Es gibt die stillen Typen, wie Thomas Strahm, der in dieser Legislatur gerade mal einen Vorstoss einreichte Oder dann die hyperaktiven wie André Auderset, der in den vier Jahren, die er im Rat sitzt, 17 Anzüge, Anfragen und Interpellationen zu den verschiedensten Themen abgeliefert hat.

Auch inhaltlich ist nicht ganz klar, wo die Liberalen ihre Schwerpunkte setzen wollen. Während Patricia von Falkenstein und Fraktionspräsidentin Christine Wirz-von Planta sich vor allem Bildung und Kultur widmen, mit Ausflügen in den Umweltschutz und die Verwaltung, setzt Auderset auf bodenständigere Themen: Raucher, Prostituierte, Hunde und Buvetten. Audersets Vorstösse würden auch einem Kleinbasler SVPler gut zu Gesicht stehen.

Ein spannender Fall ist Heiner Vischer. Der Biologe, der sich standesgemäss vor allem in Stiftungen und Vereinen engagiert, interessiert sich vor allem für Umweltthemen und den Radverkehr. Dazu gesellt sich hie und da eine Anfrage zu kulturellen Themen. Die Aufmerksamkeit sicherte er sich aber im letzten Sommer mit seinem Vorstoss gegen das Urinieren im öffentlichen Raum. Die Reaktion der Regierung bescherte der Stadt Gratis-Pissoirs und das Neuwort «Wildpinkler». Ausserdem führte sie auch zu Sommerlochaktionen linker Jungpolitikerinnen, die zwischen lustig und peinlich schwankten.

Hinter den Kulissen

Konkrete liberale Erfolge sind schwierig zu verorten. Die LDP stimmt meistens mit ihren Mitbürgerlichen bei der FDP und der CVP. Ihre Siege errang sie in diesem Verbund, wie etwa bei den Grossratsbeschlüssen zur Senkung der Unternehmenssteuern oder bei der Erweiterung der Ladenöffnungszeiten. Ihre Exponenten wirken oft hinter den Kulissen und weniger in der Öffentlichkeit.

Aber die grossen Würfe fehlen in der Bilanz der letzten Legislatur. Genauso wie die Auftritte eines ehemaligen Jungtalents: Conradin Cramer, der in den ersten beiden Jahren nach seinem Eintritt in den Grossen Rat diesen geradezu mit Vorstössen bombardierte, scheint sich in dieser Legislatur aufs Altenteil zurückgezogen zu haben. Er sitzt zwar im Büro des Grossen Rates, ist also ein Kandidat auf dessen Präsidium, aber seine Einzelaktionen beschränken sich auf vier Vorstösse in vier Jahren.

Weit entfernt von Otto Normalverbraucher

Der Urtypus des Liberalen und wohl der gewichtigste Mann in der Fraktion ist Andreas Albrecht. Als Bankratspräsident der Kantonalbank, mehrfacher Verwaltungsrat, Mitglied der Kirchensynode und – bis heute – des Fasnachtscomités, zieht der Vertreter des Basler Daigs an vielen Strippen. Albrecht ist Präsident der Bau- und Raumplanungskommission, wird bis weit ins gegnerische politische Lager als angenehmer und blitzgescheiter Zeitgenosse geschätzt und entspricht so dem idealtypischen Basler Liberalen: Bürgerlich, bescheiden, und wirtschaftsfreundlich aber auch kulturell interessiert und mit sozialem Bewusstsein. Aber so weit entfernt von Otto Normalverbraucher wie der FCB vom Champions-League-Finale.

Und um bei der Fussball-Analogie zu bleiben: Die letzte Legislatur war für die LDP keine glanzvolle Saison, aber eine, in der sie solide Arbeitssiege errungen hat. Ihre Fans sind Stammwähler, die die LDP-Liste auch dann unverändert einlegen würden, wenn Karli Odermatt kandidieren würde. Die neun Sitze dürften so zu halten sein. Mehr zu erwarten ist unrealistisch. Das heisst aber nicht, dass es bei der LDP nicht spannend werden könnte. Im Kleinbasel muss sich Neo-Platzhirsch Auderset mit einem politischen Urgestein anlegen: Felix Eymann ist Berufskleinbasler, sitzt seit insgesamt 20 Jahren im Grossen Rat und ist hervorragend vernetzt.