Auch das Regierungspräsidium ist diesmal beliebter als bei den letzten Wahlen. Damals gab es nur einen Kandidaten. Nun machen der Freisinnige Baschi Dürr und SVP-Fraktionspräsident Lorenz Nägelin Guy Morin sein Büro im Rathaus streitig. Die bz porträtiert die Bisherigen und die fünf Kandidaten aus den Grossratsparteien.

Ob sich weitere Kandidaten offiziell um einen Sitz beworben haben, ist noch offen, bis die Staatskanzlei Anfang der nächsten Woche die bestätigten Kandidaturen publiziert. Interesse haben der Sänger Elia Rediger und alt Grossrat Eric Weber von der Nationalen Aktion bekundet.

Guy Morin, Grüne

Als Guy Morin 2004 als erster Grüner in die Basler Regierung gewählt wurde, musste der Hausarzt das Justizdepartement übernehmen und auch gleich abschaffen. Seit 2008 ist er Regierungspräsident und als solcher - oft als ungelenk belächeltes - Aushängeschild Basels. In letzter Zeit ist das Gelächter leiser geworden. Morin hat an Profil gewonnen, sein Departement sich zu einer Schaltzentrale in vielen politischen Fragen entwickelt. Auf Kritik stossen immer wieder die - oft wenig konkreten - Visionen seines Stadtentwicklers Thomas Kessler. Morin scheint seinen Chefbeamten nicht immer im Griff zu haben.

Lorenz Nägelin, SVP

Der Rettungssanitäter kam 2001 im Rahmen des ersten grossen Wahlerfolgs der SVP in den Grossen Rat. Dort profilierte er sich zunächst als Verfechter der «Zürcher Linie». Aufmerksamkeit erregte er erstmals, als er bei der Debatte um die Erweiterung des Damen-WC im Rathaus einen Blasenkatheter auf das Rednerpult knallte. In den letzten Jahren hat sich Nägelin, der mittlerweile als Fraktionspräsident amtet, in seinem Auftritt gemässigt. Nägelin hat sich in der Debatte rund um die Sicherheit in Basel immer wieder für eine harte Linie eingesetzt. Er kandidiert auch für das Regierungspräsidium.

Christoph Brutschin, SP

Brutschin ist der wohl unauffälligste der bisherigen Regierungsräte. Als Vorsteher des Wirtschafts- Sozial- und Umweltdepartements gilt der Volks- und Betriebswirtschafter als stiller Schaffer. Der ehemalige Dozent und Rektor am KV Basel wirkt oft trocken und leicht belehrend. Er geniesst aber weit ins bürgerliche Lager hinein Sympathien. Auch, weil er dank seiner Erfahrungen in der Privatwirtschaft kein ideologischer Linker ist. Brutschin übernahm das Departement 2008 und konnte auf der Arbeit seines Vorgängers Ralph Lewin aufbauen. Zudem profitierte er von sinkenden Zahlen bei der Sozialhilfe.

Christoph Eymann, LDP

Christoph Eymann ist nach Carlo Conti der dienstälteste der amtierenden Regierungsräte. 2001 übernahm er das Erziehungsdepartement von der abgewählten SP- Frau Veronica Schaller. Der promovierte Jurist Eymann hat sich insbesondere bei der Harmonisierung der Schulen in der Nordwestschweiz im Harmos-Konkordat hervorgetan. Ausserdem ist er ein harter Verfechter des Frühfranzösischen. Der ehemalige Gewerbedirektor und Nationalrat sieht sich derzeit einer Kampagne und einer Ermittlung gegen seine Person ausgesetzt. Ausserdem sorgt seine Politik rund um das Fach PPP für Kritik.

Carlo Conti, CVP

Carlo Conti ist der auf nationaler Ebene bekannteste Basler Regierungsrat, seit er als Vizepräsident und neuerdings als Präsident der Konferenz der Gesundheitsdirektoren (GDK) amtet. Conti ist Doktor der Rechtswissenschaften, verheiratet und Vater dreier Kinder. In der Regierung sitzt er seit dem Jahr 2000. In seine Amtszeit fallen die Ausgliederung der Spitäler aus der Verwaltung und die Gründung des UKBB. Sein grösster Misserfolg ist wohl, dass es auch dem wirtschaftsfreundlichen Sparer Conti nicht gelungen ist, die Explosion der Krankenkassenprämien in Basel in den Griff zu bekommen.

Hans-Peter Wessels, SP

Schallendes Gelächter und ein Ostschweizer Dialekt sind die auffälligsten Merkmale des ehemaligen Wirtschaftsförderers. Daneben sorgte er mit Projekten wie «Rheinhattan», dem Roche-Turm und der Aufhebung von Familiengärten für Aufsehen. Wessels trifft wie Herzog immer wieder bei seiner eigenen Partei auf den härtesten Widerstand. Seit Jahren liegt er zudem im Dauerclinch mit dem Raucherverein «Fümoar». Ein weiterer Konfliktpunkt ist die oft als kleinlich wahrgenommene Umsetzung von Vorschriften durch die Wessels unterstellten Inspektorate für das Bauwesen und das Gastgewerbe.

Eva Herzog, SP

Die Doktorin der Geschichte und Wirtschaftswissenschafterin übernahm das Finanzdepartement 2005. Also in der Phase, in der ihr Vorgänger Ueli Vischer die Kantonsfinanzen gerade wieder in den Griff bekommen hatte. Herzog verfolgte die Politik des moderaten Sparens konsequent weiter und konnte so den Bürgerlichen bei Steuersenkungen entgegenkommen. Obwohl der Kanton unter der Ägide der zweifachen Mutter schwarze Zahlen ausweist, stösst ihre Politik bei ihrer eigenen Partei immer wieder auf Gegenwehr. Bei der Senkung der Unternehmenssteuern schlug die SP Herzog an der Urne.

Patrick Hafner, SVP

Auf den Dozenten für Unternehmensführung an der FH Bern wurde man in Basel aufmerksam, als er 2005 in den Grossen Rat gewählt wurde. Bereits vier Jahre danach war er Präsident des Parlaments. Dies zeigt, Hafner ist ein gemässigter SVP-Vertreter, dem man zutraute, dieses Amt zur allgemeinen Zufriedenheit auszuüben, was er auch tat. Hafner gilt als angenehmer Mensch und dossiersicherer Finanzpolitiker. Er ist seit 2006 auch Mitglied des Bürgerrates, der Exekutive der Bürgergemeinde. Der ehemalige Standard-Turniertänzer sitzt unter anderem im Verwaltungsrat der BVB und des Rehab.

Emmanuel Ullmann, Grünliberale

Der ehemalige Freisinnige ist nach fünf Jahren im Grossen Rat 2010 zu den Grünliberalen übergetreten. Als seine grössten Erfolge betrachtet er laut seiner Homepage die Abschaffung der Feuerwehrpflicht und die Ermöglichung von Teilzeitarbeit auch für die oberen Kader der Kantonsverwaltung. Ullmann, der mit seinen 32 Jahren der jüngste aller Kandidierenden ist, ist verheiratet und hat drei Kinder. Beruflich leitet der Ökonom die Buchhaltung der UBS-Pensionskasse in Zürich. Er ist Vorstandsmitglied der Israelitischen Gemeinde Basel und begeisterter Hobby-Sänger.

Baschi Dürr, FDP

Baschi Dürr will seit Schulzeiten politisch Karriere machen. Nun wird er mit 35 Jahren als Favorit für die Nachfolge von Hanspeter Gass gehandelt. Ausserdem kandidiert er für das Amt des Regierungspräsidenten. Dürr begann seine politische Karriere bei den Jungliberalen. 2003 wurde er für die LDP in den Grossen Rat gewählt, wechselte aber zwei Jahre später zur FDP. Seither gehört er als Präsident der Finanzkommission zu den profilierteren Politikern der Bürgerlichen. Dürr ist Geschäftsführer der PR-Agentur Farner in Basel. Zuvor amtete der Ökonom als Mediensprecher bei Roche.

Christophe Haller, FDP

Christophe Haller ist ein Vertreter des rechten Flügels der Basler FDP. Wirtschaftsliberal, autofreundlich und in gesellschaftlichen Fragen eher konservativ, präsentiert er sich als Garant für Sicherheit. Der 55-jährige Nationalökonom ist Versicherungs-Generalagent, hat drei erwachsene Kinder. Haller ist in der Basler Gesellschaft gut vernetzt, als Präsident des TCS, Mitglied einer Clique und einer Zunft. Haller sitzt seit 2005 für die FDP im Grossen Rat, dort präsidierte er die letzten sechs Jahre die FDP-Fraktion. Seit 1997 ist er Bürgerrat und Departementsvorsteher des Bürgerlichen Waisenhauses.