«I’m learning English» kommt auch künftig aus den Mündern von Baselbieter Fünftklässlern. Die nichtformulierte Initiative, die eine Streichung des Englischunterrichts an der Primarschule verlangte, wurde an der Urne deutlich abgeschmettert.

Mit 32,30 Prozent Ja- zu 67,70 Prozent Nein-Stimmen entschied das Stimmvolk, dass die Schülerinnen und Schüler auf Primarstufe weiterhin neben Französisch auch Englisch lernen. Die Wahlbeteiligung betrug 31,30 Prozent. Als einzige Gemeinde stimmte die kleine Laufentaler Ortschaft Roggenburg der Initiative zu. Möglicherweise hat im 280-Einwohner-Dorf die geografische Nähe zu Frankreich den Ausschlag gegeben.

Gschwind ist froh über Ergebnis

Heute beginnt der Französischunterricht an Baselbieter Schulen in der dritten Klasse. In der fünften Klasse kommt als zweite Fremdsprache Englisch hinzu. Die Initiative des Komitees Starke Schule beider Basel wollte dies ändern und forderte eine Verschiebung des Englisch-Beginns in die Sekundarschulen. Zwei Fremdsprachen würden viele Primarschüler überfordern und zunehmend frustrieren, argumentierten die Initianten.

Wäre die Initiative angenommen worden, hätte der Englischunterricht erst in der siebten Klasse begonnen. Zudem hätte das Baselbiet aus dem interkantonalen Harmos-Konkordat austreten müssen, da dieses zwei Fremdsprachen auf Primarstufe festschreibt. Dass es jetzt nicht so weit kommt, freut die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP). «Die Abstimmung über die Fremdsprachen war für mich die wichtigste der drei Bildungsvorlagen», stellt sie klar. «Ich bin sehr froh, dass sich das Baselbieter Stimmvolk nicht für eine Insellösung ausgesprochen hat.»

Ein Ja hätte die Baselbieter Primarschüler gegenüber denjenigen aus den Nachbarkantonen benachteiligt, sagt Gschwind. «Die Beibehaltung von Frühenglisch ist wichtig für unsere Schülerinnen und Schüler, da sie so national und international mithalten können, und die Mobilität für die Familien erhalten bleibt.» Man könne an der Schul-Harmonisierung festhalten, und den Primarschulen bliebe erspart, dass ihre Lehrpläne angepasst werden.

Gar einen Auftrag für das Baselbieter Parlament leitet SP-Fraktionspräsidentin Miriam Locher aus dem klaren Entscheid ab. «Die Baselbieterinnen und Baselbieter haben sich deutlich für die Mehrsprachendidaktik ausgesprochen», erklärt das Mitglied der Bildungs-, Kultur- und Sportkommission. Der Landrat dürfe nun nicht auf weitere Vorstösse der Starken Schule eingehen, die in dieselbe Richtung zielen. Für Grünen-Präsident Bálint Csontos zeigt das Resultat, dass die Baselbieter es nicht goutieren, wenn man verschiedene Sprachen gegeneinander ausspielt: «Das Stimmvolk hat sich dagegen entschieden, aus unseren Schülern Versuchskaninchen zu machen.»

Wiedemann bleibt optimistisch

Klare Verliererin der Abstimmung ist die Starke Schule, deren Initiative lediglich von der Baselbieter SVP unterstützt worden war. Jürg Wiedemann, Kopf der Starken Schule, will jedoch nicht von einer Niederlage sprechen. «Das Ergebnis ist nicht matchentscheidend», sagt er. Der Landrat habe nämlich mit seinem kürzlich gegebenen Ja zu einer weiteren Initiative der Starken Schule einen richtungsweisenden Entscheid gefällt. Das Parlament sprach sich im Februar dafür aus, aus dem Passepartout-Fremdsprachenkonzept auszutreten und dessen Lehrmittel zu ersetzen.

Nun sei es an der Zeit, ein neues Fremdsprachenkonzept einzuführen, fordert Wiedemann. Dieses soll einen «motivierenden Unterricht» für alle Primarschüler in den beiden Fächern Französisch und Englisch ermöglichen.