Frohes Kindergeplapper klingt für einmal durch das Treppenhaus des Roten Kreuzes in Liestal, ein Kind weint. Ihre Mütter gehen ins "Bodyfit" einen Stock tiefer und bringen die Kinder in die Tagesstätte, die eigentlich für Betagte und Menschen mit Demenz gedacht ist. Aber am Montag- und Mittwochvormittag ist von 10 - 11 Uhr alles anders.

Thomas* zögert noch, das Auto selber vom kleinen Oberdeck der Spielgarage herunterfahren zu lassen. Seine Betreuerin wechselt jeweils für kurze Zeit ihre Rolle, sie kümmert sich um die kleinen Kinder statt um die älteren Menschen der Tagesstätte. Mehrere Male animiert sie Thomas zum Spielen während ihre Kolleginnen ihren Part bei den älteren Gästen übernehmen. Heute gesellt sich Frau Meyer* spontan zu den Kindern. Rasch schlüpft sie in der Rolle der Grossmutter, ihre Krankheit rückt in den Hintergrund. Mehrmals ermuntert sie Thomas, bis er schliesslich selber ein Auto in die Hand nimmt und es die Rampe hinabsausen lässt. Er quietscht vor Vergnügen. Markus* schaut ihm verhalten zu, ihm ist der Abschied von seiner Mutter schwer gefallen. Der Spaziergang mit der tamilische Betreuerin hat ihn etwas beruhigt. Auch diese Frau übernimmt in der Tagesstätte eine besondere Rolle. Normalerweise arbeitet sie als Rotkreuz-Kinderbetreuerin bei Familien zu Hause, um sie in einer Krise zu unterstützen.

Die Generationen begegnen sich in der Rotkreuz-Tagesstätte ohne Berührungsängste. Heute wird der Geburtstag eines betagten Gastes gefeiert. Beim Singen läuft Maike* neugierig nach vorne in die Tagesstätte und lauscht. In der Tagesstätte singen die älteren Menschen häufig miteinander. Das ist Teil des Aktivierungsprogrammes und weckt ihre Erinnerungen. Ihr Gesang zieht die Kinder magisch an. Etwas später kommt Herr Nussbaumer* zu den Kindern und setzt sich in den Sessel. Seine Demenzerkrankung merkt man ihm dann kaum mehr an. Als er ein Bilderbuch in die Hand nimmt, nähert sich ihm Maike. Langsam fängt er an vorzulesen…

Nur allzu rasch kommen die Mütter nach einer Stunden Training zurück, um ihre Kinder abzuholen. Das Kinderlachen klingt noch lange im Aufenthaltsraum der betagten Gäste nach.