«Mami, lass uns mit Vögelis in die Ferien fahren! Der Laurin ist doch mein Freund!!» Ich muss leer schlucken. Nicht, dass ich Vögelis nicht mag, ich bezeichne sie sogar als unsere Freunde. Wir sehen uns regelmässig, mit und ohne Kids, wir grillieren zusammen, gehen schlitteln und manchmal sind wir alle zur selben Party eingeladen. Wir verstehen uns also eigentlich recht gut.

Aber mit ihnen in die Ferien fliegen? Sie, die Mutter, die ihren Kindern auch während des Abendessens etwas vorsingt? Er, der nicht tolerierbares Benehmen nicht erkennt (beispielsweise, als seine Kinder sich einen Spass daraus gemacht haben, meine eben erst blühenden Tulpen auszureissen…!!!) und immer wieder damit kommt, «es sind halt Kinder»? Eben diese Kinder, die weder grüssen, noch sich bedanken und schon gar nicht daran denken, beim Essen auf ihrem Stuhl sitzen zu bleiben, sondern viel lieber UNTER dem Tisch verschwinden, um uns Erwachsene an den Füssen zu kitzeln? Ich weiss nicht…

Es ist doch einfach so: Mit anderen Menschen eine solch wichtige Zeit wie die Ferien zu verbringen ist eben nicht immer erholsam. Will ich in meinen Ferien darauf Rücksicht nehmen, dass Vögelis Kinder bis Mitternacht rumrennen und laut sind? Oder in Kauf nehmen, dass der Vater dieser Kinder jeden Abend den Fernseher einschalten muss, um seinen Lieblingsfussballclub spielen zu sehen? Am meisten Mühe habe ich aber damit, dass Mama Vögeli ihren Kindern keine Essensreste zumutet, so dass für die Kinderlein jeden Tag frisch gekocht werden muss, während wir Erwachsenen die vertrockneten Überreste der Kindermenus verdrücken sollen. Auch will ich mir nicht dauernd anhören müssen, dass zu viel Süsses den Kindern schade und dass ohne Helm gar nichts läuft…

Ferien mit anderen Menschen können kompliziert sein. Auch wenn man sich zu Hause gut versteht und eigentlich befreundet ist. Die Ausnahme: Wirklich gute Freunde. Mit ihnen sind Ferien erholsam und gleichen nicht einem Nervenkrieg, nach dem man noch mehr Ferien braucht. Schliesslich kennen die einen wirklich und wissen, wann man in Ruhe Zeitung lesen will, keine Lust hat, Badminton mit dem Göttikind zu spielen und schon gar nicht gewillt ist, die 7-stündige Wanderung mitzumachen, die vorgeschlagen wurde. Gute Freunde akzeptieren einen auch in den Ferien, so, wie man ist. Und erst dann sind das richtige Ferien, meint ihr nicht?

«wir eltern»