Wer bald neun Jahre im Kantonsparlament sitzt, ist ein alter Hase. Graue Haare und Hüftgold sucht man bei Siro Imber allerdings vergebens. Der FDP-Landrat aus Schönenbuch ist erst 31 Jahre alt – und damit immer noch einer der Jüngsten im 90-köpfigen Rat. Ein leichtes Schmunzeln kann er sich deshalb nicht verkneifen, wenn er sagt: «Ich möchte nun Jüngeren Platz machen.» Doch der Entscheid ist gefasst, und das schon länger. «Ich habe bereits vor zwei Jahren entschieden, dass ich 2015 nicht mehr zur Wiederwahl antrete.»

Imber will kein Sesselkleber sein

Dass Imber gegenüber der bz nun in aller Offenheit sagt, dass er «alles gesehen» habe und das Landratsamt für ihn in erster Linie «Pflichterfüllung» gewesen sei, könnte man dem jungen Juristen als Arroganz auslegen. Doch, was er dann sagt, relativiert diesen Eindruck sogleich: «Ich halte nichts davon, sich an Ämtern festzuklammern. Das brauche ich nicht für mein Ego. Da bin ich vielleicht etwas antiquiert.» Er sei von Volkes wegen im Landrat gesessen und nicht für sich selbst. Gewisse Politiker hätten da heutzutage leider ein etwas anderes Verständnis.

«Heutzutage» – da ist er wieder, der alte Hase. Eher altersgerecht klingt es, wenn Imber sagt, dass ihn das Amt in seinem restlichen Leben eingeschränkt habe. «Politik ist nicht mein ganzes Leben. Ich definiere mich nicht darüber.» Das Landratsmandat binde nicht nur zeitlich Ressourcen, sondern schränke auch ein, wo man wohnen dürfe oder welchen Job man annehmen könne. «Jetzt bin ich wieder freier», sagt Imber. Noch nicht lang ist es her, da hat er das Studium abgeschlossen. Nun arbeitet er als Jurist bei einer Bank. «Ich verstehe ihn absolut», sagt denn auch FDP-Fraktionschef Rolf Richterich, «er ist noch so jung und hat ohne politisches Amt beruflich mehr Optionen.»

Wahlkreis Allschwil nun offener

Imbers Entscheidung überrascht allerdings nicht nur wegen seines Alters. Erst im Juli rückte er für Marianne Hollinger in das Ratsbüro nach – der klassische Schritt Richtung Ratspräsidium. Und im September hat er von Werner Rufi das Präsidium der Justiz- und Sicherheitskommission (JSK) übernommen. Doch auch hier passt Imbers Antwort: «Ich wollte nie Landratspräsident werden. Dieser darf ja nicht aktiv politisieren, und das ist das Einzige, das mich interessiert.» Und auch das JSK-Präsidium habe er nicht gesucht, sondern nur für eine Übergangslösung Hand geboten.

Das bestätigt Richterich. Imbers Kurzeinsatz ermögliche es der Fraktion, nach den Wahlen wieder Freisinnige in den Kommissionen und im Büro zu platzieren, die man langfristig aufbauen könne. Die Zuversicht ist gross, dass dabei auch wieder ein FDPler aus dem Wahlkreis Allschwil/Schönenbuch kommt – obwohl mit Imber der einzige Bisherige wegfällt. «Jeder Mensch ist ersetzbar», sagt dieser trocken, und beweist sich als Stratege: «Nach der zweiten Legislatur holt man immer weniger Stimmen, weil man sich zwangsläufig unbeliebt macht, wenn man seinen Job als Landrat richtig macht.» Richterich schielt gar auf die Rückeroberung eines zweiten Sitzes, glaubt aber zumindest fest an den Einen. Imber wird derweil «zu 100 Prozent Privatmensch» und – ausser seinem verbleibenden Jahr als Bürgerrat – kein öffentliches Amt mehr übernehmen. Allerdings: «In ein paar Jahren sieht die Welt vielleicht wieder ganz anders aus.» Zeit hat er ja genug, der 31-Jährige.