«There aint’t no such thing as a free lunch», lautet ein altes Ökonomensprichwort. Auch eine kostenlose Mahlzeit hat ihren Preis. Das gilt besonders für Politiker. Wer mediale Aufmerksamkeit will, muss dafür bezahlen. Nicht mit Geld. Dafür mit der dicken Haut, die es braucht, wenn die Kritik nur so auf einen niederprasselt. Mit dem Umstand, dass man überall und ständig erkannt wird. Oder mit einem Stück verlorener Privatsphäre, wenn man der «Schweizer Illustrierten» die Türe öffnet.

Das Ringier-Magazin zeigt in der aktuellen Ausgabe SVP-Präsident Toni Brunner und seine Freundin Esther Friedli auf der Titelseite. Die Schlagzeile: «So eroberte ich Esther». Das Paar erzählte der «SI» bereitwillig Details aus der gemeinsamen Liebesgeschichte und stellte der Journalistin einen Liebesbrief Brunners aus dem Jahr 1997 zur Verfügung. «Für mich bist Du mein Ein und Alles, ohne dich wär’s ja nicht zum Aushalten!», steht da zum Beispiel.

Als Normalbürger kann man sich schwer vorstellen, so viel Intimes preiszugeben. Im Fall von Brunner und Friedli ist die Homestory kein Zufall: Als Politveteranen wissen sie genau, was sie tun. Esther Friedli hat Anfang März angekündigt, im zweiten Wahlgang der St. Galler Regierungsratswahlen für einen zweiten SVP-Sitz zu kandidieren.

Wenn sie gewählt werden will, braucht sie jetzt so viel Aufmerksamkeit wie nur möglich; als Politikwissenschaftlerin verfügt sie zwar über Fachwissen, ein politisches Amt hat sie aber noch nie bekleidet. Die Wähler kennen sie nicht. Ob sich der mediale Striptease mit Liebesbrief gelohnt hat, wird sich am 24. April zeigen.

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