Wer in der Geschichte der Schlösser Binningen und Bottmingen stöbert, den überkommt ein Gruseln. Das hat aber nichts mit Geistern zu tun (von diesen ist nirgends die Rede). Grund sind die alten Gemäuer selbst: Sie wurden mehrmals umgebaut, zweckentfremdet und sogar nieder gebrannt.

Die Liste der Schlossherren ist lang und liest sich wie ein regionales «Who is Who» vom Spätmittelalter bis in die Neuzeit. Viele Besitzer mussten die Gemäuer nach kurzer Zeit wieder verkaufen oder gar versteigern lassen. Kurz: Die Schlösser waren (und sind bis heute) Spielball der Mächtigen – und somit Abbild der jeweiligen Gesellschaft.

Zuletzt wurde dies im Jahr 2011 deutlich: Im Rahmen des Sparpakets wollte der Kanton Baselland, der Besitzer von Schloss Bottmingen, dieses im Baurecht abgeben, zusammen mit Schloss Wildenstein. Das Volk lehnte dies zwei Jahre später klar ab. In Binningen beschäftigte sich das Gemeindeparlament monate-, ja jahrelang mit dem Umbau der Schlosstreppe. Die Schlösser-Abstimmung und der sogenannte Schlosstreppen-Streit sind die vorerst letzten Kapitel im bewegten Leben der zwei alten Bauwerke.

Kulisse für Hochzeiten

Dabei ist die heutige Nutzung im Vergleich zu früheren Zeiten ruhig. Beide beherbergen Spitzengastronomie und im Falle Binningen auch ein Hotel. Und beide sind beliebte Kulissen für kitschige Hochzeiten. Tobias Eggimann, Geschäftsführer von Baselland Tourismus, bezeichnet die heutige Nutzung als «Glücksfall»: «Im Tourismus geht es ja auch immer darum, Wertschöpfung auszulösen.»

Dass hinter den dicken Mauern edel diniert werden kann, ist auch für Christoph Matt begrüssenswert. Er ist Präsident der Burgenfreunde beider Basel. «Eine derartige Nutzung ist ideal, da die Bauwerke für die Öffentlichkeit im Prinzip zugänglich bleiben. Die Besucher können sich so eine Vorstellung davon machen, wie es wohl früher gewesen sein muss, in einem Schloss zu leben.»

Den Wassergraben wieder öffnen

Die Burgenfreunde sind eng mit dem Schloss Bottmingen verbandelt. Der Verein wurde 1931 ebenda gegründet. Zu jener Zeit muss das Weiherschloss einen stark verlotterten Eindruck gemacht haben. Auf jeden Fall hefteten sich die Burgenfreunde die Restauration des Schlosses auf die Fahnen, was auch in die Tat umgesetzt wurde.

Für das Binninger Schloss wünscht sich Christoph Matt, dass dieses seinen im 18. Jahrhundert zugeschütteten Wassergraben zurück erhält. Bei der Aushebung würden wohl etliche historische Zeugnisse den Weg zurück ans Tagelicht finden. Denn bevor es eine Müllabfuhr gab, warf auch die feine Gesellschaft ihren Abfall aus dem Fenster – in Binningen und Bottmingen direkt in den Wassergraben.