Genau eintausend und einen Tag ist es her, seit das Vereinigte Königreich für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hat. Nahezu eintausend und eine Geschichte über diesen Brexit haben Sie in der Zwischenzeit wahrscheinlich lesen müssen. Vom Inhalt her gleichen sie alle jenem Theaterstück, das der irische Schriftsteller Samuel Beckett wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs verfasst hat: In «Warten auf Godot» harren die Hauptpersonen Vladimir und Estragon der Ankunft einer Person namens Godot. Schlussendlich kommt er nie.

Gut möglich, dass auch der Brexit nie kommt. Der Deal, den Theresa May mit Brüssel ausgehandelt hat, hätte längst vom britischen Parlament beglaubigt werden müssen. Selbst wenn die Abgeordneten in London nächste Woche doch noch unter dem Druck Brüssels irgendwie zustimmen sollten: eine Verschiebung des Austrittstermin wird schon aus formellen Gründen nicht mehr abzuwenden sein.

Und wenn sie in London nicht ja sagen? Dann dürfte es zu einer ungleich längeren Verschiebung, zu Neuwahlen oder im extremsten Fall gar zur Absage des Brexits kommen. Denn ein ungeregelter Chaos-Brexit ist höchst unwahrscheinlich - einen solchen kann und will sich niemand leisten.

Obs einem gefällt oder nicht: Die Briten haben vor 1001 Tagen den Austritt aus der Europäischen Union beschlossen. Wird diesem Wunsch nicht entsprochen, droht die Glaubwürdigkeit der ältesten Demokratie der Welt nachhaltig Schaden zu nehmen. Aber auch die EU und ihre Mitgliedstaaten müssten sich ihren gerechten Anteil am gemeinsamen Scheitern anrechnen lassen. Die Brexit-Saga wird mehr und mehr zur Geschichte eines kolossalen Elitenversagen.