Man kennt ihn gut, den Rotschopf. Bei jedem Heimspiel des FCB erscheint er im Stadion-TV, für Telebasel produziert er das FCB-Magazin «Rotblau total». Am Basel Tattoo arbeitet er als Speaker, auf Radio Basilisk berichtet er über die Auswärtsspiele des FCB und über die Fasnacht. Dass René Häfliger, begabter Piccolospieler und Hansdampf in allen Mediengassen, in den Basler Grossen Rat will, hat viele Leute überrascht. «Mehrheitlich habe ich aber positive Reaktionen erhalten», sagt Häfliger. Politisch interessiert war er von Kindesbeinen an. Der Sohn eines inzwischen pensionierten Roche-Arbeiters nimmt seit jeher an Wahlen und Abstimmungen teil und diskutiert gern am Stammtisch. Anfragen, für den Grossen Rat zu kandidieren, hat er mehrmals erhalten – von verschiedenen Parteien. Zugesagt hat er nie.

Vor allem fürs Kleinbasel

Bis zu diesem Zeitungsartikel im letzten Sommer. René Häfliger las beim Frühstück, Restaurants müssten ihre Hinterhöfe ab 20 Uhr schliessen. Da platzte ihm der Kragen. «Stell Dir vor, die müssen sogar um acht Uhr schliessen, wenn niemand reklamiert», ruft er entrüstet. Das gehe eindeutig zu weit, da müsse man was tun, dachte er sich. Und liess sich wenig später auf der Liste der Liberal-Demokratischen Partei Basel-Stadt (LDP) für den Grossen Rat aufstellen.

«Eigenverantwortung, gegenseitige Toleranz und gesunder Menschenverstand sind für mich die obersten Grundsätze», sagt Häfliger. Das entspreche genau dem liberalen Gedankengut. Er lebt seit 2003 im Kleinbasel und möchte sich im Grossen Rat vor allem für diesen Stadtteil engagieren. «Für ein weltoffenes, lebenswertes und sicheres Kleinbasel» würde er auf sein Wahlplakat schreiben. Wenn er denn eines hätte. Auf Plakate, Inserate und Flyer hat er verzichtet. Nur einmal, kurz nach dem Versand der Wahlunterlagen, machte er Freunde und Bekannte per SMS und Facebook auf seine Kandidatur aufmerksam.

«Trotz meiner Bekanntheit habe ich als Erstkandidierender, der keinen aktiven Wahlkampf betreibt, höchstens Aussenseiterchancen», meint Häfliger. Sollte er gewählt werden, würde er als Neuer nicht vorpreschen, sondern zuerst zuhören. Politisieren würde er «konsensorientiert» – «das tönt doch schon fast wie ein Politiker, nicht wahr?», sagt er und lacht schallend.

Für die Wiedervereinigung

René Häfliger, 43, ledig, sind die Kantonsgrenzen rund um die Stadt ein Dorn im Auge. Es sei eine «weltweit unvergleichliche Absurdität», zwei Kantone auf so kleinem Raum zu haben. Für eine Wiedervereinigung von Basel-Stadt und Baselland würde er sich als Grossrat ebenso starkmachen wie für weniger Regulierungen und optimalere Rahmenbedingungen für das Gewerbe. Als Selbstständiger und aus Gesprächen mit Gewerbetreibenden wisse er, wo sie der Schuh drückt. Zudem möchte er sich für attraktiven Wohnraum einsetzen – Wohnraum, den sich auch Normalverdienende leisten können, wie er unterstreicht.

Der Grundsatz der Toleranz kommt bei ihm zum Beispiel an der Grillmeile am Kleinbasler Rheinufer zum Tragen. «Es braucht keine Grillverbote», sagt Häfliger. Die Bewohner des Rheinufers seien privilegiert und müssten diese Belebung des Ufers zulassen. Häfliger muss es wissen: Er wohnt selbst am Unteren Rheinweg. Und hat in Bürchen oberhalb von Visp ein eigenes Ferienchalet. Mit schönem Ausblick über das Rhonetal. Auch in Bürchen kennt man ihn gut: «Ich war schon als Kind immer da oben, ich liebe die Berge.»