André Auderset verströmt auch eine Woche nach den Basler Gesamterneuerungswahlen Glücksgefühle. «Es ist schön, wieder einmal bei den Siegern zu sein», sagt er. Der Kleinbasler LDP-Grossrat hat allen Grund zur Freude. Seine Partei, von vielen schon totgesagt, hat bei den Grossratswahlen zugelegt. Im Kleinbasel, wo die Lage besonders prekär schien, konnte die LDP den Wähleranteil verdoppeln und einen zweiten Sitz gewinnen.

Den Erfolg führt Auderset vor allem auf einen Grund zurück: Persönlichkeiten. «Wir hatten eine saugute Liste», sagt er. Mit Auderset und dem Arzt Felix Eymann verfügte die Partei über zwei bekannte Zugpferde. Dazu kam eine Reihe von gut vernetzten neuen Kandidaten wie René Häfliger (Speaker des Basel Tattoo), Oscar Olano (Präsident der Fasnachtsclique Olympia) oder Andrea
Hauri (frühere Präsidentin des Polizeibeamten-Verbands), die alle vordere Plätze belegten. Vor allem Eymann mit seinen 2130 Stimmen habe der Partei viel gebracht, sagt Auderset. Er schätzt, dass ein Drittel des Stimmenzuwachses der LDP im Kleinbasel auf den «Effekt Eymann» zurückzuführen sei.

Die LDP Kleinbasel ist nur ein Beispiel. Obwohl Parteien und Medien einen intensiven und polarisierten Wahlkampf führten – vor allem das Thema Sicherheit wurde hochgekocht –, hat letztlich das Personal die Wahlen entschieden. Parteien, die stadtbekannte und in den Quartieren verankerte neue Kandidaten auf der Liste hatten, konnten zulegen, da diese zumeist viele Stimmen auf Listen anderer Parteien generierten.

«Die Persönlichkeit der Kandidaten spielte bei den diesjährigen Wahlen eine grössere Rolle», sagt der Politgeograf Michael Hermann gegenüber dem «Sonntag». Und hat dafür zwei Erklärungen parat. Anders als vor vier Jahren seien die Basler Wahlen diesmal nicht von nationalen Trends überlagert worden. Einmal abgesehen von der CVP, die unter Druck sei, lasse sich national bei keiner Partei eine klare Tendenz erkennen. «Die Situation war ruhig.»

Ausgeprägterer Lokalkolorit als in anderen Kantonen

Zweiter Grund: In Basel ist der Lokalkolorit gemäss Hermann ausgeprägter als in anderen Kantonen. Fasnacht, FCB und die Abwehrhaltung gegen Einflüsse von aussen würden hier eine wichtige Rolle spielen. Dieser «Basler Geist» führe wiederum dazu, dass bekannte Persönlichkeiten bei Wahlen eher gewählt würden und sich auch eher zur Verfügung stellen würden.

Ein ähnliches Argument nennt der Politexperte Claude Longchamp. Er bezeichnet Basel als eine «Kleingemeinschaft», in der jeder jeden kenne. Gerade bei kantonalen Wahlen sei die Bekanntheit der Kandidaten deshalb essenziel. «Persönliche Netzwerke spielen eine enorme Rolle.»

Der gleiche Effekt erschwert es neuen Parteien wie der GLP, in Basel Fuss zu fassen. «Das ist eine importierte Partei, ein Zürcher Konstrukt», sagt Hermann. Die LDP dagegen sei «massgeschneidert» auf Basel. «Sie hat es deshalb einfacher, bekannte Leute zu rekrutieren.»

Profitieren von Fremdstimmen

In ihrer Not setzte die LDP nicht nur im Kleinbasel gezielt auf Persönlichkeiten, sondern in allen Wahlkreisen. «Diesmal hatten wir keine Listenfüller», sagt Auderset. Die Strategie ging auf, die LDP konnte ihre Sitzzahl überall halten. Im Wahlkreis Grossbasel Ost wurde mit dem früheren Kulturchef Michael Koechlin eine stadtbekannte Figur gewählt. Aufgrund seines Bekanntheitsgrads profitierte er von vielen Fremdstimmen, vor allem von SP und FDP. Ohne diese Fremdstimmen hätte Koechlin die Wahl nicht geschafft. Er wäre Sechster auf der Liste geworden und nicht Dritter.

Neben der LDP setzten auch andere Wahlsieger wie SP und SVP stärker auf bekannte Persönlichkeiten als noch vor vier Jahren. Diese erzielten zumeist gute Resultate und sammelten für die Partei fleissig Fremdstimmen. Bei der SP wurde in Grossbasel Ost der FCB-Fanbeauftragte Thomas Gander gewählt. Dank vielen Fremdstimmen von Grünem Bündnis, FDP und CVP. In Grossbasel West wurde der Energieexperte und früherer Nationalrat Rudolf Rechsteiner gewählt. Im Kleinbasel Daniel Jansen, Betriebsleiter Aktienmühle und früherer Geschäftsführer Sudhaus. Die SVP profitierte im Kleinbasel vom Anwalt und Schnitzelbänggler Karl Schweizer. Dieser verdrängte mit dem Ex-Boxer Rudolf Vogel sogar einen Bisherigen.

Politgeograf Hermann rät den Parteistrategen, möglichst frühzeitig und nicht erst im Wahljahr bekannte Persönlichkeiten für eine Kandidatur zu gewinnen. «Das ist ein langfristiges Projekt. Man muss ihnen den Hof machen.» Das Unterfangen sei allerdings nicht ohne Risiko, denn solche Persönlichkeiten liessen sich nicht so leicht in eine Partei einbinden wie andere, sagt Hermann. «Es besteht die Gefahr, dass man am Schluss einen Sack voll Flöhe hat.»