Roland Mamie ist gespannt. Auf eine Vorhersage über den Ausgang der Abstimmung über den Laufner Ausstieg aus dem Zweckverband der Sozialdienste Laufental (SDL) vom kommenden Sonntag wagt er sich nicht hinaus. Zu eng werde das Resultat sein, sagt der Präsident des Referendumskomitees. Dieses schloss sich zusammen, nachdem die Gemeindeversammlung am 9. Dezember beschloss, aus dem Verbund auszutreten. Das überparteiliche Komitee sammelte 543 Unterschriften.

Der damalige Antrag an der Gemeindeversammlung zum Ausstieg aus dem Zweckverband stammte vom Stadtrat selber. Die Nachricht über den geplanten Ausstieg schlug im Laufental wie eine Bombe ein: Laufen ist mit 45 Prozent der grösste Leistungsbezüger der SDL und bezahlte 2009 über 400 000 Franken oder 33 Prozent an die Gesamtkosten von 1,25 Millionen Franken.

Stadtpräsidentin Brigitte Bos und ihr Ratskollege Linard Candreia argumentierten, dass die Kosten für Laufen von 2005 bis 2009 um 40 Prozent gestiegen seien. Sie plädierten deshalb für einen Alleingang mit zwei Anstellungsverhältnissen mit insgesamt 130 Stellenprozent und 170 000 Franken. Damit könnte Laufen für die Behandlung der 70 Sozialfälle rund 130 000 Franken sparen, sagen sie. Dem entgegnet Roland Mamie: «Der Laufner Stadtrat möchte nun im Bereich der SDL den Alleingang wagen und führt vor allem Kostengründe an.» Mamie behauptet, die Berechnungen des Stadtrates hätten Lücken und der Alleingang würde die Kosten in die Höhe schnellen lassen.

Der Schlagabtausch an Podien und in Leserbriefen zeigt die Brisanz der Abstimmung. Gemäss Brigitte Bos ist der Vorschlag des Alleingangs nicht in Stein gemeisselt: «Wir sind auch offen für andere Lösungen. Klar ist nur, dass das Verbandskonstrukt der SDL nicht mehr funktioniert.» Viel habe man daran herumgebastelt, gebracht habe es aber nur wenig, so die Stadtpräsidentin.

Neben dem finanziellen Aspekt sind die verkrusteten Strukturen der SDL ein weiterer Punkt, der dem Stadtrat missfällt. Die Entscheidungswege seien zu lang und zu viele Instanzen würden ins Tagesgeschäft dreinreden. «Wir wissen alle, dass es in den Strukturen Verbesserungsbedarf gibt. Der Ausstieg ist aber der falsche Weg», sagt Roland Mamie.

Wegweisende Abstimmung

Für das Laufental hat die Abstimmung wegweisenden Charakter. Steigt Laufen aus, sind die SDL wohl Geschichte. Der Röschenzer Gemeinderat reagierte auf die Ankündigung von Laufen mit einer geharnischten Medienmitteilung, in der er den geplanten Ausstieg Laufens verurteilt. Andere Gemeinden sehen die Sachlage ähnlich dem Laufner Stadtrat und wollen oder sind schon (Nenzlingen) aus dem Konstrukt ausgetreten.

Roland Mamie, auch Präsident der FDP Laufen, zeigt sich enttäuscht: «Es ist ein Schritt in die falsche Richtung.» In 30 Jahren gebe es im Laufental wohl keine 13 Gemeinden mehr. Alleingänge seien das Gegenteil von dem, was der Region gut tun würde. Stadtpräsidentin Bos stellt aber sogleich klar, dass dieser Schritt keine Abkehr von der regionalen Zusammenarbeit wäre.