Zögerlich bedanken sich die Spieler des FC Aarau nach dem Schlusspfiff bei ihrem Anhang. Dann begeben sich die Akteure in die Kabine. Allen voran die jungen Spieler wie Marco Thaler und Olivier Jäckle haben nur noch Leere in ihrem Blick. Es fliessen Tränen. Auch bei so gestandenen Männern wie Innenverteidiger Juan Pablo Garat und Dante Senger.

«Ich bin bitter enttäuscht. Das ist ein Scheiss-Gefühl. Ich weiss nicht, was ich sonst noch sagen soll», sagt Thaler, dem bei den letzten Worten die Stimme zu versagen droht. Mit hängenden Schultern verabschiedet er sich in Richtung Mannschaftsbus. Etwas gefasster gibt sich Captain Sandro Burki. Aber auch ihm geht der Abstieg seines FCA sichtlich nahe: «Das ist ein sehr schwieriger Moment. Nach dem FCB-Spiel haben wir noch einmal Hoffnung geschöpft, aber leider haben wir unseren Job gegen St. Gallen nicht gemacht», sagt der 29-Jährige. «Das ist sehr bitter und tut weh.»

Der FC Aarau steigt ab: "Das ist ein trauriger Moment", sagt Raimondo Ponte.

FC Aarau steigt ab

Bitter war die Partie auch für den nominellen Ersatztorhüter Ulisse Pelloni. Weil Stammtorhüter Joël Mall nach seinem Nierenriss aus der Partie gegen den FCB verletzt ausfiel, kam der Tessiner in St. Gallen zu seinem Debüt in der Super League. «Das habe ich mir natürlich ganz anders vorgestellt», sagt der 21-Jährige. Trotz einer ansprechenden Leistung musste er gleich fünfmal hinter sich greifen. «Viel mehr schmerzt mich aber, dass wir den Ligaerhalt definitiv verpasst haben.»

Der verletzte Mall verfolgte die Partie auf den Zuschauerrängen der AFG-Arena. «Das war sehr schlimm. Ich war nervöser, als wenn ich gespielt hätte», sagt der 24-Jährige. «Es ist traurig. Die Art und Weise unseres Abstiegs macht mich wütend. Wir haben es schlicht nicht verdient, den Ligaerhalt zu schaffen», sagt er.

Grundlegende Änderungen

Mit dem feststehenden Abstieg ist auch klar, dass Mall per Ende Saison vertragslos wird. Sein vor ein paar Monaten verlängerter Kontrakt ist nur für die Super League gültig. Der FCA hat aber bereits signalisiert, dass er gerne mit ihm über einen neuen Vertrag verhandeln möchte. «Dafür bin ich offen», sagt Mall. Er stellt aber auch Bedingungen: «Auf die kommende Saison müssen grundlegende Dinge im Klub verändert werden. Sonst kommt es nicht gut.»

Es scheint also noch völlig unklar, ob Mall – der sich in letzter Zeit immer mehr zur Integrationsfigur des FCA entwickelt hat – auch in der Challenge League mit seinem Herzensklub auflaufen wird. «Jetzt gilt es aber erst einmal, den Abstieg zu verdauen. Dann sehen wir weiter.»

Vieles hat beim FC Aarau in dieser Saison nicht gestimmt, wie auch Burki bestätigt: «Wir kamen immer wieder ran. In den entscheidenden Momentan ist aber nichts so gelaufen, wie es sollte. Schlussendlich bekommt man das, was man verdient.» Auch im Spiel gegen St. Gallen erzielte Petar Sliskovic in der 53. Minute den Ausgleich, die Chance auf einen Punktgewinn war also intakt. Der Aaraguer Goran Karanovic besiegelte mit seinen persönlichen vier Treffern den Aarauer Abstieg aber im Alleingang: «Es tut mir Leid für den FC Aarau und es ist schade für den Verein. Aber auch wenn ich viele Aarauer Kollegen habe, konnte ich jeweils natürlich nicht zurückziehen.»

Schützenhilfe erhielt der FCA derweil allemal. Weil Vaduz zu Hause gegen GC mit 0:1 verlor, hätte ein Punktgewinn die Aarauer Chance auf den Sieg am Leben erhalten. Das, was nach dem 1:1 in St. Gallen jedoch passierte, ist symbolisch für die bisherigen Aarauer Auftritte. Dieser Meinung ist auch Bachmann: «Die individuelle Qualität in der Mannschaft war immer da. Doch auch heute hat das Zusammenhalt und der Wille einzelner Spieler nicht gestimmt.»

Damit müssen die Aarauer nach nur zwei Saison wieder zurück in die Challenge League. «Für uns ist klar, dass wir so schnell wie möglich wieder in die Super League wollen», erklärt Bachmann.

Weitere Reaktionen der Aarauer Spieler: 

Olivier Jäckle: «Es ist vor allem eine grosse Leere da. Die Enttäuschung ist riesig. Das ist ein ganz schwieriger Moment. Die Verarbeitung des Abstiegs muss jeder für sich schaffen. Morgen haben wir wieder Training. Am Freitag wollen wir für die Fans noch einmal alles geben.»

Ulisse Pelloni: «Ich weiss nicht was ich sagen soll. Wir haben die zweite Halbzeit gut begonnen, dann gelang das 1:1. Was nach dem 2:1 passierte, kann ich auch nicht erklären. Da haben wir aufgehört zu spielen.»

«Es ist sehr schade. Gerade auch wenn man in Betracht zieht, dass Vaduz gegen GC verloren hat. Aber so ist Fussball. Ich weiss nicht, was ich am Abend tun soll, um das zu verarbeiten. Jetzt werden die Gedanken sicher in meinem Kopf kreisen. Aber morgen geht es mit dem nächsten Training weiter.»

«Auch für mich persönlich ist das nicht gut. Im ersten Spiel in der Super League fünf Tore zu kassieren ist bitter. Es bleibt mir jetzt nichts anders übrig, als das als Erfahrung mitzunehmen.»

«Am Freitag haben wir – auch wenn wir bereits abgestiegen sind - noch einmal ein wichtiges Spiel. Für die Fans und für das ganze Umfeld wollen wir da noch einmal alles geben. Dann muss die Planung für die kommende Saison beginnen. Das ist wichtig. Ein Klub wie Aarau gehört in die Super League.»

Sandro Burki: «Jetzt ist jeder mit sich selber beschäftigt. Da kann ich auch als Captain nicht weiterhelfen. Den einen geht es näher, den anderen weniger. Natürlich beschäftigt es mich sehr, wie es nun weitergeht. Wir haben versucht, den Abstieg zu verhindern. Alle wollten oben bleiben. Leider haben wir es nicht geschafft. Jetzt gilt es das zu verarbeiten und dann in die Zukunft zu schauen.»

«Die Heimfahrt wird ruhig. Jeder hat seine Gedanken. Das ist natürlich nicht schön. Da hilft es, nach Hause zur Familie zu kommen, wo man auch andere Gedanken fassen kann.»