Die elektronische Trefferanzeige in der Schiessanlage Wintenberg, welche die Freischützen Oberdorf betreiben und unterhalten, ist in die Jahre gekommen. Die sechs Scheiben sind 1992 eingebaut worden und sollten ersetzt werden. Dafür hatte die Oberdörfer Gemeindeversammlung über einen Kredit von 118'000 Franken zu befinden, was nicht alle freute.

«Unterlagen sind lückenhaft»

Dieter Lipp legte sich ins Zeug und votierte gegen den Antrag des Gemeinderats. Er kritisierte das Vorgehen der Exekutive. «Das Geschäft war noch nie in einem Investitionsplan und einem Budget. Zudem ist es nicht transparent, Zahlen und Informationen fehlen, die Unterlagen sind lückenhaft.» Der Gemeinderat müsse bewusst vorgehen, sonst setze er ein falsches Zeichen an andere Vereine.

Für Lipp, Mitglied der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission, besteht keine Dringlichkeit, die Trefferanzeige zu ersetzen. Er könne auch nicht verstehen, weshalb der Gemeinderat trotz Sparbemühungen und höherem Steuerfuss, der letzten November von der Gemeindeversammlung beschlossen worden ist, nun ohne zeitlichen Druck so viel Geld ausgeben wolle. «Weshalb pressiert das so?», fragte sich auch ein weiterer Versammlungsteilnehmer.

Gemeindepräsident Piero Grumelli wehrte sich gegen Lipps Vorwürfe. Alles sei ordnungsgemäss gelaufen, um diesen Kredit vor die Gemeindeversammlung zu bringen. Auf die Kritik wegen fehlender Angaben entgegnete Grumelli: «Ein Einkauf in eine Gemeinschafts-Schiessanlage ist nicht bezifferbar. Wir haben keine Verhandlungen geführt.» Für Gemeinderat Christian Heckendorn ist wichtig, dass Oberdorf als Zentrumsgemeinde eine eigene Schiessanlage hat.

Viele Ausfälle

Ihr Verein sei wachsend und zähle zu den grössten in der Region, warb Vorstandsmitglied Stephan Lehnen für die Freischützen Oberdorf. Und wies auf Probleme mit der Trefferanlage hin: In den vergangenen vier Jahren hätten sie viele Ausfälle zu beklagen gehabt. Lehnen stellte jedoch klar: «Wir schauen gut zu unserer Anlage, aber nun gibt es keine Ersatzteile mehr.» Und er rief die Anwesenden auf: «Dem Kredit zuzustimmen ist auch eine moralische Verantwortung.» Sich in eine Anlage einzukaufen sei auch nicht gratis.

Dieter Lipp musste sich trotz ausführlicher Wortmeldungen, weshalb ihn der Gemeindepräsident ein wenig zurückband, wie ein einsamer Rufer in der Wüste vorgekommen sein. Seine Haltung gegen den Kredit – «ich bin nicht gegen die Schützen» – stiess auf wenig Support. Zudem lief eine grössere Delegation der Freischützen auf, die sich schön auf die eine Seite des Versammlungslokals konzentrierte.

Deshalb war der von Lipp gestellte Rückweisungsantrag, um das Geschäft zu überarbeiten und sorgfältiger aufzugleisen, mit 25 gegen 40 Stimmen chancenlos. Der Kredit passierte mit 41 gegen 20 Stimmen. Und so werden die Freischützen Oberdorf in etwa einem Jahr zu einer neuen elektronischen Trefferanzeige kommen.

Mit der Modernisierung dürfte die Schiessanlage Wintenberg attraktiver werden – auch für Vereine benachbarter Dörfer. Gut möglich also, dass der Oberdörfer Schiessstand einst zur Gemeinschafts-Schiessanlage wird.