Das perfekte Home Cinema erfordert nicht nur eine gewisse Investition (10.000 CHF sind gut, mehr aber besser), sondern auch einen geeigneten Raum und etwas Knowhow. Gerade bei der Raumakustik macht sich schnell bemerkbar, ob mit Sachverstand agiert wurde. Wer sich beim Abheben des Hubschraubers im Film nicht duckt, hat beim Sound noch Potenzial nach oben. Ähnliches gilt für Schüsse aus dem Hinterhalt.

Bloss keine Kompromisse beim Home Cinema

Die Einrichtung des Heimkinos sollte so erfolgen, als seien spätere Änderungen unmöglich. Perfektionismus ist hier also ein Plus, auch wenn es die Mitbewohner anders sehen mögen. Erfahrungsgemäss gewöhnen wir uns sonst an kleine Ärgernisse und stellen sie nicht mehr ab.

Die beste und meist auch einzige Lösung für das perfekte Heimkino ist daher, es gleich richtig zu machen. Wichtig dabei: wohlgemeinte Kompromiss-Vorschläge bei der Installation einfach ignorieren. Das beste Heimkino hat am Ende, wer sich mal für zwei, drei Tage wie ein echter Technikfreak verhält.

Das Bild

Was macht das Kinoerlebnis aus? Wir befinden uns unter Helden und Bösewichten mittendrin im Geschehen. Neben dem Ton spielt dabei das raumfüllende Bild eine Rolle. Niemand fürchtet sich vor der Blair-Hexe im Black Hills Forest, wenn die Zimmertür im Augenwinkel bleibt.

Für das perfekte Home Cinema sind Beamer und Leinwand daher zwingend. Einfache Rechnung: Die Leinwand sollte so gross wie möglich ausfallen, allerdings im richtigen Verhältnis zum Raum. Als optimale Breite gilt dabei ein Verhältnis von 1:1,5 zur Tiefe des Raumes. Anders gesagt: Hat der „Kinosaal“ nach hinten 6 m Platz, darf die Leinwand mit vier Metern Breite protzen.

Das Licht

Licht und Kino sind keine Freunde, und das ist freundlich formuliert. Daher gibt es auch keine Nachmittags-Vorstellungen im Open-Air-Kino und die wenigsten Kinosäle haben einen schönen Ausblick. Für das Home Cinema bedeutet das: Das Licht sollte sich bequem von Sofa aus dimmen lassen, alle Fenster benötigen (elektrische) Jalousien.

Hinweis: Viele Verkäufer plädieren für Leinwände mit einem hohen Gain-Faktor (erkennbar am silbernen Belag). Dabei wird das Licht stärker zur Raummitte hin reflektiert, was auch gegen diffusen Lichteinfall hilft. Der Nachteil dieser Erfindung ist jedoch gross: Mit der „Bündelung“ erscheint die Leinwand in der Mitte heller als am Rand (und vom Seitenplatz aus würde man schlechter sehen, was für uns im Heimkino aber kaum eine Rolle spielt). Daher: auf hohen Gain-Faktor verzichten und lieber mit einer weissen Leinwand und einer guten Abdunkelung arbeiten.

Die Raumakustik

Die Akustik im Home Cinema ist der sensibelste Teil. Sie frisst (inklusive Boxen) gut die Hälfte vom Budget und ist reich an Fallstricken. Je geschulter Ihre Ohren sind, desto schwieriger wird die Sache. Fest steht: Wer sündhaft teure Boxen ohne klang-architektonische Vorbereitungen im Wohnzimmer verteilt, kann zum Film auch einen Pinot Noir von Gantenbein aus dem Plastikbecher servieren. Beides hat eine gewisse Dekadenz, führt jedoch nicht zum perfekten Genuss. Der glasklare Original-Sound geht verloren, Stimmen werden durch Überlagerungen schwerer verständlich.

Welche Arbeiten genau erforderlich sind, hängt nicht zuletzt vom konkreten Raum ab. Einige Stichpunkte:

  • Teppichboden statt hart reflektierender Hölzer
  • Absorber zur Minimierung der frühen Schallreflexion
  • Akustikputz (oder zumindest Raufasertapete)
  • Deckensegel und Akustikbilder (aus Melaminharzschaum)

Die Leinwand

Als stolzer Einfamilienhaus-Besitzer verfügen Sie eventuell über ausgebaute Kellerräume, die einem Heimkino Platz bieten können. Alle, denen das nicht vergönnt ist, die also Wohnzimmer und Kinosaal in Einklang bringen müssen, sollten in eine elektrische Leinwand investieren. Sie schaut nur bei Bedarf aus ihrer Rolle hervor, dann aber zuverlässig und auf Knopfdruck. Im Idealfall ist auch die Rolle selbst unsichtbar in der Decke integriert.

Bei der Leinwand selbst ist (neben dem Gain-Faktor) auf gute Qualität zu achten. Ein reinweisses Tuch ohne Faltenwurf bringt in seiner puristischen Form die unverfälschtesten Bilder.

Hinweis: Wer Boxen hinter der Leinwand platzieren möchte, muss eine tondurchlässige 4K-Leinwand wählen (Akustikleinwand).

Die Technik

Natürlich bleiben Beamer und Boxen die Herzstücke des Home Cinema. Sie bereiten aber auch Laien weit geringere Probleme als Raumakustik, Verkabelung und Installation. Auf zahlreichen Portalen werden die aktuellen Technik-Komponenten vergleichend bis ins Detail beschrieben. Auf die Ergebnisse ist Verlass. Meist stellt sich am Ende die Frage, ob es der Preis-Leistungssieger sein muss oder der Leistungssieger sein darf. Ein genereller Tipp: Das Spitzenmodell des Vorjahres ist fast immer besser als die aktuelle Mittelklasse, preislich aber oft auf demselben Niveau.

Bei der Auswahl des Home-Cinema-Systems stellt sich zudem fast automatisch die Frage nach „5.1“, „6.1“ oder „7.1“ (ganz wie ehemals nach „Dolby Surround“). Die zwei zusätzlichen Lautsprecher der 7.1.-Version können hier nicht schaden, denn der Raumklang wird verbessert. Wirklich zeitgemäss ist „Dolby Atmos“ (oder Auro 3D für das Konzerterlebnis), wobei neben elf Lautsprechern auch ein spezieller AV-Receiver benötigt wird. Günstig ist das nicht und die Zahl der verfügbaren Filme mit der entsprechenden Tonspur ist noch begrenzt. Das dürfte sich aber ändern.

Unnötig zu erwähnen, dass die Boxen nun noch optimal verteilt werden müssen, um den richtigen Sound zu schaffen. Eine Wissenschaft, bei der die Fans synchroner Abläufe im Vorteil sind. Nun noch ein paar Kabel verlegen oder dem Funk vertrauen, und schon kann es losgehen. Wirklich? Nun, eine Bildquelle fehlt. Aber die gibt es ja vielleicht auch schon und kann über das heimische Netzwerk ganz smart ins Home Cinema eingebunden werden.