Die Geschichte klingt abenteuerlich. Eine Bande von hochgebildeten, künstlerisch hochbegabten Experten fälscht antike Bronzeskulpturen. Und zwar so gut, dass sie in Museen auf der ganzen Welt zu sehen sind. Unter anderem auch im Antikenmuseum Basel. Diese Theorie vertritt der deutsche Archäologieprofessor Stefan Lehmann und er hat sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Der Spiegel» publiziert.

Seiner Ansicht nach ist eines der Vorzeigeobjekte des Antikenmuseums, das Bildnis einer «Römischen Göttin» eine Fälschung. Ebenso ein Bildnis der Kaiserin Sabina. Das Antikenmuseum weist diese Darstellung weit von sich: Materialanalysen hätten gezeigt, dass die Stücke aus dem frühen 2. Jahrhundert nach Christi Geburt stammen.

Lehmann, der an der Universität Halle-Wittenberg forscht, sieht darin keinen Beweis: Das Material stamme wohl tatsächlich aus dieser Zeit. Es seien beispielsweise antike Münzen und anderer Schrott eingeschmolzen worden. Aus diesem antiken Material habe die Fälscherbande dann Skulpturen gegossen: «Ich gehe davon aus, dass hinter dem Notnamen «Spanischer Meister» eine arbeitsteilige Werkstatt steht. Beteiligt sind Menschen mit archäologischem und naturwissenschaftlichem Fachwissen sowie Experten für die künstlerische Oberflächengestaltung, die diesen Bildnissen ihren Eindruck von scheinbarer Individualität, ja auch Emotionalität, verleihen können. Dies macht sie für mich besonders und darum auch erkennbar. Hier werden hochpreisige ‹Originalfälschungen› vermeintlicher Antiken geschaffen. Mit Kopiefälschungen nach sicher antiken Vorbildern hält man sich in dieser Fälscherwerkstatt wohl nicht weiter auf.»

Seine Theorie hat Lehmann nun in einem Artikel im Spiegel dargelegt. Bereits zum zweiten Mal. Denn schon als die Basler die Skulpturen bekamen, hatte er sie als Fälschungen eingestuft. Der Direktor des Antikenmuseums Basel, Andrea Bignasca, sieht dagegen keinen Grund, an der Echtheit der Werke zu zweifeln. Er warte darauf, von Lehmann wissenschaftliche Beweise zu bekommen statt Artikel in einem Magazin. Diese Beweise stellt Lehmann auch in Aussicht: «Ich habe meine These zu den beiden Basler Bronzebildnissen auf dem Internationalen Kongress über antike Bronzen an der Universität Zürich am 7. September 2013 vor Bronzespezialisten aus aller Welt vorgestellt. Der Abgabetermin der schriftlichen Fassung für Kongressakten ist Ende Mai 2014. Schneller geht es nun einmal in der Wissenschaft nicht.»

Ein umstrittener Professor

Lehmann wurde in der Vergangenheit in Deutschland schon gerichtlich für seine Theorien verfolgt, denn naturgemäss hört kein Sammlungsleiter gerne, seine Stücke seien möglicherweise nicht echt. Der deutsche Archäologe betont aber: «Ich will mich keinesfalls auf Kosten des Antikenmuseums Basel profilieren. Was sie allein daran sehen können, dass ich seinerzeit den Kontakt zum Direktor aufgenommen hatte und er auch wusste, dass ich in Zürich sprechen werde. Zu einem Werkstattgespräch diese Woche hier in Halle wurde er selbstverständlich eingeladen. Es ist doch so, dass in der Ausstellung des Antikenmuseums die Frauenbildnisse gut zugänglich im Hauptsaal ausgestellt werden. Die Meinungsbildung über die in Rede stehenden Werke sollte man dann schon den Betrachtern überlassen.»

Das stärkste Argument Bignascas für die Echtheit der Bronzen und Lehmanns Hauptargument für ihre Unechtheit ist ein und dasselbe: eine metallurgische Untersuchung des spezialisierten Forschungs-Institutes PAZ. Bignasca sieht die Datierung des Materials als Beweis für die Echtheit der Bronzen. Lehmann dagegen findet, die Legierungen verschiedener Büsten seien sich zu ähnlich – «Materialanalysen sind komplex und generell schwierig zu lesen. Zwischen den Metalllegierungen des falschen Augustuskopfs aus Zürcher Privatbesitz und der Basler ‹Göttin› gibt es enorme Ähnlichkeiten. Dies war auch bei unserem Werkstattgespräch am vergangenen Montag hier in Halle unter den Spezialisten nicht strittig.» Dass die beiden Büsten einen Altersunterschied von einem Jahrhundert hätten, sei unmöglich. Seine Erklärung für die Übereinstimmungen: ebenjene geniale Fälscherbande aus Spanien, die von 1980 bis 2010 den Markt mit gefälschten Werken gefüttert haben soll.