Der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber liess vergangenen Spätsommer im Landrat keine Zweifel daran, was der Kanton von der Kooperation des Bruderholz- mit dem Bethesda-Spital erwartet: «Das gesamte, bisher bestehende Angebot der Frauenklinik im Bruderholz wird ins Bethesda-Spital verlagert», antwortete er auf die Frage von SP-Landrätin Regula Meschberger, wie die Grundversorgung im Bereich Gynäkologie nach dem Umzug gewährleistet werde. Am Bruderholzspital wurden bis zum Wechsel der Frauenklinik vom 1. Februar auch stationäre Abtreibungen durchgeführt. Seit heute Mittwoch steht fest: Dieses Angebot wird es am Bethesda trotzdem nicht geben.


Die Stiftung Diakonat Bethesda, der das Spital gehört, teilt mit, «in der Bethesda Frauenklinik weder Abtreibungen durchzuführen noch Rezepte zu verschreiben, die einen Schwangerschaftsabbruch bewirken». Damit beendet der Stiftungsrat die Diskussion, die der Chefarzt der Frauenklinik, David Hänggi, intern angestossen hatte. Dass der Entscheid erst nach «intensiven Diskussionen» gefällt wurde, verheimlicht die Stiftung nicht. Tatsächlich hatte Bethesda-Spitaldirektor Thomas Rudin der bz bereits Ende Januar gesagt: «Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst. Wir können nicht verkünden, ein Komplettangebot der Frauenmedizin einzuführen, und dann einfach einen Teil davon weglassen.»


Keine fundamentalistische Kirche

Nun geschieht genau das. «Das Bethesda verspielt in meinen Augen viel Vertrauen», sagt Meschberger auf Anfrage. Sie sei der Meinung gewesen, dass das Bethesda alle Leistungen des Bruderholzspitals übernehmen müsse. «Jetzt bricht die Erste weg. Und was wird als Nächstes nicht angeboten?»
Dass das Bethesda nun nach und nach weitere Leistungen abbaut, ist allerdings nicht zu erwarten. Denn die Begründung ist klar: «Den Ausweg aus dem Leben durch einen Schwangerschaftsabbruch zuzulassen, wäre ein direkter Widerspruch zu unserer Grundüberzeugung, dass der Mensch nicht über Leben und Tod zu entscheiden hat und stellte zudem eine irritierende Inkonsequenz angesichts unseres Engagements mit Kinderwunschklinik, Babyklappe und der Möglichkeit der vertraulichen Geburt dar», heisst es in der Mitteilung.


Gegenüber der bz präzisiert Spitaldirektor Rudin: «Am Ende war es ein klarer Entscheid für unsere christliche Ethik und Wertekultur, die wir seit der Gründung des Spitals 1923 pflegen. Es geht dabei auch um unsere Glaubwürdigkeit.» Dies hätten auch Hänggi und die Belegärzte verstanden. Und Jürg Matter, Direktor der Stiftung, die der Evangelisch-methodistischen Kirche nahesteht, fügt an: «Wir sind keine fundamentalistische, sondern eine offene Freikirche. Doch beim Thema Abtreibungen war der Fall für uns klar.»


Frage, was Komplettangebot heisst

Einen Widerspruch zum Versprechen, das Komplettangebot der Frauenklinik des Bruderholzspitals zu übernehmen, sehen die beiden nicht. «Die Frage ist, wo das Patientinnen orientierte Angebot anfängt und wo es aufhört», sagt Rudin ausweichend. Er verweist aber darauf, dass es in der Region Basel deswegen nun keinen Engpass gebe. Mit dem Basler Unispital und dem Kantonsspital Liestal gebe es genügend Spitäler, die stationäre Abtreibungen durchführen können. Im Bruderholz seien zudem weiter ambulante Eingriffe möglich. Und Matter dreht es ins Positive: «Wir übernehmen das medizinische, das heisst heilende Komplettangebot des Bruderholz.»


Meschberger stellt allerdings die Entscheidungskompetenz des Bethesda infrage: «Wenn man einen öffentlichen Auftrag wahrnimmt, dann kann man sich nicht irgendwelche Rosinen herauspicken.» Hier erhält das Privatspital aber Unterstützung: «Die ethischen Grundsätze der Leistungserbringer sind zu respektieren», sagt Rolf Wirz, Sprecher der Baselbieter Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. Es wäre nur ein Problem, wenn die Grundversorgung der Region in diesem Bereich nicht gewährleistet wäre. Und dies sei nicht der Fall.


Die Bethesda-Stiftung nimmt den Entscheid derweil zum Anlass, gleich noch zusätzliches Personal für ihre therapeutisch-seelsorgerischen Bemühungen anzustellen. Und, so Matter: «Wenn alle Stricke reissen und eine werdende Mutter in akuter Lebensgefahr schwebt, werden wir sie in eine Drittklinik begleiten und auch nach der Abtreibung betreuen.»