Der vergangene Montag sollte eigentlich in jedem Kalender rot markiert sein. Schliesslich geht es um viel Geld. Der 30. September war nämlich die Frist, bis zu der Versicherte bei der Krankenkasse ihre Zusatzversicherungen aufs kommende Jahr kündigen können. Dies im Gegensatz zur Grundversicherung, bei der man sich noch bis Ende November Zeit lassen darf. Für Baselbieterinnen und Baselbieter war die diesjährige Deadline zudem besonders wichtig: Da ab Anfang 2014 zwischen Baselland und Basel-Stadt die freie Spitalwahl gilt und Baselbieter Patienten endlich keinen Aufpreis mehr für Behandlungen in den teureren Basler Spitälern zahlen müssen, braucht man dafür auch keine Zusatzversicherung mehr.

Kanton bestätigt Freizügigkeit

Dies haben die beiden Kantonsregierungen am 24. September definitiv beschlossen – also gerade einmal knapp eine Woche vor Ablauf der Kündigungsfrist. «Als ich darüber in der bz las, war mir klar, dass ich deshalb meine Zusatzversicherung kündigen will», sagt dazu Anita Wälti aus Augst. Als sie jedoch bei ihrer Versicherung Sympany nachfragte, riet man ihr von einer Kündigung ab. Es sei nicht garantiert, dass Baselbietern bei einer Behandlung in Basel wirklich die vollen Zusatzkosten erstattet würden. Wälti war verunsichert und verzichtete darauf, zu kündigen.

Auf Nachfrage der bz hält Urs Knecht vom Rechtsdienst der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) jedoch klipp und klar fest: «Die komplette Patientenfreizügigkeit zwischen beiden Basel heisst: Ab 2014 zahlt der Patient nichts mehr drauf, wenn er sich in der Stadt behandeln lässt.» Hat ein Baselbieter also nur wegen Basel-Stadt eine Zusatzversicherung für die freie Spitalwahl in der ganzen Schweiz abgeschlossen, so sei diese ab kommendem Jahr unnötig.

Kein Spielraum für Krankenkassen

Wälti ist empört: «Ich wurde falsch informiert.» Theoretisch muss sie nun ein weiteres Jahr die Prämien für die Zusatzversicherung bezahlen. «Der 30. September ist eine gesetzliche Frist. Eine spätere Kündigung ist nicht möglich», sagt Sympany-Sprecherin Anne Tschudin. Die Krankenkasse habe gar keinen Spielraum, um kulant zu sein. «Es ist ein echtes Dilemma mit dieser Frist», hat auch Paul Rhyn vom Krankenkassenverband Santésuisse das Problem erkannt.

Konkret bedeutet dies: Hat ein Baselbieter Versicherter nicht mitbekommen, dass die Zusatzversicherung für ihn je nachdem überflüssig wird, oder riet ihm seine Kasse davon ab, bleibt er nun für ein weiteres Jahr auf den Kosten sitzen. Diese belaufen sich etwa bei Sympany auf rund 18 Franken pro Monat. Ist man wie Anita Wälti bereits über 60-jährig, steigen die Kosten auf rund 30 Franken – sprich 360 Franken pro Jahr.

Chance bei Prämienanpassung

Eine Hoffnung bleibt allerdings: Passt die Krankenkasse die Prämien für diese Zusatzversicherung per 2014 an, gibt es ein ausserordentliches Kündigungsrecht bis zum 30. November. Dies ist bei Sympany tatsächlich der Fall, da sie die Prämien für die freie Spitalwahl um 20 Prozent senken. Wälti möchte die zweite Chance denn auch unbedingt nutzen.

Rhyn sieht die Hauptschuld für das Deadline-Dilemma übrigens keineswegs bei den Krankenkassen, sondern bei den Regierungen beider Basel. Dies, weil sie erst so spät informiert haben. Zudem sei noch immer nicht klar, wie die Freizügigkeit genau umgesetzt werde: «Jetzt sind sie in der Pflicht, ihre Versprechen auch zu halten.» Tatsächlich müssen die Details noch auf Verordnungsstufe festgeschrieben werden, wie Knecht bestätigt. Er gibt denn auch zu: «Die Frist des 30. Septembers stand bei uns nicht im Zentrum.»