Sonntag, 30. August 2015 Sommerkonzert in der Kirche Maisprach

Anderscht die Hackbrettformation aus dem Appenzellerland

Andrea Kind und Fredi Zuberbühler  Konzert-Hackbrett, Roland Christen Bassgeige

Anderscht – anders als andere. Rein äusserlich schon das Konzerthackbrett, eine Eigenkonstruktion von Fredi Zuberbühler, stimmfest trotz der Zugkraft von 2,5 Tonnen der 140 Saiten, mit einem Dämpfungspedal, welches neue, andere Musik erst ermöglichen. Anders vor allem auch die Musik, die den Instrumenten entlockt wird. Bachs «Air» stimmt uns mit sphärischen Klängen ein. Die differenzierte Dynamik begeistert ab dem ersten Takt. Nach der Begrüssung durch die Organisatorin, Margrith Thommen, begleiten uns die Musiker vom Apenzellerland nach Südamerika: Ein klassisches Zeuerli entwickelt sich zu einem Tango (Piazolla). Ganz neue Töne füllen die Kirche, die südamerikanischen Rhythmen lassen die Füsse der Zuhörer wippen, das virtuose Solo von Andrea Kind bringt alle zum Staunen. Von «Take Five», über den «Hochzeitstanz» - ein Stück virtuoser Zigeunermusik - werden wir mit dem lyrischen «Lied des Waldes» nach Weissrussland entführt. Roland Christen hat «Luegit vo Berg und Tal» neu arrangiert und spielt die Melodie auf dem Bass mit Flagoletttönen «vor», sie wird von den Hackbrettspielern übernommen und jazzig variiert – wohl nicht für alle Ohren. Andrea Kind hat sich «Hey cacho» auf den Leib, bzw. aufs Hackbrett komponiert. Sie stellt damit an sich selbst und an den Bassisten höchste Ansprüche mit Taktwechseln, Dynamik und Virtuosität und begeistert einmal mehr mit ihrem Temperament. «Weder Fisch no Vogel» heisst das Stück welches «le Cygne» von Saint-Saëns, «die Forelle» (Schubert) und den «Vogelfänger» aus Mozarts Zauberflöte vereinigt – ein gelungenes Experiment voller Überraschungen. Bachs h-moll-Suite ging gar nicht «bach ab», wie der Titel hesist, und trotzdem, dass Fredi Zuberbühler den Hackbrettpart als «kriminell» bezeichnet, verlassen die Künstler gesicherte Wege und suchen sich neue Pfade durch alle Musikstile unter Einsatz aller Möglichkeiten der Instrumente – Zupfen, Schlagen, Klopfen. «Oye como va» (Carlos Santana) und «Deap Sitter» (Heavy metal)

Bilden den fulminanten Abschluss des Konzertes. Trotz dreier Zugaben schien das Konzert viel zu rasch vorbei. Wir sind gespannt auf die Oberbaselbieter Ländlerkapelle am Winterkonzert am 10. Januar 2016. (as)