Seit 2016 hat der Prattler Gemeinderat drei Mal die Jagdpacht vergeben müssen. Zuerst stellte der Regierungsrat aufgrund einer Beschwerde einen Formfehler fest, worauf der Gemeinderat die Pacht neu vergab. Dann entschied nach einer erneuten Beschwerde das Kantonsgericht, die Vergabe müsse man wiederholen. Im vergangenen Februar tat das der Gemeinderat – und der Entscheid fiel gleich aus wie die beiden ersten Male: Die Pacht ging an die Jagdgesellschaft Schauenburg. Den Kürzeren zog zum dritten Mal der Jagdverein Pratteln, der über 40 Jahre lang das Wild in der Gemeinde reguliert hatte.

Doch der Verein will sich nicht mit den Umständen abfinden, unter denen der Gemeinderat die Pacht vergeben hat. Er hat ein drittes Mal Beschwerde beim Regierungsrat eingereicht. Der Hauptkritikpunkt: «Der Gemeinderat hat dem Jagdverein nie eine Chance gegeben», sagt Christian Schaub, SVP-Einwohnerrat und Sohn eines langjährigen Jagdverein-Mitglieds. Jetzt müsse die Sache an die Öffentlichkeit. Ohne Beschwerde komme man sonst nicht weiter.

Gemeinderat trat in Ausstand

Der Gemeinderat habe bei der Evaluierung immer nur die Faktoren herausgenommen, die der Jagdgesellschaft genützt hätten. So habe er Referenzen angefragt, und als die neu gegründete Jagdgesellschaft aufgrund fehlender Jagdpraxis keine geliefert habe, seien diejenigen des Jagdvereins für ungültig erklärt worden. «Der Gemeinderat war von Anfang an parteiisch», findet Schäublin. Warum das so sei, darüber kann er nur spekulieren. Der Gemeinderat sage, er wolle in der Pachtvergabe einen Neuanfang. Schäublin kann das nicht so recht glauben. Die Jagdgesellschaft habe wohl gutes Lobbying betrieben, meint er. «Und es mag eine Rolle spielen, dass der Gemeinderat Emanuel Trueb Mitglied der Jagdgesellschaft Pratteln ist, obwohl es immer heisst, er sei in den Ausstand getreten.»

All diese Vorwürfe hat Schäublin in einer Interpellation im Einwohnerrat formuliert, die der Gemeinderat beantworten wird. Im Voraus will Gemeindepräsident Stephan Burgunder (FDP) keine Stellungnahme dazu abgeben, mit Verweis auf die noch laufende Beschwerde. Nur eines versichert er: Gemeinderat Trueb sei bei der Behandlung des Themas in den Ausstand getreten, «er hat nicht mal die Unterlagen dazu erhalten».

Schäublin macht sich kaum mehr grosse Hoffnungen, dass die Interpellation und die Beschwerde etwas bewegen. In letzterer seien die juristischen Argumente kaum anders als in den vorangehenden Beschwerden, räumt er ein. Ihm geht es jetzt vor allem darum, den Ruf des Jagdvereins zu wahren.

Der Kanton reagiert

Pratteln ist nicht die erste Gemeinde, in der die Vergabe der Jagdpacht zu Streitigkeiten führt. Ähnliche Konflikte gab es in Aesch und Seltisberg. «Es sollte ein klares Kriterium geben, das die Vergabe entscheidet», findet Schäublin. Sein Wunsch könnte Wirklichkeit werden. Demnächst geht die Revision des Baselbieter Jagdgesetzes in die Vernehmlassung. Darin gebe es Vorschläge für eine Neuregelung der Pachtvergabe, sagt der kantonale Jagdverwalter Holger Stockhaus.