Die WC-Häuschen sehen aus... naja, wie altertümliche WC-Häuschen eben. Einfache Bauweise aus Holz, sogar ein Herzchen ist in der Türe ausgelassen. Klassischer gehts nicht. Ebenso klassisch ist natürlich das Geschäft, das drinnen erledigt wird, aber was aus den Hinterlassenschaften wird, ist etwas Besonderes. Die Firma Kompotoi, die solche Häuschen aufstellt, verwertet die Fäkalien und zwar so, dass daraus äusserst nährstoffreiche Erde wird. Eigentlich ein uraltes Konzept, denn so will es der Kreislauf der Natur, doch durch die professionelle Anwendung wird daraus ein effizientes Stück Aufwertung von Rohstoffen.

Kompotoi ist nur eines der sechs Projekte, die sich um den mittlerweile etablierten Basler Nachhaltigkeitspreis Faktor 5 des Vereins sun 21 bewerben. Aus Hinterlassenschaften ebenfalls Fruchtbares macht das Projekt Stadtpilze: Hierbei wird Kaffeesatz aus verschiedensten Gastronomiebetrieben eingesammelt, in Kessel verpackt und mit Pilz-Mycel versehen. Aus dieser Pilz-Zucht entstehen marktfrische Pilze, deren Qualität ihresgleichen sucht.

Architektur für ein neues Zeitalter

Zu den eher etablierten Projektteilnehmern zählen zwei Architekturbüros: Die Firma in situ arbeitet an so genannten Suffizienz-Strategien. Aktuell arbeiten die Planer an zwei Neubauten, die aus aufbereiteten Bestandteilen aus Abbrüchen bestehen. Weit über die Antike hinaus ist diese Methode bekannt, allerdings wird sie zurzeit äusserst selten angewandt. Doch warum entsorgen, was noch taugt? Die Häuser jedenfalls werden auch mit den erneut verwerteten Baustoffen genau so robust stehen. In der Bilanz nur eben ressourcenschonender.

Über das Projekt von Degelo Architekten wurde bereits mehrfach berichtet. In der Erlenmatt Ost entwarf das Büro ein Haus, das nicht nur komplett ohne Heizung auskommt, sondern auch einen äusserst günstigen Quadratmeterpreis aufweist. Das liegt daran, dass einiges an Innengestaltung den Mietern überlassen werden kann – wie etwa das Aufziehen von Trennwänden. Insgesamt bringt das Bauwerk eine Vision in die Realität, die beim Bau von Mietwohnungen Schule machen kann.

Der unbezahlbare Wert der Wertsteigerung

Nicht zuletzt zeigt auch der Verein Tischlein deck dich, wie Nachhaltigkeit innerhalb einer Wertschöpfungskette funktionieren kann. Beziehungsweise: Wie eine Wertschöpfungskette erweitert werden kann. Der Verein sammelt nicht nur Speisen ein, die bei Grossverteilern oder Detaillisten nach Ladenschluss in den Abfall wandern würden, er verteilt diese auch effizient weiter. Das Projekt setzt damit mehr als nur ein Zeichen gegen Food Waste, also Lebensmittelverschwendung: Dank der Ausbildungsarbeit, die dazu gehört, werden Firmen und Verbraucher gleichermassen sensibilisiert. Mit den Nahrungsmitteln werden entsprechend Bedürftige versorgt.

Ebenfalls etabliert ist schliesslich die Firma Revendo. Die Basler haben sich national einen Namen gemacht, indem sie die Design-Produkte der bei Computer- und Smartphone-Nutzern beliebten Marke Apple reparieren und weiterverkaufen. Die Firma hat mittlerweile mehrere Filialen in der Schweiz eröffnet und ist mit ihrem so genannten Upcycling-Zyklus ein Musterbeispiel dessen, was passieren kann, wenn man eben nicht einfach Elektroschrott entsorgt oder energieaufwändig Gegenstände rezykliert.

Insgesamt zeigt die Vorauswahl der Faktor-5-Jury eine klare Stossrichtung der Nachhaltigkeit: Nicht mehr geht es nur um Einsammeln und Rezyklieren, vielmehr geht es um den Werterhalt oder die Wertsteigerung von Material, egal ob Biomüll, alte Fensterrahmen oder Design-Computer. Die Abstimmung für den Publikumspreis läuft bis am 21. Mai um 12 Uhr auf bzbasel.ch.

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Wufoo Faktor 5 Voting 2019