Im beschaulichen Stedtli zeichnet sich bereits jetzt ein heisser Wahlfrühling ab: Lukas Ott, der aktuelle Vizepräsident des Liestaler Stadtrats, hat sich entschieden, sich beim Wahlvolk um das Amt des Stadtpräsidenten zu bewerben.

Damit fordert der Grüne, der seit dem Jahr 2000 im Stadtrat sitzt, die aktuelle Stadtpräsidentin heraus. Die 68-jährige Freisinnige Regula Gysin hat im Mai in der bz angekündigt, sich für eine dritte Amtsperiode zur Verfügung zu stellen.

Sie sitzt im Stadthaus seit 2004 und als Nachfolgerin ihres Parteikollegen Marc Lüthi auf dem Präsidentenstuhl, nachdem sie sich damals in einer Kampfwahl relativ knapp durchgesetzt hat gegen ... Lukas Ott. Ihr Vizepräsident hat bereits im Rahmen von Gysins Ankündigung, dass sie Appetit auf eine dritte Amtsperiode verspüre, angedeutet, eine Gegenkandidatur in Erwägung zu ziehen.

«Ich bin bereit und willens, mehr Verantwortung zu übernehmen», begründet der 45-jährige Lukas Ott seinen Entschluss. Anders ausgedrückt: Mit 20 Jahren betrat er erstmals das Feld der Politik und sieht nun die Zeit für gekommen, den nächsten Karriereschritt zu wagen.

«Für mich ist Politik Job und Berufung zugleich, wobei das Anstellungsprozedere dort durch die Volkswahl etwas Spezielles ist», sagt er, «und es ist wie in einem normalen Beruf: Man will sich stärker engagieren und vorankommen.»

Lukas Ott als Grüner rechnet sich durchaus Chancen aus. Nicht erst die überraschende Wahl von Isaac Reber in die Baselbieter Regierung habe ihn dazu ermutigt. Wohl steht der Kantonshauptort im Ruf, fest in FDP-Hand zu sein. Aber der Freisinn habe zum einen auch in Liestal Federn lassen müssen, zum andern habe seine Partei längst den Beweis angetreten, auch höhere Regierungsämter bekleiden zu können.

«Die Grünen sind schon lange nicht mehr die Schmuddelkinder der Politik, als die sie einst galten», sagt Ott, der sich selber schon lange nicht mehr als reiner Parteipolitiker betrachtet, genauer seit 1992. Damals wurde er Präsident der landrätlichen Justiz- und Polizeikommission und musste deshalb die Kunst des Integrierens und Zusammenführens schnell lernen.

«Ich fühle mich bereits jetzt dem allgemeinen Interesse verpflichtet», sagt Ott, zu dessen beruflichen Mandaten es unter anderem auch gehört, den Kooperationsverbund «Pro Safiental» mit vier Bündner Gemeinden zu präsidieren.

Ott hütet sich, Kritik an der aktuellen Stadtpräsidentin zu üben. Er erwähnt wohl ihre 68 Lebensjahre, ein Alter, mit dem man in der Privatwirtschaft Jüngeren Platz für einen geordneten Stabwechsel mache.

«Es ist nicht meine Aufgabe, kollegiale Schelte zu verteilen», wehrt er ab. Doch seine Vorsätze lassen sich indirekt auch als Vorwürfe an Regula Gysin interpretieren, wenn er zum Beispiel sagt: «Repräsentieren ist für das Stadtpräsidium eine zentrale Aufgabe. Aber es ist nicht die einzige.» Oder: «Die Stadtpräsidentin oder der Stadtpräsident muss sich in allen Dossiers daheim fühlen.»

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass auf der Titelseite des neusten «Liestal aktuell», des offiziellen Publikationsorgans der Stadt, «der Liestaler Reformpakt» vorgestellt wird, bei dem es um die Perspektiven und die drängendsten Aufgaben geht. Autor: Vizepräsident Lukas Ott.

Wohl beginnt der Zweikampf erst im Anschluss an die Gesamterneuerungswahlen der Baselbieter Kommunalbehörden vom 11. März 2012. Doch vielleicht fällt bereits dann eine Entscheidung, da die Liestaler Wähler wohl bereits beim ersten Urnengang ihren Vorzug fürs Präsidium anmelden. Sollte es mit den Plänen des ambitionierten Vizepräsidenten nicht klappen, so würde er sich, wie er verspricht, ungebremst «für Liestals Zukunft» einsetzen.