Noch vor Mitternacht folgt die traurige Bestätigung: Markus van Baerle ist tot. Im Alter von nur 56 Jahren ist der Vorsteher der Baselbieter Bau- und Landwirtschaftsdirektion einem Herzschlag erlegen.

Man schreibt den Abend des 14.Januars 1987. Trotz erster Hilfe eines im «Löwen» anwesenden Arztes und der sofortigen Überführung ins Spital kann das Leben des Industriellen und Magistraten aus Münchenstein nicht mehr gerettet werden.

Mitten im Wahlkampf

Die Erschütterung, die von dieser Schreckensnachricht ausgeht, ist beträchtlich. Das Baselbiet befindet sich mitten im Wahlkampf.

Am 22. Februar soll die neue Regierung gewählt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt sind die Kampagnen ungewohnt ruppig verlaufen.

Ein anonymes Komitee bezichtigt FDP-Finanzdirektor Paul Nyffeler der Korruption und unrechtmässigen Begünstigung im Zusammenhang mit dessen Verwaltungsratsmandaten.

Noch ist es keine anderthalb Monate her, dass Nationalrat Karl Flubacher wegen des Aktien-Skandals rund um die Wasserfallen Transport AG («Watrag-Affäre») im Zorn aus der Baselbieter FDP ausgetreten ist

Der Haussegen beim Baselbieter Freisinn hängt wieder einmal schief, wovon unweigerlich auch der amtsjüngste Regierungsrat und FDP-Mitglied Markus van Baerle in Mitleidenschaft gezogen wird.

Nicht im Amt aufreiben

Wieso das Herz des gelernten Seifensieders aus der Münchensteiner Fabrikantendynastie aufgehört hat zu schlagen, bleibt bis auf den heutigen Tag Spekulation.

Dass es um seine Gesundheit nicht zum Besten steht, wird in den Gängen des Liestaler Regierungsgebäudes schon lange gemunkelt. Vielleicht hat die Anspannung im Wahlkampf den fatalen letzten Auslöser geliefert. Erst viel später wird sein plötzlicher Tod mit der allgemeinen Arbeitsüberlastung von Regierungsräten in Verbindung gebracht.

Zu Lebzeiten gilt Markus van Baerle als stiller, umgänglicher Schaffer «von seltener Liebenswürdigkeit» und «wenig auf äussere Wirkung bedacht», wie der damalige bz-Chefredaktor Werner Furrer in seinem Nachruf schreibt. «Von Kindesbeinen an gewohnt zuzupacken, waren für ihn die Belastungen als Regierungsrat an sich nichts Ungewohntes.»

Der leidenschaftliche Jasser, Wanderer und Familienvater habe sich stets vorgenommen, sich im Regierungsamt, in das er am 20.März 1983 mit 3000 Stimmen Vorsprung auf den Sozialdemokraten Rainer Schaub gewählt wird, nicht aufzureiben.

«Mit der Brandkatastrophe in Schweizerhalle und mit dem seine Direktion ebenfalls beschäftigenden Sondermüllproblem sind in den letzten Wochen nun vielleicht aber doch besonders belastende Aufgaben dazugekommen», mutmasst die bz am 16.Januar 1987.

Parteien sistieren Wahlkampfaktivitäten

Van Baerles Herztod bietet dem aufgewühlten Baselbiet die Möglichkeit einer Denkpause. Sofort sistieren die Parteien jegliche Wahlkampfaktivitäten für eine Woche, obschon die Regierung bereits am nächsten Tag entscheidet, dass die Wahlen wie vorgesehen am 22.Februar stattfinden.

Während der Gedenkfeier am 21.Januar in Liestal wehen alle Fahnen auf halbmast, während die Classe politique mit Bundesrat Otto Stich an der Spitze dem Verstorbenen die letzte Ehre erweist.

Die FDP ihrerseits steht vor der Herkulesaufgabe, nicht nur die internen Wogen zu glätten, sondern knapp sechs Wochen vor dem Wahlsonntag einen aussichtsreichen Kandidaten aus dem Hut zu zaubern.

Das Kunststück gelingt in der Person von Hans Fünfschilling. Der langjährige Landrat gilt als Finanzexperte und schafft es in einem «Eilzug-Wahlkampf» («Basler Zeitung») tatsächlich, den zweiten FDP-Sitz zu halten.

Markus van Baerle bleibt es nicht vergönnt, in seinen dreieinhalb Amtsjahren einen ähnlich nachhaltigen Eindruck auf die Politik zu hinterlassen wie Nachfolger Fünfschilling, welcher nach 13 Regierungsjahren den Landkanton auch als Ständerat vertreten wird.

Und doch ist er nicht bloss als 80.Regierungsrat in der Baselbieter Geschichte, und einer von neun im Amt verstorbenen, eingegangen. Neben der freundlichen Wesensart und seiner damals stets besonders hervorgehobenen transparenten Informationspolitik gilt sein Credo «Man soll vom Staat nicht bloss fordern, sondern auch ihm dienen» heute genauso wie damals.