«Im Unterricht ändert sich nichts. Es gab auch bisher keinen speziell historischen oder archäologischen Lateinunterricht», sagt Rektor Isidor Huber vom Laufner Gymnasium. An den Baselbieter Schulen ruft die Ankündigung der Universität Basel, das obligatorische Latinum auch für das Fach Geschichte abzuschaffen, keine Panik hervor. Wie «Der Sonntag» berichtete, seien an der Uni Lateinkenntnisse für Historiker «immer noch erwünscht», aber keine «formale Voraussetzung» mehr.

Umbruch kam schon vor Jahren

Der grosse Umbruch sei bereits vor rund zehn Jahren geschehen, bestätigt der Oberwiler Gym-Rektor Werner Baumann, als für den Grossteil der Studienfächer das obligatorische Latinum gefallen sei. «Jetzt sind es sowieso nur die interessierten Schüler, die noch Latein als Schulfach nehmen», konstatiert Baumann den Rückzug des Lateins. Dieser habe im Gegensatz zu Deutschland in der Schweiz schon vor Jahren begonnen. Dass der aktuelle Uni-Entscheid keinerlei Einfluss auf die heutige Situation an Gymnasien haben kann, macht auch Baumann deutlich: «Die Schüler entscheiden sich mit 15 Jahren für Latein. Da weiss kaum einer, ob er später mal Historiker werden will oder nicht.» Ausserdem gelte die Diskussion nur für Basel: In Zürich oder in Deutschland bleibe das Latinum Voraussetzung.

In der «unglücklichen Entscheidung» der Uni Basel sieht Huber einen negativen Trend bestätigt: «Der Druck auf den Lateinunterricht wird grösser. Es wird immer schwieriger, Eltern und Schüler davon zu überzeugen, dass Latein ein tolles Fach ist.» Dabei seien Maturanden mit Lateinunterricht laut einigen Studien bessere Schüler.

In Liestal ist Latein ein Erfolg

Dies bestätigt der Liestaler Kollege Thomas Rätz, Rektor des einzigen Baselbieter Gymnasiums mit konstant hohen Lateinschülerzahlen: «Von allen Maturanden studieren 80 Prozent, von jenen mit Lateinunterricht über 90 Prozent, auch Naturwissenschaften.» Auch in Liestal will man «sicher nichts anders machen als zuvor». In der Kantonshauptstadt feiern die klassischen Sprachen aufgrund ihrer langen Tradition allerdings einen «grossen Erfolg». Auswärtige Schüler kämen aber vermutlich nicht extra deshalb nach Liestal. Dies hielte Baumann, der zugleich als Projektleiter für alle Baselbieter Gymnasien zuständig ist, auch für keine gute Idee: «Dies wäre der definitive Tod des Lateinunterrichts, wenn es nur noch einzelne Gymnasien anböten.»

Noch hoffen die Baselbieter Rektoren auf eine Trendwende: Mit dem umstrittenen neuen Grundlagenfach «Lingua» soll Sek-Schülern ab 2015 das Sprachenlernen schmackhaft gemacht werden.