Bruder Benoît kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. «Die Gastfreundschaft in Basel und Umgebung war einfach überwältigend», sagt der Kommunikationsverantwortliche der Communauté de Taizé. Der ökumenische Männerorden stand hinter dem europäischen Jugendtreffen, das die Region vom 28. Dezember bis 1. Januar fest im Griff hatte. «Wer den Weg nicht fand, dem wurde geholfen. Und alle Teilnehmer fanden eine Gastfamilie. Zahlreiche davon sind selber nicht einmal mit der Kirche verbunden, sondern wollten einfach helfen. Dafür sind wir unglaublich dankbar.»

Kein Platz in der Kirche

Rund 17'000 Jugendliche aus 45 Ländern, die ans Taizé-Treffen kamen, galt es unterzubringen. Davon stammten alleine 5000 aus Polen und 3000 aus der Ukraine. Zu den grossen gemeinsamen Gebeten gesellten sich jeweils gut 3000 Personen aus der Region hinzu. «So kam es leider auch ein paar Mal vor, dass Kirchen wegen Platzmangel zum Mittagsgebet Besucher abweisen mussten», so Bruder Benoît. Zwei Wochen vor Beginn des 40. ökumenischen Jugendtreffens hatte man bereits spontan beschlossen, zum Abendgebet auch das Münster zu öffnen, um den grossen Besucherandrang aufzufangen. So kamen immerhin zu den Abendgebeten alle Interessierten unter.

Wer das Abendgebet im Zentrum des Geschehens, der St. Jakobshalle, besuchen wollte, brauchte ein Ticket. Dieses war zwar gratis, musste aber an einer von mehreren Ticketabgabestellen bezogen werden. In den sozialen Medien klagten einige, dass diese Abgabestellen bereits geschlossen gewesen seien, als sie dort ein Ticket holen wollten. «Über das Ticketsystem haben wir wohl zu schlecht kommuniziert», räumt Bruder Benoît ein. Deshalb sei es vor allem am ersten Tag teilweise zu Verwirrung gekommen. Danach hätte sich das System aber herumgesprochen und gut funktioniert.

Kleine Anlaufschwierigkeiten gab es auch bei den Einlasskontrollen in der St. Jakobshalle. Am ersten Tag, so klagten einige Teilnehmer, sei es zu langen Schlangen gekommen. «Das lag unter anderem daran, dass unsere Teams am Anfang noch nicht so eingespielt waren und nicht immer wussten, wie sie helfen können», begründet Bruder Benoît. Ab dem zweiten Tag sei dies besser gelaufen. Zudem sei dann mehr Personal eingesetzt worden. Insgesamt standen während der fünf Tage gut 1000 Personen im Einsatz.

Mehr Gastfamilien als benötigt

Trotz dieser kleineren Schwierigkeiten ist Bruder Benoîts Antwort auf die Frage, ob alles gut gelaufen sei, klar: «Mehr als gut!» Bis heute seien ihm keine Probleme zu Ohren gekommen. Stattdessen seien aus vielen Kirchgemeinden sehr positive Rückmeldungen eingegangen. Die Ordensmitglieder würden allerdings drei weitere Wochen in Basel bleiben und Feedback von den Kirchgemeinden und Gastfamilien einholen. Es könne schon sein, dass dort Probleme angesprochen würden.

Ein äusserst positives Fazit zieht man auch in Liestal, eine der Gastgemeinden von Taizé Basel, wo die lokalen Kirchgemeinden rund 250 Jugendliche unterzubringen hatten. Diese nahmen jeweils am Vormittag in Liestal und Umgebung an gemeinsamen Gebeten und Diskussionen teil, um anschliessend gemeinsam nach Basel zu reisen. «Es war schön, so viele junge Menschen in Liestal zu haben», sagt Pfarrerin Doris Wagner. Negative Zwischenfälle habe es keine gegeben. Gastfamilien seien so einfach zu finden gewesen, dass sogar ein paar Reservefamilien für den Notfall übrig blieben.

Dasselbe erlebte man in der Gastgemeinde Sissach, wo 320 Schlafplätze organisiert, am Schluss aber nur 290 in Anspruch genommen wurden. Pfarrer Matthias Plattner bezeichnet die Veranstaltung als Erfolg. «Die Jugendlichen haben sich tadellos verhalten und waren voller Dankbarkeit», erzählt er. Entsprechend habe er auch aus den Gastfamilien nur begeisterte Rückmeldungen erhalten. «Vor allem wegen der Gespräche mit den jungen Christen, die sie wegen der Sprachbarrieren zum Teil mit Händen und Füssen führen mussten.» Auch für ihn selber war der Jugendtreff ein Highlight: «Als Pfarrer ist es natürlich ein Hochgenuss, vor einer vollen Kirche zu sprechen und mit 50 Jahren erst noch der Älteste zu sein.»