Fürs Interview kommt Mike Keller, Gemeindepräsident von Binningen, ins Büro seiner Amtskollegin Anne Merkofer-Häni in die Bottminger Gemeindeverwaltung. Er scheint den Ort gut zu kennen, was zeigt: Die Spitzen der beiden Gemeinden, die bis 1837 zusammengehörten, arbeiten eng zusammen. Eine Gemeinde Binningen-Bottmingen lehnen aber beide ab – sie sehen die Zukunft eher in einer Grossgemeinde Leimental.

Frau Merkofer, Herr Keller, fürs Foto haben Sie soeben in trauter Eintracht posiert. Ist das nur so, wenn ein Journalist anwesend ist?

Mike Keller: Natürlich! Nachher fliegen wieder die Fetzen (beide lachen).
Anne Merkofer: Genau, wir streiten eigentlich nur.
Mike Keller: Nein, ernsthaft. Wir haben einen guten, sehr guten Draht. Auf der Ebene des Gemeindepräsidiums tauschen wir uns regelmässig aus, informieren uns über aktuelle Projekte und so weiter. In die Zeitung schaffen es leider meistens nur die Konflikte, die oft keine sind.
Anne Merkofer: Dann werden zum Beispiel die beiden Verwalter angefragt. Sobald irgendwo eine widersprüchliche Aussage auftaucht, wird daraus eine Geschichte gemacht, im Stile von: Binningen und Bottmingen streiten sich. Dabei ist das doch normal, dass nicht immer alle dieselben Ansichten haben.

Kommen wir zurück zum Positiven. Wo können Binningen und Bottmingen noch stärker zusammenarbeiten?

Mike Keller: Das prüfen wir von Geschäft zu Geschäft. Wo es Sinn macht, suchen wir die Zusammenarbeit. Ein Geschäft, der gemeinsame Werkhof, ist vor drei Jahren an der Urne gescheitert.
Anne Merkofer: Ich bezeichne das Ergebnis immer noch als grossen Fehler, aber wir kamen mit dem Projekt halt nicht durch.

Wenn zwei Gemeinden zusammenarbeiten, reicht das nicht. Es braucht regionale Verbünde.

Mike Keller: Genau. Das sieht auch das neue Raumplanungsgesetz so vor.
Anne Merkofer: Da hat die Charta von Muttenz schon viel bewirkt. Ich habe den Eindruck, die Gemeinden haben seither ein neues Selbstverständnis. Die Charta entstand aus der Differenz zwischen Oberem und Unterem Baselbiet, mit den Differenzen aus dem Finanzausgleich und so weiter. 2012 wussten wir: Wir müssen den Zwist begraben, nach vorne blicken, in funktionalen Räumen denken, mehr Autonomie vom Kanton fordern. Und wir Gemeindepräsidentinnen und -präsidenten im Leimental, inklusive Allschwil und Schönenbuch, verstärkten die Zusammenarbeit.

Sie sprechen die Plattform Leimental an, dem vergangenen Mai ins Leben gerufenen Verbund der Gemeinen im Leimental?

Anne Merkofer: Genau, die hiess früher ja noch nicht so.
Mike Keller: Es geht dabei übrigens nicht nur ums Geldsparen, es geht vor allem darum, die Kräfte zu bündeln. Und manchmal müssen wir uns auch gemeinsam wehren. Wenn wir als Leimental mit einer Stimme reden, macht das einen ganz anderen Eindruck, als wenn jede Gemeinde sich alleine einbringt. Gemeinsam haben wir mehr Gewicht. Ein Beispiel: Binningen will nicht, dass sich mit dem geplanten Gundeli-Tunnel der Verkehr in Richtung Binningen ergiesst. Das ist unsere Befürchtung. Wir meldeten als Leimental bei Basel-Stadt unsere Bedenken an. Da standen uns die Türen offen.

Es braucht aber konkrete Projekte, nicht nur Kaffeerunden und spontane Treffen, wenn «Gefahr» droht.

Anne Merkofer: Wir haben eine eigene Organisation auf die Beine gestellt, und das nur in einem Jahr: Die KESB Leimental (Kindes- und Erwachsenenschutz-Behörde mit Mitgliedern Allschwil, Biel-Benken, Binningen, Bottmingen, Ettingen, Oberwil, Schönenbuch und Therwil, Anm. d. Red.). Wir haben diese gegen den Widerstand des Kantons gegründet. Jede Gemeinde hat einen Vertreter geschickt. Der Start war am 1. Januar, seither läuft die KESB mit grossem Erfolg. Es braucht ein paar Anpassungen, aber das wird sich regeln.

Binningen und Bottmingen gehörten bis 1837 zusammen und sind eng verwachsen. Warum fusionieren Sie nicht?

Anne Merkofer: Da werden Sie zurzeit niemanden finden, der sich dafür ernsthaft einsetzt.
Mike Keller: Sie haben es schon angesprochen mit verwachsen: Das ganze Leimental ist stark verwachsen. Eine Fusion würde nur mit anderen Gemeinden Sinn ergeben, mir schwebt eine Leimenstadt vor. In zehn, zwanzig, dreissig Jahren könnte es so weit sein.