Es lief die 74. Minute, als die Winterthurer Schützenwiese von 3400 Menschen zum Beben gebracht wurde. Aber nein, die Gastgeber gingen auf wundersame Weise nicht in Führung, ein Mann namens Joel Kiassumbua hatte da gründlich etwas dagegen. Nach einem Konter brachte Sandro Foschini, einer der Besten beim FC Winterthur, den Ball zu Patrick Bengondo, der fünf Meter vor dem Tor alleine stand, wie wohl noch selten in seiner langen Karriere. Er drehte sich, schoss flach und setzte schon an zum Jubel.

Aber da war noch die Fussspitze von Kiassumbua, die das Leder um den Pfosten lenkte. «Einen solchen Ball halte ich wohl nicht sieben Mal pro Saison», sagte Wohlens Torwart lachend nach Spielschluss, wohlwissend, dass sich die Mannschaft für den einen Punkt bei ihm bedanken darf.

Der U17-Weltmeister schilderte die Aktion so: «Ich sah, dass Bengondo den Ball mit dem Rücken zum Tor annahm, da wusste ich, jetzt muss ich raus und mich so gross machen wie ich kann.» Selten dürften sich dem Winterthurer Torjäger 1,90 Meter so gross angefühlt haben. Er sank resignierend zusammen, während sich Kiassumbua feiern liess.

Drei Punkte für Kiassumbua

Die Aktion des Wohlen-Goalies hätte durchaus auch drei Punkte verdient gehabt, die in der Endabrechnung wohl etwas überspitzt formuliert, aber auch nicht völlig gestohlen gewesen wären. Auch Trainer Martin Rueda erkannte: «In der ersten Halbzeit hätten wir durchaus in Führung gehen können, nach der Pause sind wir unnötigerweise in einige Konter gelaufen.» Tatsächlich hätte Captain Alain Schultz in der 34. Minute alleine vor Winterthurs Torwart David von Ballmoos den Ball im Gehäuse unterbringen müssen, zehn Minuten später war es Neuzugang Nico Abegglen, der per Kopf freistehend nur knapp verpasste. Dazwischen klatschte aber auch ein Kopfball von Heim-Verteidiger Sead Hajrovic an den Pfosten.

Wohlens Seitenwechsel-Problem

Langsam beunruhigend werden Wohlens Auftritte unmittelbar nach dem Seitenwechsel. Bereits vor einer Woche gegen Le Mont liessen sich die Freiämter in den ersten Minuten nach der Pause überrennen und auch gestern kam Winterthur zu zwei guten Torchancen unmittelbar nach Wiederanpfiff. «Das ist wohl Zufall. Dennoch müssen wir konzentrierter bleiben», so Rueda, der nach einer hektischen Schlussphase und insbesondere nach Kiassumbuas Monsterparade mit dem Punkt schon einmal ganz gut leben konnte.

Die Mannschaft muss sich erst noch einspielen

Das kann er übrigens auch mit dem Saisonstart von drei Spielen und drei Punkten: «Man darf nicht vergessen: Wir müssen fünf Abgänge verkraften, die neuen Spieler sind zumeist jung und brauchen Zeit.» Vollends zufrieden ist er jedoch erst, wenn auch der erste Dreier in der Saison eingefahren wird. Das Glas halbvoll - wer will es ihm nach seiner Glanztat auch verübeln - sah hingegen sein Torhüter: «Man darf es aber schon positiv sehen: Wir sind bisher immer noch ungeschlagen.»

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Scribblelive: FC Winterthur - FC Wohlen