Im Juni war die Welt noch in Ordnung: Der Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels (SP) stellte gut gelaunt ein neues Verkehrskonzept für das Gundeli vor.

«Wir wollen einen Pflock einschlagen für eine spürbare Beruhigung des Verkehrs», verkündete er damals. Ausgearbeitet worden seien die Massnahmen in enger Kooperation mit Quartierbewohnern.

Morgen aber will die «IG verkehrt» ihre Petition «Verkehrtes Verkehrskonzept Gundeli – Nein danke!» einreichen. 2944 Unterschriften sind nach Angaben der Petitionäre zusammengekommen. Eine stattliche Zahl, selbst für ein so grosses Quartier wie dem Gundeli.

Am meisten stört der Bus

«Mit dem Konzept will der Kanton eine Verkehrsberuhigung erreichen, doch er tut an vielen Orten das Gegenteil», sagt Conradin Badrutt von der «IG verkehrt». Hauptkritik ist die neue Linienführung der Buslinie 36 durchs Quartier.

Diese soll, so die Pläne des Kantons, im Gegenverkehr und verzweigt durchs Gundeli führen.

Dadurch würden einige Bewohner vom Bus abgeschnitten, während andere wegen der zusätzlichen Verkehrsbelastung die Abwertung von Wohnraum hinnehmen müssten, schreiben die Petitionäre in einer Mitteilung. Ein weiterer Kritikpunkt ist der geplante Velo-Gegenverkehr durch die Gundeldinger- und die Dornacherstrasse.

Die Experten-Quartierbewohner

Dass es im Quartier brodelt, war auch an einer Podiumsdiskussion zum Thema im September zu spüren: Im Gundeldinger Casino herrschte eine aggressive Stimmung und die Teilnehmer auf der Bühne wurden vom Publikum teilweise niedergeschrien.

Aber wie kann es sein, dass es jetzt solche Vorwürfe hagelt, nachdem der Kanton anderthalb Jahre lang zusammen mit Anwohnern einen Plan ausgearbeitet hat?

Beatrice Isler, Präsidentin des Neutralen Quartiervereins Gundeldingen, erklärt: «Alle aus dem Quartier, die am Konzept mitgearbeitet haben, haben einen Architektur- oder Raumplanungshintergrund.»

Dem durchschnittlichen Gundeli-Bewohner fehle diese Expertensicht. Und sie fügt an: «Gundeli-Bewohner ist nicht gleich Gundeli-Bewohner.» Es sei nun mal ein grosses Quartier mit vielen unterschiedlichen Interessen und Meinungen.

«Diffuse Ängste»

«Die Kritik hat mich schon ein Stück weit überrascht», sagt Florian Mathys, der zuständige Verkehrsplaner beim Kanton.

Er könne sie zwar verstehen, schätze die Konsequenzen aber nicht so dramatisch ein. «Ein Teil der Kritik ist in diffusen Ängsten begründet. Den Veloverkehr gibt es an vielen Orten in der Stadt.»

Auf die Hauptkritik der Petition – die Buslinien-Führung – könne jetzt nicht mehr eingegangen werden. «Das Verkehrskonzept Gundeli steht und fällt mit der Bus-Linienführung», sagt Mathys.

Der Plan nehme nun den üblichen politischen Weg über die Kommission in den Grossen Rat. «Wir sind es auch den Leuten, die sich im Gundeli seit mehreren Jahren für den Verkehr engagieren, schuldig, dass wir das Konzept in den Grossen Rat bringen», so Mathys.

Ob es aber dereinst umgesetzt wird, ist alles andere als sicher.

«Man sollte es komplett fallen lassen», sagt etwa FDP-Grossrat Christophe Haller. Und auch SP-Parlamentarier Jörg Vitelli – der in Verkehrsfragen selten einer Meinung ist mit Haller – äussert sich kritisch: «Es gäbe andere Wege, den Verkehr zu beruhigen.»

Quartiervereins-Präsidentin Beatrice Isler sagt voraus: «Es braucht noch unendlich viel Aufklärungsarbeit, damit dieses Konzept eine Chance hat.» Gut möglich also, dass nach all der Planung ein Scherbenhaufen im Gundeli zurückbleibt.