So ziemlich allen Baselbieter Bürgerlichen war am Sonntag zum Feiern zumute. SVP, FDP und CVP haben dank des gemeinsamen Vierertickets ihre Kandidaten in die Regierung gebracht. Dass zudem der vom bürgerlichen Lager breit akzeptierte Grüne Isaac Reber das Quintett komplettiert, und somit die Sozialdemokraten aus der Kantonsexekutive gekegelt wurden, liess die Euphorie vor allem bei der SVP noch weiter anschwellen.

Einer jedoch wollte im Foyer des Regierungsgebäudes in Liestal nicht in diesen Siegesjubel einstimmen: alt SVP-Landrat Karl Willimann, immerhin ehemaliger Parteipräsident, ging auf SP-Kandidat Daniel Münger zu, schüttelte ihm die Hand und sagte: «Das hast du nicht verdient.» Gegenüber der bz wird Willimann deutlich: «Die SP gehört in die Baselbieter Regierung.» Dass die Sozialdemokraten nun für voraussichtlich vier Jahre in die Opposition gedrängt werden, könnte den Kanton blockieren. Welchen gewählten Regierungsrat Münger hätte ersetzen sollen, möchte Willimann nicht sagen. Nur so viel: «Dass die FDP nun sogar zwei Sitze erobert hat, ist schon ein bisschen viel.»

SP-Poker wurde zum Bumerang

Doch es ist Tatsache: Erstmals seit 90 Jahren ist die SP nicht mehr in der Baselbieter Regierung vertreten. 1925 hatte das Stimmvolk zum ersten Mal einen Sozialdemokraten in die Regierung gewählt. «Das ist ein dunkler Moment in der politischen Geschichte Basellands», wird SP-Landrat Hannes Schweizer am deutlichsten. Nichts beschönigen wollte auch Juso-Co-Präsident Jan Kirchmayr: «Das ist eine Katastrophe.» Erstaunlich nüchtern äusserte sich hingegen die Parteispitze: «Die Niederlage müssen wir akzeptieren. Wir haben es nicht geschafft, die Schwächen des bürgerlichen Vierertickets aufzudecken», sagt SP-Vizepräsident Christoph Hänggi. Und Fraktionschefin Kathrin Schweizer spricht zwar von «sehr grosser Enttäuschung», lobt aber sogar den politischen Gegner: «Das Viererticket hat funktioniert. Die Bürgerlichen sind als ein Team aufgetreten.»

Paradox: Selbst die beiden geschlagenen Kandidaten nehmen die herbe Schlappe neben der obligaten «grossen Enttäuschung» eher gelassen: «Das war ein klassisches 0:4. Das bürgerliche Ticket hat gespielt und Isaac Reber dazugenommen. So ist die Vox populi», sagt Münger. Und Regula Nebiker lächelt wie eh und je: «Das wirft mich nicht aus der Bahn. Ich befinde mich ja in der komfortablen Lage, nun einfach meinen Beruf als Staatsarchivarin und mein Amt als Liestaler Stadträtin weiterführen zu können.»

Bei der Suche nach den Gründen dominierte vor allem ein Thema: «Unsere zwei Kandidaten haben sich gegenseitig Stimmen weggenommen», ist für Hannes Schweizer klar. Trotz des eindeutigen Resultats glaubt der Titterter Parteiveteran nicht, dass das Stimmvolk die SP wirklich aus der Regierung werfen wollte. «Aber wir hätten uns mit dem Spatz in der Hand statt mit der Taube auf dem Dach begnügen und nur einen Sitz anstreben sollen.» Nicht nur die SP selbst zieht daraus ihre Lehren, sondern auch ihre Gegner: «Auch wir können aus den Fehlern der SP lernen», sagt SVP-Fraktionschef Dominik Straumann. Er glaubt, dass die Qual der Wahl bei den Sozialdemokraten zu Spannungen geführt hat. Münger hingegen gibt sich vollends desillusioniert: «Die Differenz zur fünftplatzierten Sabine Pegoraro ist so gross, dass es wohl auch ein einzelner SP-Kandidat nicht geschafft hätte.»

Juso geben der SP den Tarif durch

Glaubt man der SP-Parteileitung, muss sich Willimann nicht sorgen, dass die SP in der Opposition nun alle Regierungsgeschäfte blockieren wird: «Wir werden konsequent in die Opposition gehen, uns dabei aber konstruktiv verhalten», sagt Hänggi. Immerhin weist er darauf hin, dass die SP mit ihren 21 Sitzen im Landrat jede Gesetzesänderung vors Volk bringen kann: «Ohne uns kann man nichts durchsetzen. Wir sind das soziale Gewissen des Kantons.»

Eine Kampfansage lanciert dagegen Juso-Vertreter Jan Kirchmayr: «Die SP muss nun von der Defensive in die Offensive gehen, häufiger Referenden ergreifen oder Initiativen lancieren – vor allem dann, wenn die Regierung beginnt, bei der Bildung zu sparen.» Auch müsse sie jetzt neue Leute aufbauen. Will heissen: Die Juso drängen nach vorne. Kirchmayr, der selbst die Wahl in den Landrat verpasst hat, sagt selbstbewusst: «Die SP kann von uns lernen.» Das sieht auch der abtretende SP-Regierungsrat Urs Wüthrich so: «Bitte zitieren Sie mich: Die Juso sollen die Geschäftsleitung der SP übernehmen.»