Wie viel Geld aus dem Kasak 4 fliessen sollte, dazu wagt sich Zaugg nicht auf die Äste hinaus. Jede Million mehr sei besser, vielleicht beteilige sich auch der Kanton Aargau an diesem Bau. In Grenchen, Aigle und Genf hat es zwar bereits Radrennhallen. Doch davon profitiert die Region Basel nicht. «Wie wollen Sie hier flächendeckend Nachwuchsförderung betreiben, wenn Sie für die Trainings mit den Jungen regelmässig nach Grenchen oder in die Westschweiz fahren müssen?», fragt Fredy Zaugg rhetorisch.

Sportamt macht Bedarfsabklärung

Christian Saladin, der stellvertretende Leiter des Baselbieter Sportamts, glaubt nicht, dass bei einer Bewilligung von Kasak 4 der Kanton mit Gesuchen überschwemmt würde. Deshalb führt das Sportamt momentan eine Bedarfsabklärung durch und hat dazu alle Gemeinden und sämtliche Sportverbände im Baselbiet angeschrieben. «Sie sollen uns bis Ende Februar melden, welche regionalen Sportprojekte sie in den nächsten fünf Jahren planen», erklärt Saladin. Dann sähen sie, wie der Bedarf an Sportanlagen und finanziellen Mitteln sei.

Eine 400-Meter-Rundbahn in Therwil für die Leichtathletik ist immer wieder ein Thema. «Da ist zwar gerade nichts in Planung, aber aus Sportsicht notwendig in dieser Region», meint Christian Saladin, der den Swisslos-Sportfonds verwaltet, aus dem nach einem Verzicht eines Kasak-3-Verpflichtungskredits Beiträge an regionale Sportprojekte ausgerichtet werden.
Das Sportamt hatte den Auftrag für die laufende Bedarfsabklärung von der Regierung erhalten, bevor Landrätin Sandra Strüby ihre Motion für ein Kasak 4 einreichte.