or einem Monat hat meine Kollegin Claudia Joller an dieser Stelle davon berichtet, dass und warum sie ihre kleine Tochter hat katholisch taufen lassen. Eigentlich wollte ich mich direkt dazu äussern, aber dann habe ich doch einige Wochen ins Land ziehen lassen, damit mein atheistischer Ablehnungsreflex meiner Reaktion nicht im Weg steht. Mein Problem mit dem Taufen eines Kindes ist weniger, dass ich religiöse Praxen grundsätzlich für überflüssig und bizarr halte, sondern mehr dass ich sie tatsächlich ernst nehme. So wie die Taufe. Hinter die Taufe kann man nicht zurücktreten. Ein getaufter Mensch ist «für immer in die Beziehung mit Jesus Christus hineingenommen», die Taufe hat unauslöschlichen Charakter. Sie ist nicht mit einem Kirchenaustritt zu vergleichen und auch nicht nur eine nette Gelegenheit für Freunde und Familie, sich zu einem schönen Anlass zusammenzufinden – auch wenn viele sie heute nur noch folkloristisch aufzufassen scheinen. Mein Problem ist, das wir diejenigen, die in diesen Bund eintreten, nicht fragen, ob sie das auch möchten und dazu bereit sind. Wir treffen diese Entscheidung für sie. Obwohl, um im katholischen Glauben zu bleiben, die Vorhölle für ungetaufte Seelen mittlerweile abgeschafft wurde und die Taufe den christlichen Glauben voraussetzt, wird daran festgehalten, religionsunmündige Kinder zu taufen. Nicht sie sondern ihre Eltern geben Auskunft über ihren persönlichen Glauben.

Ein sehr guter Freund hat mich vor einigen Jahren im Gespräch drüber zu Recht darauf hingewiesen, dass dieses Phänomen auch viele andere Bereiche berührt. Wir treffen ständig Entscheidungen für unsere unmündigen Kinder. Lebensmittelpunkt, Kindergarten, Schulen, Essen – ich könnte mich hier genauso gut darüber beschweren, dass ein veganer Teenager es voraussichtlich nicht besonders schätzt, wenn seine Eltern ihn über einen längeren Zeitraum mit Würsten und Schnitzelchen gefüttert haben. Wo ist da bitteschön der Unterschied?

In meinen Augen gibt es einen. All die angesprochenen Entscheidungen treffen wir nach bestem Wissen und Gewissen, weil sie nicht aufzuschieben sind. Aber die Religionszugehörigkeit berührt unsere Auffassung von essentieller Freiheit – sie kann und sollte darum warten, bis die Kinder sich dazu selbst verhalten. Wir verheiraten sie auch nicht mit einem Jahr, suchen eine Parteizugehörigkeit für sie oder legen ihren Job fest. Solche Dinge sollten ihnen obliegen.

«Aber es ist doch nur eine Taufe» hat man mir in diesem Zusammenhang oft gesagt. «Ja eben» habe ich dann erwidert.

«wir eltern»