Bereits die Lage ist ausserordentlich attraktiv für einen Besuch. Zwischen Wald und Aare lädt das psi forum auf dem Ost-Areal des PSI zu wissenschaftlichen Tiefgängen ein. Parkplätze hat es genug und auch mit dem öV ist das Besucherzentrum gut erreichbar. Eine zwar nebensächlich logistische, jedoch angenehme Voraussetzung für ein Wissensbad. Vor allem, wenn Kinder dabei sind.

Strampeln für den Strom

Kaum aus dem Auto, geht es direkt aufs Velo: Beim Eingang zum forum lässt sich mithilfe eines Velos prüfen, wie hoch man ein Gewicht heben kann, wenn man 10 Sekunden Energie auf dem Fahrrad freisetzt. Mein Sohn strampelt ehrgeizig wie ein Weltmeister. Und staunt, als auf Knopfdruck die in Superkondensatoren gespeicherte Energie frei wird, um ein Gewicht zu heben. Jugendliche Energie lässt sich jedoch schlecht speichern, man muss sie direkt steuern und so zerre ich ihn vom Velo, um den Rundgang zu starten.

Wissenswertes zum Röntgenlaser SwissFEL.

Wissenswertes zum Röntgenlaser SwissFEL.

Interaktiv Forschung erfahren

Schliesslich warten ja noch etwa 20 andere interaktive Posten nebst Informationen auf uns: rund um die Forschungsthemen des PSI «Materie und Material», «Energie und Umwelt» sowie «Mensch und Gesundheit». Bereits seit 1998 können Besucherinnen und Besucher an verschiedenen Exponaten selbst Hand anlegen und Dinge ausprobieren. Alles ist entweder selbsterklärend oder in den Sprachen Deutsch, Französisch, Italienisch und Englisch beschriftet. So ist die Ausstellung auch für Spontanbesucher einfach zugänglich. «Die meisten Gäste besichtigen das Besucherzentrum allerdings im Rahmen einer Gruppenführung», erklärt Dagmar Baroke, Leiterin für Kommunikation des PSI, «das sind in der Hauptsache Vereine, Verbände und Firmen, aber auch Studierende oder politische Gruppierungen. Und natürlich auch Schulklassen. Schüler sollten allerdings die nötige Reife und das nötige Vorwissen mitbringen, um richtig profitieren zu können. Daher empfehlen wir den Besuch für Kinder und Schüler ab zirka zwölf Jahren.»

Die bunten Salzkristalle ändern stetig ihre Form.

Die bunten Salzkristalle ändern stetig ihre Form.

Ausserirdische Diebe

Auf Anfrage kommen wir in den Genuss des 3-D-Kurzfilms, der die Arbeit des PSI in Form eines Zeichentrickfilms auf humorvolle Art vorstellt. Mein Sohn staunt und lacht über die Ausserirdischen, die den Protonenbeschleuniger des PSI entführen wollen, um ihren Planeten zu retten. Und möchte auf einmal mehr über diesen Beschleuniger wissen. Was mich wiederum zum Staunen bringt. Prompt vertiefen wir das Interesse an den interaktiven Exponaten im Besucherzentrum. Dabei zieht mich besonders ein Apparat in seinen Bann. Vielleicht weil er an die Plüschtier-Greifautomaten auf Volksfesten erinnert, bei dem mir das Plüschtier immer im letzten Moment vom Greifarm gefallen ist. Das hiesige Exponat mit dem Namen «Heisse Zelle» wird genutzt, um zu veranschaulichen, wie Fachleute an radioaktiven Medikamenten zur Krebsbekämpfung forschen. Im Labor befindet sich der Greifarm hinter Bleiglas, um die Forscher vor der Strahlung zu schützen. Während ich mehr aus nostalgischen Gründen versuche, Bälle mit dem Greifarm in die dafür vorgesehenen Vertiefungen zu «parken», ist mein Sohn schon am Exponat «Freier Fall im Vakuum».

Schüler beim Exponat «Heisse Zelle».

Schüler beim Exponat «Heisse Zelle».

Galileos Erbe

Während mir bei dem Namen Galileo vor allem meine Brecht-Lektüre einfällt, kehrt mein Sohn mit der Aussage «Jeder Körper fällt gleich rasch, unabhängig von seiner Masse» den kleinen Angeber heraus. Und lässt im über vier Meter hohen gläsernen Vakuumturm – die weltweit grösste Demonstrationsanlage zum freien Fall – Golfball und Papierschnitzel fallen. Wir erfahren: Vakuumrohre sind wichtige Komponenten bei den Grossforschungsanlagen des PSI. Und mir wird bewusst, wie effektiv es ist, Wissenschaft auf ästhetische, spielerische und erfahrende Art zu vermitteln. Und wie gut das funktioniert. Künstlerisch auf den Höhepunkt gebracht wird dies vielleicht durch die komplexe, aus Kupferdraht gefertigte Kugelbahn des Künstlers Alain Schartner, von dem ein weiteres Exemplar u. a. im Kindermuseum Baden steht. Der Strom für den Lift, der die Kugeln nach oben transportiert, wird von Brennstoffzellen produziert, die am PSI entwickelt wurden.
Nach so viel geistiger Nahrung braucht es definitiv physische Nahrung. Wir setzen uns mit Kaffee und Kuchen auf die Terrasse der angeschlossenen Cafeteria und reden noch ein wenig über die Ausstellung. Ein klein wenig fühle ich mich schlauer – ein gutes Gefühl.