Die Gegner und Befürworter der Vorlage zur Entwicklungsplanung Leimental-Birseck-Allschwil (Elba), die am 8. November zur Abstimmung kommt, haben sich schon tief in ihre ideologischen Gräben zurückgezogen. So tief, dass im Abstimmungskampf ein wichtiger Aspekt bisher übersehen wurde: das Bevölkerungswachstum. Je nach Variante, die realisiert wird, wachsen nicht nur die Kosten unterschiedlich, gewisse Gemeinden erwartet auch einen Anstieg der Einwohnerzahl – in einigen Fällen wäre er massiv.

nach Elba-Varianten Umbau und Ausbau

Elba: Bevölkerungswachstum in Gemeinden bis 2035 nach Elba-Varianten Umbau und Ausbau

nach Elba-Varianten Umbau und Ausbau

Mit den geplanten Strassentunnels unter Allschwil und Binningen-Bottmingen würden bei der vom Regierungsrat vorgeschlagenen Variante «Ausbau» vor allem die grossen Gemeinden rund um Basel wachsen. Bei der Variante «Umbau» hingegen wäre es der zweite Agglomerationsring, der eine starke Zuwanderung verkraften müsste. Konkret heisst dies: Ausbau beschert Allschwil, Reinach und Münchenstein insgesamt fast 16 000 zusätzliche Bewohner. Einen ähnlich starken Effekt hat die Variante Umbau für Aesch und Therwil: Diese zwei Gemeinden müssten sich auf einen Bevölkerungsanstieg von rund einem Drittel einstellen.

Prognose sehr offensiv

Ebenfalls eine starke Zuwanderung käme mit Umbau auf Arlesheim, Bottmingen und Oberwil zu. Keine Rolle spielt die Variante hingegen für Biel-Benken, Ettingen, Schönenbuch, Pfeffingen und Burg im Leimental.

Die Prognosen beziehen sich auf das Jahr 2035. Sie sind in der Elba-Landratsvorlage vom Januar enthalten und stützen sich auf das Szenario «hoch» der Studie «Bevölkerungsprognosen für den Kanton Basel-Landschaft 2009–2035» von Wüest & Partner. Die Studie ist auch Grundlage bei einer Prognose der Entwicklung der Beschäftigtenzahl im Zuge von Elba. Auch dort fällt die Differenz betreffend Wachstum, je nach Variante, für einige Orte beträchtlich aus, jedoch nicht im selben Masse wie bei der Einwohnerzahl.

Den höchsten Bevölkerungssprung hätte mit der Elba-Variante Ausbau Münchenstein zu erwarten. Es ist die Variante, die der Gemeinderat unterstützt. Bis im Jahr 2035 könnte die Einwohnerzahl auf über 17 000 hochschnellen. Diese Zahl bezeichnet Münchensteins Gemeindepräsident jedoch als unrealistisch. «Ich wüsste nicht», sagt Giorgio Lüthi, «wo diese zusätzlichen Bewohner überall unterkommen sollten.» Der Gemeinderat rechne mit 15 000 Einwohnern; dieser Wert sei auch im räumlichen Entwicklungsplan enthalten.

Reto Wolf, Gemeindepräsident von Therwil, glaubt ebenfalls nicht, dass die Bevölkerung seiner Gemeinde bei der Variante Umbau auf über 13 000 Einwohner steigen würde. «Die Studie stützt sich auf die Bevölkerungszahlen des Jahres 2009. Seither ist Therwil bereits um mehr als 400 Einwohner gewachsen. Nochmals 3000 mehr lägen also kaum drin.»

Therwil will moderat wachsen

Ein derart starker Anstieg würde auch nicht dem Willen der Bevölkerung entsprechen, sagt Wolf: «Diese wünscht sich ein moderates Wachstum.» Das habe sich im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens für die Revision des kommunalen Richtplans klar gezeigt. Der Therwiler Richtplan wird voraussichtlich im April verabschiedet. Letztlich habe die Gemeinde das letzte Wort, wie stark sie wachsen wolle, sagt Wolf – er räumt aber ein: «Aus den Elba-Berechnungen ergibt sich natürlich trotzdem ein gewisser Druck.»

Allschwil ist in den vergangenen Jahren bereits stark gewachsen. Die Gemeinde hat eine Siedlungsverdichtung eingeleitet. Ohne diese wäre es hingegen schwierig, sagt Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli, Wohnraum für weitere 4500 Einwohner schaffen zu können, wie dies die Variante Ausbau laut Studie notwendig macht. Das Ziel des Gemeinderats besteht laut Nüssli darin, die Bevölkerungszahl zu stabilisieren, daran wolle man festhalten. «Wir können die Liegenschaftsbesitzer ja nicht dazu zwingen», sagt Nüssli, «ihre Objekte aufzustocken.»