Aller Widerstand war zwecklos: Seit Sommer 2016 muss eine Handvoll Schüler aus Oberdorf in die Sekundarschule Reigoldswil. Dies weil Bildungsdirektorin Monica Gschwind an der Sek Oberdorf eine Klasse strich, um zu sparen.

Nun wird wieder gespart. Dieses Mal allerdings beim kantonalen öV-Angebot. Der Entwurf zum Fahrplan 2018, der am Montag in die dreiwöchige Vernehmlassung ging, beinhaltet mehrere Angebotsreduktionen.

Eine fällt dabei aber aus dem üblichen Rahmen – und betrifft die Oberdörfer Schüler ganz direkt: Baselland ersetzt zwischen Oberdorf und Reigoldswil erstmals überhaupt tagsüber einen Streckenabschnitt einer Buslinie durch einen Taxidienst, der nach Fahrplan fährt. Bisher gab es dies nur nachts.

Billiger als weitere Schulklasse

Die Linie 91 soll ab dem 10. Dezember nur noch zwischen Bretzwil und Reigoldswil verkehren. Die weitere Strecke bis Oberdorf und zurück deckt ein Taxi ab. Im Fahrplanentwurf steht konkret: «Die wegen Schülerverschiebungen notwendigen Fahrten zwischen Oberdorf und Reigoldswil auf der Linie 91 werden nur noch zu Schulzeiten angeboten. Diese werden durch einen lokalen Taxibetreiber fahrplanmässig durchgeführt.»

Die Differenz zum Status quo ist gross: Statt zehn Fahrten pro Tag, die der 91er zurzeit wochentags absolviert, soll das Taxi nur noch zweimal morgens in Oberdorf abfahren, mittags einmal von Reigoldswil zurück, nach dem Mittag wieder hin und am späten Nachmittag noch zweimal nach Oberdorf zurück.

Ergänzend wird der 92er von Bennwil über Oberdorf bis Liedertswil verlängert. So kann die Baselland Transport AG (BLT) die beiden Linien mit zwei statt drei Bussen abdecken. Die BLT ist es auch, die den Taxibetreiber auswählt.

Ein absolutes Minimalangebot also, das dabei komplett auf den Stundenplan in Reigoldswil zugeschnitten ist. Dominic Wyler, in der Bau- und Umweltschutzdirektion der Verkehrsplaner öV, hält fest: «Als reine Schülerverbindung macht ein Bus zwischen Oberdorf und Reigoldswil wirtschaftlich einfach keinen Sinn mehr, da ihn nur sehr wenige Personen nutzen.» Während das Angebot extra an die Schulzeiten angepasst wurde, werden die – wenigen – anderen Fahrgäste freilich keine Freude an der neuen Lösung haben. Doch Wyler sagt trocken: «Letztlich haben wir rein sachlich und nicht emotional abgewogen: Das Taxi ist günstiger als die rund 250 000 Franken für eine zusätzliche Schulklasse in Oberdorf.»

Taxi steht allen offen

Wie viel der neue Dienst im Vergleich zum Linienbus kostet, möchte Wyler noch nicht offenlegen. Es liege aber eine Offerte der BLT auf dem Tisch, die nun verhandelt werde. Beim Kanton legt man Wert darauf, dass die ungewöhnliche Lösung eng mit den Gemeinden und der BLT zusammen erarbeitet wurde. Tatsächlich kommt sie bei der Politik nicht schlecht an: «Es ist eine pragmatische Lösung und sicher besser als gar kein Angebot», sagt etwa der Oberdörfer Gemeindepräsident Piero Grumelli, der sich freut, dass der 91er dafür wieder am Wochenende fährt.

Für den Oberdörfer SP-Landrat Hannes Schweizer, der die zuständige Bau- und Planungskommission präsidiert, sind zwei Dinge entscheidend: Dass das Taxi dann fährt, wenn die Schüler es wirklich brauchen, aber auch, dass es von jedermann benutzt werden kann. Beides wird erfüllt. Wobei der Platz für weitere Fahrgäste neben den Schülern in einem Standard-Taxi äusserst beschränkt wäre. Wyler sagt aber, dass noch abgeklärt werde, ob eventuell auch Grossraum-Taxis fahren.

Ob diese Lösung auch sonst im Kanton Schule macht, ist unklar. Durch den geringen Platz in einem Taxi bleibt es aber wohl die Ausnahme. Und auch beim 91er ist die Zukunft ungewiss: «Ohne Schülerverschiebungen bräuchte es die Verbindung Oberdorf-Reigoldswil gar nicht mehr», sagt Wyler. Und tatsächlich: Laut Grumelli ist fürs nächste Schuljahr nicht vorgesehen, dass noch weitere Oberdörfer Schüler nach Reigoldswil müssen. Haben die bestehenden Pendler also erst mal die Sek hinter sich, könnten das Taxi und mit ihm die leidigen Zwangsverschiebungen bereits wieder Geschichte sein.