Kerstin Müller und Oliver Seidel vom Baubüro in situ AG haben drei neuartige Berufe kreiert: den «Baumaterialsammler», den «Baumaterialjäger» und den «Wiedereinbauer». «Unsere Mitarbeitenden spüren Baumaterial auf, das sich wiederverwerten lässt», erklärt Müller, als sie den Faktor-5-Jurypreis der Sun 21 entgegennimmt. Nicht nur schöne Hähnen oder gut erhaltene Parkettriemen, sondern auch ganze Stahlträger, Fensterfronten oder Abdeckgitter erleben einen zweiten Frühling.

Damit gehen sie einen Schritt weiter als die bekannte Bauteilbörse und kehren den Bauprozess teilweise um: «Wir bieten Materialien an, aus denen ein Projekt entsteht», erklärt Müller. Mit vollständigen Informationen zu den Baustoffen kann wieder Neues entstehen. «Auch in der Antike wurden schon gehauene Steine wieder verwendet», erzählen die beiden Betreiber. Damit wird eine uralte Idee modern umgesetzt. Den Preis erhält das Büro, weil es die Wiederverwendung der Materialien vor das Recycling stellt. Somit kann die Energie, die beim Recyceln verbraucht wird, eingespart werden.

Den Publikumspreis, über den die bz-Leserinnen und -Leser entschieden haben, erhält die Revendo AG. Aurel Greiner und Laurenz Ginat retten ebenfalls Materialen vor dem Recycling. Sie peppen gebrauchte Computer, Tablets und Mobiltelefone auf. Auch hier entstehen neue Berufsfelder. «Wir haben die Leute so ausgebildet, wie wir sie brauchen», meint Greiner. Die Revendo AG zählt mittlerweile 80 Mitarbeitende und hat acht Filialen in der ganzen Schweiz eröffnet. Hansjörg Wilde, der die Preisstifterin Etavis Kriegel und Schaffner vertritt, lobt die beiden Gründer, da sie «global denken und lokal handeln».

Aber auch die weiteren Finalisten dürfen sich mit ihren nachhaltigen Ideen wie Gewinner fühlen. Jojo Linder bietet mit seiner Kompotoi ökologische Miettoiletten an. Aus den Ausscheidungen gewinnt er humusreiche Schwarzerde. Pilze züchtet David Jucker mit «Stadtpilze». Das «Tischlein deck dich» kämpft gegen Foodwaste an und verteilt Lebensmittel an Bedürftige. Mit einem Bau extra für Künstlerinnen und Künstler punkteten die Degelo Architekten.