Das Hilfswerk «Margrit Fuchs Ruanda» startet “To our family” – an unsere Familie. So ist das Couvert adressiert mit den Dankesbriefen, die mir von den Schülern der Bulinga Schule, die von der Stiftung unterstützt werden, überreicht werden. Bei der Bulinga Sekundarschule handelt es sich um eine Internatsschule mit rund 600 Schülern.

Alle 55 Schüler, welche von der Stiftung mit Schulgeldern unterstützt werden, haben sich versammelt um zu singen, zu tanzen und sogar eigene Gedichte vorzutragen. Damit wollten sie sich für die Unterstützung aus der Schweiz zu bedanken. Die persönlichen Schicksale der Schüler, welche sie in ihren Dankesschreiben beschreiben, ähneln sich. Alle stammen sie aus sehr armen Familien und hätten ohne die Unterstützung aus der Schweiz keine Chance, eine Sekundarschule zu besuchen.

Viele sind Voll- oder Halbwaisen und schreiben, dass sie keine Hoffnung auf eine Schulbildung hatten, bis sie eben „neue Eltern“ mit der Stiftung gefunden hätten und es als ein grosses Geschenk ansehen, dass sie weiter zur Schule gehen dürfen. Sie alle vertrauen darauf, mit einer guten Schulbildung eine Basis für ein besseres Leben zu erhalten und aus der bitteren Armut ihrer Herkunft ausbrechen zu können.

Fleisch – einmal pro Jahr

Die Einrichtungen der Schulen sind für unsere Verhältnisse sehr bescheiden. Schlafsäle für 200 Kinder, zweistöckige Betten, eines neben dem andern, Schulklassen von 50 Kindern und mehr, das Essen besteht meistens aus Maniok und Bohnen, Fleisch gibt es nur einmal pro Jahr - genau abgemessen und in zwei riesigen Töpfen auf einem Holzfeuer gekocht. Aber für die meisten Kinder ist dies trotzdem ein sehr viel besseres Leben als zu Hause: jeden Tag etwas zu essen, eine eigene Matratze zum Schlafen, und die Möglichkeit zu lernen, und dies sogar am Abend, da es in der Schule Elektrizität und somit Licht gibt.

Dank den Spendern der Weihnachtsaktion können wir heute über 2‘000 Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch ermöglichen. Dass das eine sehr sinnvolle Investition ist, steht ausser Frage, wenn man sich mit den Kindern unterhält und ihre Motivation spürt, ihr Bestes zu geben, damit dieses Geschenk ihrer Ersatzeltern aus der Schweiz in der Zukunft auch Früchte trägt. Auch die verantwortliche Direktorin der Schule zeigte sich sehr dankbar für die Unterstützung. Da die Stiftung die Schulgelder pünktlich zu Semesterbeginn bezahlt, haben sie auch genügend Liquidität, um die Lehrerlöhne pünktlich zu bezahlen und das benötigte Schulmaterial und Esswaren einzukaufen.

Das Schulgeld wird immer direkt von der Stiftung an die Schulen bezahlt. Ein lokales Komitee, welches unter der Leitung des früheren Bürgermeisters von Gitarama steht, besucht einmal pro Jahr jede Schule und überprüft, ob effektiv jedes Kind, für das Schulgeld bezahlt wird, auch anwesend und lernbeflissen ist. Den Kindern wird auch die Schuluniform und das Schulmaterial bezahlt, sodann kümmert sich das Komitee, wenn ein Kind gesundheitliche Probleme hat.

Ersatzeltern für Waisenkinder

Die Familie ist für die Ruandesen sehr wichtig, wobei sie den Begriff sehr grosszügig auslegen. So ist es für Grosseltern oder Geschwister selbstverständlich, dass sie für ihre Enkel oder ihre Nichten und Neffen verantwortlich sind, wenn diese die Eltern verloren haben. Wenn aber auch dieses Auffangnetz nicht vorhanden ist, dann übernehmen die ‚Mamans Volontaires‘ diese Aufgabe. Das Projekt mit den freiwilligen Müttern wurde von unserer Stiftung weiter ausgebaut.

In den lokalen Zentren erhalten die Kinder von der Stiftung finanziert dreimal pro Woche ein gemeinsames Mittagessen, werden mit Kleidern und Schulmaterial versorgt und haben mit den freiwilligen Müttern eine erwachsene Ansprechperson. Die Stiftung hat auch dafür gesorgt, dass die baufälligsten Häuser der Waisenfamilien renoviert wurden, dass die Krankenkassenprämie für die Kinder bezahlt wird und dass sie angewiesen werden, wie sie ihre bescheidenen Felder am besten landwirtschaftlich nutzen.

Diese doppelte „Elternschaft“, die finanzielle durch die Stiftung und die „emotionale“ durch die freiwilligen Mütter vor Ort, hat sich sehr bewährt und bewirkt bei den Kindern sehr positive Veränderungen.

Viehspenden lindern die Not

Auch alle übrigen Projekte der Stiftung werden von der Bevölkerung, aber auch von den lokalen Behörden sehr geschätzt. Wiederum haben dieses Jahr viele Kühe und Ziegen glückliche neue Besitzer gefunden. Die Milch hilft den unter grosser Armut leidenden Familien bei der besseren Ernährung der Kinder, und der Verkauf eines Teils der Milch gibt ein begehrtes Zusatzeinkommen. Geschätzt werden die Tiere insbesondere auch als Düngerlieferant für den Garten.

Weiterhin erfolgreich verlaufen das Projekt zur Integration von Strassenkindern in ihre Familien, die Unterstützung der Mütterstation sowie des Spitals mit Lebensmitteln. Durch ein Legat konnten wir auch dieses Jahr ein neues Schulhaus für rund 500 Kinder bauen, sodass viele Kinder, die bisher der langen Schulwege wegen der Schule ferngeblieben sind, nun ebenfalls geschult werden. Auch das Projekt mit der Gewährung von Kleinkrediten hat an Fahrt aufgenommen.

Zukünftige Unternehmer und insbesondere Unternehmerinnen erhalten eine Schulung um abzuklären, ob ihre Geschäftsidee rentabel umgesetzt werden kann. Nach Gewährung des Kredites werden sie regelmässig besucht um zu überprüfen, ob sich ihr Projekt erwartungsgemäss entwickelt. Es sind kleine Projekte, die finanziert werden: ein Marktstand, eine Hühnerzucht, Batterien zum Aufladen von Handys etc. Aber wenn die Projekte erfolgreich sind, stehen die „Unternehmer und Unternehmerinnen“ auf eigenen Füssen, und die Kreditsumme steht nach Rückzahlung einem nächsten Kreditnehmer zur Verfügung.

Bei der Lehrlingsausbildung gibt es noch viel Verbesserungsbedarf, insbesondere wenn man sie mit unserer Berufsausbildung vergleicht. Trotzdem, auch mit einer bescheidenen Ausbildung finden unsere Schreiner, Köchinnen, Schneiderinnen und Automechaniker zumeist eine Stelle oder können sich selbständig machen und somit selber für ihren Lebensunterhalt aufkommen.

Grosse Dankbarkeit

Die Solidarität, die unser Hilfswerk seit vielen Jahren durch unsere Spender und Spenderinnen erfahren darf, ist einzigartig und wird sowohl vom Stiftungsrat als auch  von den Betroffenen in Ruanda ausserordentlich geschätzt. Immer wieder werden wir gebeten, den Dank an die unbekannten Spender in der fernen Schweiz weiterzuleiten. Wir hoffen sehr, dass wir auch dieses Jahr auf Ihre Hilfe zählen dürfen. Ihr Weihnachtsgeschenk gibt Hoffnung und Freude und verändert das Leben von zahlreichen Bedürftigen zum Besseren. 

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Ruanda Spendenformular 2016