Wer in Basel auf Dialekt schreibt kann sich sicher sein, irgendeiner wird ihn immer kritisieren. Das haben bereits die Diskussionen in der bz-Redaktion gezeigt, als es um unsere neue Dialekt-Kampagne und die dazugehörigen Kolumnen ging: In breitestem Berndeutsch, spitzestem Baseldeutsch, knarrendem Fricktalerdialekt und gemütlichem Baselbieterdeutsch wurde diskutiert.

Was ist «richtiges» Baseldeutsch? Das, von dem sogar der Dialektpapst Ruedi Suter einst sagte: «S pflääge noone winzigi Minderhait ùnd e baar Faasnachtspoeete s Baaseldytsch»? Oder das im neuen Baseldeutsch-Wörterbuch postulierte? Oder aber das, das die Jugendlichen auf dem Barfi abends sprechen? Und ist es vulgär auf Baseldeutsch zu schreiben oder gerade eben besonders edel?

Nicht aus der D'Albe

Wohl kein anderer Dialekt in der Schweiz kennt so ausführliche, schriftlich festgehaltene grammatikalische, syntaktische und semantische Regeln wie das Baseldeutsch. Doch ausser den letzten verbliebenen Daig-Baslern, also den Abkömmlingen der im 16. Jahrhundert eingewanderten Hugenotten, spricht es wohl keiner mehr.

Ab Fasnachts-Zeedeln und von Ladäärne-Sitte grinsen uns Ausdrücke an, die jeden Baseldeutsch-Puristen aufquietschen lassen. Immer mehr Schnitzelbänken ist anzuhören, dass sie eben nicht aus der D'Albe kommen, sondern ihr Leben in Ormalingen verbringen und nur an den «drey scheenste Dääg» nach Basel kommen.

Zwischen vulgär und verwurzelt

Es gibt eine «IG Dialäggt», die es sogar schaffte, eine Initiative zu lancieren. Es gibt ein ganzes Theater, das sich dem Dialekt in seiner reinsten Form verschrieben hat. Doch es gibt immer weniger Menschen, die tatsächlich so sprechen.

In diesem Spannungsfeld zwischen «allewyyl scheenem Baseldytsch» und so schreiben «wie-n-is d Schnuure gwaggsen isch», wollen wir uns in den kommenden Wochen bewegen. Wir wollen mit all jenen ins Gespräch kommen, die sich über unsere Dialektkampagne aufregen, weil hie und da eine Schreibweise zu stark oder zu wenig an den täglichen Gebrauch angepasst wurde. Wir wollen hören «Dialekt ist vulgär und gehört nicht auf Plakatwände» und auch «Super, dass ihr so lokal verwurzelt seid».

Der Dialekt hat Vor- und Nachteile. Er ist unsere Sprech-Sprache, manchmal Schreib-Sprache, Teil unserer Identität und unserer Kultur. Er macht den Zuwanderern das Leben schwer und sorgt für Missverständnisse. Wir finden ihn schön, der Rest der Schweiz eher weniger. Grund genug, ihm ein wenig Zeit und Platz zu widmen.